7 Trends im E-Commerce, die 2015 wirklich zählen

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 10. Dezember 2014 | 1 Kommentar Kommentieren

In den kommenden Tagen quillt das Netz wieder über mit den wichtigsten Trends im E-Commerce. Mobile? Check. Personalisierung? Check. Omnichannel? Check. Data? Check. Und so weiter. Es gibt auch noch etwas anders. Und das ist zuweilen weitaus wichtiger als die Frage, ob Beacons oder Click & Collect, personalisierte Feeds, On-Demand-Lieferung nun exakt die Projekte sind, denen Sie ihr Budget widmen müssen.
7 Trends im E-Commerce, die 2015 wirklich zählen
Küchenplanung per 3D-Brille leicht gemacht. Augmented Reality-Vision vom US-Händler Lowe

 

Mobile, das haben wir schon Ende 2013 zum Trend erklärt. Und in der Tat explodiert der Mobile Commerce gerade. Das ist kein Trend mehr. Mobile Lösungen, Responsive Design gar, sollten inzwischen zum geschnittenen Brot des Onlinehandels gehören.

Auch Elemente wie Click & Collect, Online-Reservierung, Warenverfügbarkeitsprüfung muss man keinem Multichannel-Anbieter mehr hinterher tragen. Wer es heute noch nicht zumindest auf dem Pflichtenheft hat, der glaubt auch, dass „Last Christmas“ ein aktueller Hit von Wham ist. Beispiele schildern wir in unseren verschiedenen whitepaper-Ausgaben sowie in der "e-map 2015".

Auch Same Day Delivery taugt nicht mehr zum Hype. Schnelligkeit plus Flexibilität ist der neue Standard. Einer, bei dem gerade auch eine Reihe von Start-ups wie Uber, Instacart und selbst Amazon mit seinen Fahrradkurieren in New York die Erwartungshaltung des Kunden an den Handel schon jetzt nachhaltig verändern – gleichgültig wie oft der das Lied „Wer soll das bezahlen“ anstimmt.

Muss man noch sagen, dass 2015 ein jeder sich weiter Richtung Personalisierung vortastet? Ich glaube kaum. Markenerlebnis, Inspiration für den Impulskauf, Individualisierung muss man nicht mehr als Heilsversprechen entdecken. Entscheidender ist eher, wie man es passend für seine Zielgruppe umsetzt.

 

Wirklich wichtig werden 2015 nämlich softe Faktoren, die Ansprüche alter und neuer Ökossysteme sowie vielleicht ein paar ganz verrückte Dinge.

 

1. Verlässlichkeit & Transparenz

Jede neue Schlagzeile über Datenlecks und Hackerattacken sorgt für weitere Verunsicherung bei Verbrauchern, gerade bei jenen, die allmählich den Onlinehandel für sich entdecken. Wer diese Gruppe überzeugen und halten will, muss vertrauensbildenden Maßnahmen nutzen. Wer Stammkunden halten will, muss sie beispielsweise über Statusinformationen und Trackingmöglichkeiten zur Sendung umfassend und transparent informieren. Wer Personalisierung bietet, muss dem Kunden die Chance geben, die über ihn gesammelten Daten zu verwalten. Zalando macht das mit "MyFeed" ein Stück weit vor. Wer Personalisierung verspricht, der muss auch mehr individuelle Serviceoptionen auf allen Kanälen bieten.

Zalando: Mit
Bei Zalando hilft der Kunde beim Aufräumen der Daten

2. Omni-Potenz

2015, es könnte für die Omnichannel-Anbieter zum Jahr der Wahrheit werden. Jenseits von Features und Service steht 2015 vor allem ein Fragekomplex im Raum: Gelingt es, die Personalisierung und den Einkaufspaß über alle Kanäle aufrecht zu erhalten? Gelingt es, über alle Kanäle ein bruchloses Markenerlebnis herzustellen? Die Suche nach Antworten auf diese Frage, sie wird das kommende Jahr bestimmen.
Das fängt bei der Synchronisierung des Einkaufszettels über verschiedene Endgeräte an, reicht über plattformspezifische animierende Lösungen bis hin zu Supportanfragen  - die dann allesamt das heimelige Gefühl eines einigendes Markendachs vermitteln müssen. Auch hier geht es jenseits der Technik vor allem um weiche Faktoren. Fernziel: Online das behagliche Einkaufserlebnis im Laden simulieren. Im Laden die Bequemlichkeit des E-Commerce kreieren. Nur dann bleibt man auf Dauer im eng begrenzten Relevant Set der Verbraucher.

 

3. Lokale Stärke

Schnelligkeit und Flexibilität, 2014 noch ein bisschen Luxus, wird dem Kunden 2015 zur Gewohnheit. Wer das – samt ein wenig „Tante Emma 2.0 Feeling“ - besonders leicht hinbekommen sollte, ist der Laden um die Ecke. Ihm wird der Kunde, und sei es nur um sein schlechtes Gewissen als zunehmend global agierender Kunde zu beruhigen, 2015 verstärkt auch im Web eine Chance geben. Lokale Händler tun deshalb gut daran, jetzt jeden Touchpoint zu nutzen, den ihnen Verbundgruppen und lokale Marktplätze bieten. Das „Window of Opportunity“ aka „Geduld des Kunden“ ist nicht allzu groß, bevor er sich endgültig den internationalen Anbietern verschreibt.
Übrigens: Fahrradkuriere hat Buchhändler Osiander (Hallo Amazon!) schon lange im Einsatz. Läuft top, verrät Christian Riethmüller im Interview am Rande des etailment Summit.

 

4. Handel ohne Händler

Noch tun sie ein wenig schüchtern, die großen Marken. Aber allen voran die Love-Brands werden sich zunehmend dem Direktvertrieb widmen. Weitaus leichter als der Handel können sie mit dynamischen Preisanpassungen und individuell zugeschnittenen Angeboten auf sich wandelnde Kundenwünsche reagieren und zudem noch ein deutlich intensiveres Markenerlebnis bieten.
Denn Hand aufs Herz: Wo macht der Einkauf des neuen Drei-Streifen-Trainingsanzugs mehr Spaß: Im Kaufhaus oder im durchgestylten Markenstore?
„Direct-to-consumer, and specifically the online part of direct-to-consumer, is a huge priority at Nike, and we are investing in that platform fairly aggressively”, sagt beispielsweise Mark Parker, CEO von Nike. Ein starker Spruch. Doch die Marken haben ihre Chance erkannt: Wenn dem Kunden der Einkaufskanal ohnehin gleichgültiger wird, kann er sich auch gleich an der Quelle bedienen. 

 

5. Alternative Zahlsysteme

Geht es Ihnen auch so? Das nervige Kleingeld im Geldbeutel, elendige Schlangen an der Kasse, nervige Befragungen nach Kundenkarten, Treuepunkten, Sammelbildern – damit könnte es gerne schon morgen vorbei sein.
Trend Nummer 5 ist daher ein Ausdruck der Hoffnung: Dass sich One-Klick-Modelle wie Apple Pay, das mit der Touch ID das iPhone zum universellen  Bezahlwerkzeug macht, oder „One Touch“-Lösungen von PayPal am besten schon am Neujahrsmorgen am PoS durchgesetzt haben. Auf die in den USA schon angestoßene Vorbestell-Funktion samt Payment von Starbucks warten wir dann gerne noch bis Heilige Drei Könige.

starbucks

6. Mega-Plattformen

Amazon feilt bereits daran: Eine einzige große Produktions- und Commerce-Plattform unter dem Dach von Amazon. Aber auch ein Kandidat wie Uber, dessen Boss Travis Kalanick Amazon-Gründer Jeff Bezos bewundert, muss man zu jenen zählen, die im Zweifelsfall lieber auf schnellen Gewinn als auf Marktmacht verzichten, um auf lange Sicht mehr zu sein als eine Taxi-App.

“We feel like we’re still realizing what the potential is. We don’t know yet where that stops.” Das sagte Kalanick dem Magazin “Wired” und klingt dabei wie Jeff Bezos.

Das Ziel: Eine Meta-Plattform als digitaler Marktplatz rund um alle urbane Aktivitäten, die sich mit Handel und Konsum verbinden lassen. Ein Uber für alles als allumfassende On-Demand-Plattform. Die ersten Anzeichen: In Washington hat der Fahrdienst jetzt seinen im Sommer lancierten Lebensmittel-Lieferdienst "Corner Store" ausgeweitet und liefert mehr Produkte als bislang an die Kunden. Die Ausweitung zeigt sich auch im Namen: Der lautet jetzt UberEssentials. In Santa Monica erprobt sich der Kurierdienst als Lieferdienst für den schnellen Lunch. Uber Fresh nennt sich das Konzept.

 

7. Virtuelle Realität

Ein bisschen Augmented Reality geht ja heute schon. In der Ikea-App, bei der Anprobe im Brillen-Online-Laden, am virtuellen Spiegel, im Küchenstudio, das zum Holodeck wird (Video). Das ist der Handel von Morgen. 2015 könnte das große Testjahr für Show-Projekte mit 3D-Brillen wie Oculus Rift werden, die schon jetzt im Handel erprobt wird.



Sogar im Reisebüro können sie so schon die weite Welt erkunden. Beispiele zeigt unser "Best Practice E-Commerce Report".


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Schlagworte: Trends

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 25. Dezember 2014 13:05 | Permanent-Link
    Gute Idee mit viel Potential

    An der Kasse mit dem iPhone bezahlen. Das hört sich sehr gut an, wobei Apple vergleichsweise spät dran ist. Google Wallet gibt es z.B. schon länger und funktioniert auch mit nicht Apple Produkten. Mal sehen, wie sich dieser Markt entwickelt.

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