Weinhandel im Web - Erfolgreich entkorkt

Von Stephan Lamprecht | 6. Juni 2016 |

Nachdem ich mir vor einigen Tagen für Sie das Angebot von Baumärkten im Web angesehen habe, dreht sich in diesem Beitrag alles um Wein. Wie präsentieren sich Pure Player und Filialisten im Internet, um den Kunden den in Flaschen abgefüllten Rebensaft in die Wohnung liefern zu lassen?

Der Weinhandel in Deutschland steht für einen Markt mit einem Umsatzvolumen von 9 Milliarden Euro. Nach Zahlen der GFK entfielen im Jahr 2014 immerhin 5 Prozent davon auf den Online-Handel. Indes haben die Discounter auf dem Gesamtmarkt eine starke Stellung. Nach einem Bericht der Wiwo beträgt der Anteil der beiden Discounter Aldi und Lidl gut 49 Prozent. In dem gleichen Bericht geht etwa Nikolas von Haugwitz, Vorstandsmitglied von Hawesko davon aus, dass 70 bis 80 Prozent der reinen Online-Händler vom Markt verschwinden werden. Es sind zwei Faktoren, die diese Prognose beeinflussen. Einerseits der Respekt vor Amazon Fresh, von dem erwartet wird, dass Wein dort eine wichtige Rolle spielen wird. Zum anderen haben gerade die genannten Discounter aufgerüstet und bieten Wein in separaten Shops an. Und dies eben nicht nur im Niedrigpreissegment. Ein spannender Markt mit vielen Playern. Deswegen kann es sich bei den in diesem Beitrag genannten Shops auch nur um eine Auswahl handeln. Aber damit los in die Welt der Weine.

Der Weinhandel im Web - ein kleiner Rundgang

Vicampo

Vicampo steht unter dem Motto, Weine vom Winzer direkt geliefert zu bekommen. Die responsive Seite ist eher nüchtern, aber dennoch modern gestaltet. Die Vorteile für den Kunden werden an prominenter Stelle ausgelobt. Testimonials zufriedener Kunden werben um Vertrauen. Über 10.000 Weine von mehr als 1.000 Winzern werden nach eigener Aussage im Shop angeboten. Dieser gibt sich keine Blöße und auch in Sachen Marketing beherrschen die Macher ihr Handwerk. Ob kostenloser Newsletter oder auch ein Tumblr-Blog wird viel für die Kundenbindung und Information getan. Neben der telefonischen Beratung wird auch ein Chat angeboten. In Sachen Payment hat der Kunde wie Wahl zwischen Kreditkarten, Paypal, Lastschrift, Sofortüberweisung und offener Rechnung.

Hawesko

Hawesko gehört zu den Marktführern im deutschen Weinhandel. Die Holding betreibt unter anderem die bundesweit bekannte Kette Jacques Weindepot. Das Unternehmen kann auch auf eine lange Erfahrung im Onlinegeschäft zurückblicken. Veteranen werden sich vielleicht an Winegate erinnern. Der Shop kommt deutlich magaziniger als Vicampo daher. Beraten wird telefonisch. Dem Kunden wird, wie bei den Mitbewerbern auch, allerlei Wissenswertes rund um den Wein angeboten. Seinen Lieblingswein kann der Kunde auch als Abo bestellen. Die Bezahlung im responsiven Shop erfolgt per Kreditkarte, Paypal, Rechnung oder Lastschrift.

Der Weinhandel im Web - ein kleiner Rundgang

Wine in Black

Der Anbieter stellt den Clubgedanken in den Mittelpunkt. Seine Mitglieder können besonders ausgesuchte Weine online bestellen. Zum Clubgedanken passend verrät die Website zunächst nicht viel, sondern stellt die Registrierung in den Mittelpunkt. Es geht nicht darum, den Kunden mit einer besonders großen Zahl von Weinen zu überzeugen, sondern mit der Exklusivität und zeitlichen Begrenzung des Angebots. Dafür bietet Wine in Black auch eine App an, was in diesem Segment eine Besonderheit darstellt. Gezahlt wird mit Kreditkarte, Paypal, Lastschrift und Sofortüberweisung.

Der Weinhandel im Web - ein kleiner Rundgang

Geile Weine

Die Amerikaner würden das Angebot wohl mit dem typischen „wine for the rest of us“ umschreiben. Hier lockt nicht die Exklusivität, sondern der Einstieg in den modernen Shop bildet das Ereignis. Zu welchem Anlass sucht der Kunde einen Wein, lautet die Frage. Die Site selbst orientiert sich von der Gestaltung an einem Tumblr-Blog. Tumblr wird auch ganz offiziell als Blog verwendet. Die Postings dort beschäftigen sich aber nur verhalten mit dem eigentlichen Thema des Angebots. Am ehesten lassen sich die Beiträge mit dem Etikett „Foodporn“ beschreiben. Der Anbieter nutzt intensiv Instagram, um mit Kunden zu interagieren, die dort ihre Erlebnisse mit Weinen beschreiben. Bei der Bezahlung orientiert sich „Geile Weine“ am Mitbewerb. Zur Auswahl stehen Paypal, Lastschrift, Sofortüberweisung, Kreditkarte und Rechnung.

Der Weinhandel im Web - ein kleiner Rundgang

Weinfreunde

Dieses modern gestaltete Angebot wird von Rewe betrieben. Die Kundschaft wird werktags von 8–20 Uhr telefonisch beraten. In dieser Hinsicht hat sich Rewe an den Mitbewerbern orientiert. Angeboten werden auch höherpreisige Weine. Der Einstieg in das Sortiment kann anlassbezogen und thematisch erfolgen. Auch Winzer und Weinsorten werden redaktionell vorgestellt. Über einen Weinfinder kann der Kunde sich im Angebot mittels Filtern im Angebot orientieren. Die Bezahlung erfolgt per Rechnung, Paypal und Kreditkarte.

Der Weinhandel im Web - ein kleiner Rundgang

Lidl

Das Angebot von Lidl soll exemplarisch für die Discounter herangezogen werden, denn auch Aldi hat in diesem Segment seine Aktivitäten verstärkt. Der Weinshop ist in den Gesamtauftritt integriert und gefällig gestaltet. Der Einstieg ins Sortiment erfolgt wie bei den Weinfreunden mittels eines anpassbaren Filters zu Weinsorten oder Anlässen. Beratung findet der Kunde allerdings deutlich weniger. Die redaktionellen Seiten bieten ein Grundwissen über Rebsorten und Lagen an. Im Ziel steht aber klar der Abverkauf. Von seinem Filialnetz macht Lidl keinen Gebrauch. Die Zustellung der Ware erfolgt ausschließlich an die Wohnadresse oder Packstation. Bei den Bezahlverfahren gibt es eine Besonderheit. Neben Rechnung, Lastschrift, Sofortüberweisung, Paypal und Kreditkarte offeriert Lidl auch den Ratenkauf.

Der Weinhandel im Web - ein kleiner Rundgang

Vinello

Bei Vinello wird der regionale Bezug zu Dresden stark betont. Dazu gehört auch das Promoten eines eigenen Stores. Unter der Woche steht eine telefonische Beratung zwischen 10 und 18 Uhr zur Verfügung. Der Kunde wird durch ein besonders langes Rückgaberecht von 28 Tagen gelockt. Außerdem ist der Shop biozertifiziert. Die responsive Site weiß auf der Einstiegsseite zu Gefallen, erscheint aber in der Tiefe dann doch recht schlicht gestaltet. Transparenz ist den Machern von Vinello offensichtlich wichtig. Es werden nicht nur die liefernden Winzer ausführlich vorgestellt, sondern auch eine Korkgarantie angeboten, deren Abwicklung unkompliziert erscheint. Bei den Bezahlverfahren gibt es zwei Überraschungen. Denn neben den auch von den Mitbewerbern angebotenen Verfahren werden auch Amazon Payments und Barzahlen unterstützt.

Der Weinhandel im Web - ein kleiner Rundgang

Wir Winzer

Dieser Shop soll unseren kleinen Rundgang durch das Angebot der Weinhändler im Internet beschließen. Neben der telefonischen Beratung gibt es hier ebenfalls die Möglichkeit, sich mit einem Mitarbeiter per Chat zu unterhalten. Um in das Sortiment einzusteigen, gibt es verschiedene Varianten: Anbaugebiete, redaktionelle Empfehlungen oder auch Gerichte, zu denen ein passender Wein gesucht wird. Wer seinen Lieblingswinzer bereits gefunden hat, kann sich dessen Weine auf Wunsch einfach anzeigen lassen. Der Bezug zu regionalen Anbietern ist den Machern wichtig, wie es der Name ja auch bereits nahelegt. Das Versprechen des Shops: Die 9.000 Weine aus Deutschland werden frisch vom Hof des Winzers an den Kunden geliefert. Bezahlt werden kann die Ware, die direkt nach Hause geliefert wird, mittels Paypal, Kreditkarte, Rechnung, Lastschrift und Sofortüberweisung. Das gepflegte und aktuelle Blog, das auch ein Lexikon umfasst, macht Appetit auf mehr.


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Schlagworte: weinhandel

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