Ernsting`s family: Bodenständig, aber innovativ

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 28. Oktober 2015 |

Wer an der Leipziger Straße in Frankfurt den Outlet-Store von Zalando verlässt, der stolpert quasi direkt bei Ernsting`s family herein. Auch sonst muss sich der Modehändler für die ganze Familie nicht hinter Fashion-Bude und Tech-Motor Zalando verstecken. Gründe dafür gibt es genug. Bei Ernsting`s family werden sie nur nicht so laut herausgeschrien. Wir holen das hier mal nach. 

Ernsting`s family: Bodenständig, aber innovativ


Berlin, Berlin, Berlin - da tobt die digitale Zukunft. Coesfeld-Lette in Westfalen, Heimat von Ernsting`s family, steht dagegen ganz sicher nicht in Verdacht, Welthauptstadt der digitalen Boheme und des Hipstertums zu sein. „Westfäölske Dickköppe“ lautet ein Vorurteil über die Menschen der Region. Eher zurückhaltend sollen sie sein. Aber auch solide. Vielleicht ist da was dran. Unaufgeregt und ohne „fancy stuff“ packt der Modehändler den digitalen Wandel an. Das aber mit Sinn für das Machbare und mit Sinn für den Kunden. Der ist ja manchmal auch etwas konservativer.  

Mobile: 

Ernsting`s family: Bodenständig, aber innovativ
Mobile first heißt die Losung bei Zalando. Multichannel first könnte sie bei Ernsting`s family  lauten. Im Sommer startete der Händler eine neue App, die “den mobilen Nutzer über emotionale Einstiege in das Produktsortiment zum regelmäßigen Besuch des Online-Shops bewegen und ihm gleichzeitig über lokal ausgespielte Push-Notifications einen Kundenmehrwert bieten” soll. Dabei sollen auch Beacon den Kunden anfeuern, in den Laden zu kommen.

Online? Läuft! 

Der Gesamtumsatz von Ernsting`s family mit Hauptsitz in Coesfeld-Lette (Westfalen) liegt brutto bei knapp einer Milliarde Euro. Online kommt auf einen Umsatzanteil von rund 4,5 Prozent. Das Wachstum liegt im zweistelligen Bereich. Der Deckungsbeitrag liegt über dem Durchschnitt.

Lockere Werbung?

Kann der Westfale auch. Siehe den Youtube-Spot „Rock die Flocken!“ Das ist vielleicht nicht so hip, wie Werbung aus Berlin. Aber  die quasselnden Babys dürfte die Zielgruppe zum Knuddeln finden. Die Reichweite der Clips bei Youtube ist mit bis zu rund einer Million Views mehr als beachtlich. 

Multichannel-Push:

4,50 Euro Versandkostenpauschale klingt ein wenig antiquiert. Trotzdem holen 8 von 10 Online-Kunden die Ware in der Filiale ab. Schöner Nebeneffekt (für den Händler): 30 Prozent der Kunden kaufen dann zusätzlich ein. Und bei 1700 Filialen in ganz Deutschland gibt es Click & Collect somit quasi flächendeckend.  Weitere Zusatzverkäufe verzeichnet Ernsting’s family bei Retouren von online bestellter Ware im Store. Das ist Multichannel-Retourenmangement per excellence, zumal es Ernsting’s family geschafft hat, die Warenwirtschaftssysteme von Online-Shop und Filiale zu verknüpfen. So können die Retouren sofort wieder in den Online-Bestand eingepflegt werden.

Was es nicht gibt:

Nach dem fancy Feature sucht man im Webshop vergeblich. Das wäre vermutlich auch „to much“ für die Zielgruppe, die eher nach einem grundsoliden Modeangebot sucht und vor allem leichte Bedienbarkeit erwartet. Nützliche Ideen aber werden umgesetzt: Beispielsweise zusätzliche Infos zum Artikel auf der Übersichtseite per „mouse over“-Effekt. Hier wird nämlich praktisch gedacht - siehe die Pflegehinweise bei den Produktinfos. Das ist pfiffig und bietet längst nicht jeder Händler. Merke: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht den Angler begeistern. 

Experimentierfreudig:

Ernsting`s family: Bodenständig, aber innovativ
Ernsting‘s family nutzt wiederholt TVSMILES für den Second Screen. TVSMILES, Anfang 2013 von Frederic Westerberg, Gaylord Zach und Christian Heins gegründet, belohnt Nutzer für das Schauen von Werbung und die Interaktion mit anderen Werbe-Formaten. Die dabei erworbenen Punkte können dann gegen attraktive Prämien eingelöst werden.

Early Adopter: 

Multichannel hat Ernsting`s family schon forciert als es noch gar keinen Namen dafür gab, 2003 mit dem Webshop gestartet, setzte die Textilkette schon ein Jahr später auf die Vernetzung der Kanäle. 

Social Media:

Im Bereich Social Media ist Ernsting’s family seit Februar 2010 aktiv. Auf Facebook, Twitter,Youtube, Pinterest, Instagram und einem eigenen Corporate Blog kommunizieren die Social Media Redakteure direkt mit den Fans über aktuelle Kollektionen oder Aktionen. Die Facebook Fanpage mit schnell wachsender Tendenz verzeichnet bereits mehr als 200.000 Likes. Unter blog.ernstings-family.com schreiben Mitarbeiter und Gastblogger zu Themen aus den Bereichen Familie, Mode, Erziehung, Ernährung, Lifestyle und vielem mehr.

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