Fyndiq: Wie erfolgversprechend ist der neue Schnäppchen-Marktplatz aus Schweden?

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 4. Februar 2016 |

Es ist ja nun nicht so, als wenn es nicht schon eine Überfülle an Marktplätzen in Deutschland geben würde. Mit Fyndiq hat sich jüngst auch ein Schnäppchen-Marktplatz aus Schweden auf den deutschen Markt gewagt. Im Heimatland gehört der Onlinemarktplatz zu den führenden Playern im Markt, schafft mit 21,3 Millionen Euro (2014) einen für den kleinen Markt Schweden bemerkenswerten Umsatz. Deutsche Händler dürfte das gleichwohl weniger beeindrucken. Also verteilt der „Underdog“ hierzulande nun Geschenke an die Händler und pocht auf deutliche Differenzierung. Kann sich Fyndiq damit im Markt vordrängeln?

PR kann Fyndiq: "Amazon der Schnäppchenjäger", "eBay-Schreck" (eBay ist seit 2015 nicht mehr in Schweden) und "Nulltarif für Händler". Griffige Bilder.  Händler aber schauen lieber auf Kosten und Zahlen. Um die zu gewinnen, verzichtet Fyndiq nun großzügig auf eigene Einnahmen.   

Findiq: Wie erfolgversprechend ist der neue Schnäppchen-Marktplatz aus Schweden?


  • Ab Mai 2016 können deutsche Händler über die Plattform sechs Monate lang zum Nulltarif verkaufen. Dafür müssen sie sich lediglich bis zum 15. Februar 2016 unter fyndiq.de/6monthregistration/ registrieren und ihre Produkte bis zum 15. März 2016 hochladen.

Findiq:
  • Anfang Mai soll zudem eine Marketingkampagne folgen. Die Kriegskasse sei gut gefüllt, heißt es. 20 Millionen Dollar hatte eine Investorenriege rund um den Geldgeber Northzone Ende 2014 für die weitere Expansion „überwiesen“.

     

  • Fyndiq, das hierzulande von Berlin aus operiert, verkauft keine eigenen Produkte und tritt damit nicht mit seinen Händlern in Wettbewerb. Das könnte manchen Händlern gut gefallen, die allzuviel Wettbewerb scheuen.

     

  • Service und Unterstützung mittels Werbemaßnahmen ist Teil des Online-Shops auf dem Marktplatz. Top-Platzierungen auf der Seite kann man nicht kaufen, stattdessen entscheiden Umsatz und Kundeninteresse.  

    Findiq:
    Dinesh Nayar

  • Dinesh Nayar, CEO von Fyndiq, sieht den Marktplatz nicht als eierlegende Wollmilchsau für allen Kundengruppen, sondern positioniert die Plattform ganz bewusst als „Schnäppchen-Superstore“.

 

  • Ein Pluspunkt: die simple Kostenstruktur. Der Marktplatz zahlt den Händlern 95 Prozent des Verkaufspreises aus, schnappt sich also nur eine Verkaufsprovision von 5 Prozent über alle Produktkategorien hinweg und verlangt weder Einrichtungspauschale, noch monatliche Grundgebühr.

 

  • Zweischneidig kann man die Versandkostenstruktur sehen. Der Kunden zahlt pro Bestellung nur einmal 4,95 Euro, auch bei Einkäufen von unterschiedlichen Händlern. Dafür trägt der Händler seine Versandkosten alleine.  

     

  • Ausbaufähig ist das Paket an Schnittstellen: So gibt es heute bereits Integrationen zu Magento, Gambio, Prestashop und WooCommerce. Kurzfristig sollen Lösungen für Shopware, magnalister, Plentymarkets, ChannelPilot, OscWare, Unicorn2, und Afterbuy folgen.

 

  • Der Händler selbst bleibt auf der Plattform gegenüber dem Kunden unsichtbar. Die Unsichtbarkeit schafft Bequemlichkeit für den Händler. Fyndiq übernimmt auch die Zahlungsabwicklung und Kundenkommunikation komplett sowie den Retouren-Prozess. Retourenscheine können von den Händlern selbst zur Verfügung gestellt oder – falls gewünscht – von Fyndiq generiert werden. Im Frühjahr 2016 implementiert Findiq eine zentralisierte Lösung zur Abwicklung der Retouren.


Findiq:

Wie relevant kann Fyndiq werden?

Ja, der Markt ist übervoll. Neben Amazon und eBay buhlen unter anderem auch Rakuten, Hood, Hitmeister, Allyouneed und serienweise lokale Marktplätze und Spezialanbieter wie Dawanda um Kunden und Händler.

Keiner der Anbieter hat sich aber bislang mit letzter Konsequenz in Richtung der Generation Discount positioniert. Wenn es Fyndiq gelingt, sich als Aldi unter den Marktplätzen aufzustellen, könnten die Schweden zumindest die Amazon- und eBay-Verfolger mit ihren mittleren zweistelligen Millionenumsätzen binnen weniger Jahre überholen. Die Stärke der Marke wird dabei ganz entscheidend sein. Der Händler selbst tritt als Marke gegenüber dem Kunden beim Einkauf nicht in Erscheinung. Das kann ein Vorteil sein, wenn es gilt Restposten und Saisonware über das Portal abzuschleusen.

Fyndiq in Zahlen

Fyndiq hat in Schweden rund 1.600 Händler unter Vertrag. Zum Vergleich: Hitmeister hat hierzulande derzeit 5.500 Händler und Lieferanten. In Schweden konnte Fyndiq bereits im zweiten vollen Geschäftsjahr (2012) für seine Händler einen Umsatz von mehr als 6,2 Millionen Euro generieren und knapp 200.000 Käufer gewinnen. Im darauffolgenden Jahr verdoppelte der Marktplatz seinen Umsatz auf 13,6 Millionen Euro. Aktuell liegt er bei 21,3 Millionen Euro (2014). Im Heimatmarkt erreicht die Plattform eine Quote von 68 Prozent wiederkehrender Kunden. Die Kernzielgruppe ist um die 30 Jahre alt und vorwiegend weiblich.
Größte Herausforderung für manche Händler: Die Produkte müssen innerhalb von 24 Stunden nach Bestellung an die Schnäppchenjäger verschickt werden.  

So bleibt denn vor allem das Henne-Ei-Problem als Fragezeichen. In der ersten Woche nach dem Start im Juni 2015 haben sich rund 200 Händler neu registriert. Das könnten schnell mehr werden, wenn es Fyndiq gelingt, mit seinem Einstiegsangebot gerade auch Neulinge zu erreichen, die eine Verkaufsplattformen möglichst risikolos testen wollen und etablierte Händler die Gelegenheit nutzen werden, vergleichsweise bequem einen neuen Vertriebskanal zu erproben.

Nur der Name Fyndiq ist gewöhnungsbedürftig: in einer früheren Version des Beitrags war an einigen Stellen von "findiq" die Rede. Aber lassen Sie sich kein y für ein i vormachen.


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Schlagworte: Marktplatz, Fyndiq

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