IPO-Wahnsinn Zalando und Rocket Internet? 6 Gründe, warum man von den Aktien (noch) die Finger lassen sollte

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 24. September 2014 |

Rocket Internet - 6,2 Milliarden Euro wert. Zalando - bis zu 5,6 Milliarden Euro wert. Vor dem Börsenstart schießen die Bewertungen in die Höhe. Die Dotcom-Ära war dagegen Kinderstube. Doch lohnt sich der Einstieg jetzt für den Kleinanleger? Was bringt es, wenn man jetzt zum Preis von ein Paar günstigen Schuhen pro Aktie bei Zalando oder Rocket Internet einsteigt? 



1.

In allen drei Fällen handelt es sich in erster Linie um eine Kapitalerhöhung. Anders gesagt, die Unternehmen brauchen dringend Geld.

2.

Die Gewinnerwartungen für Zalando sind eher mau. „Gehen wir also von einer Umsatzrendite von Netto 2% aus (was schon sehr positiv gedacht ist), dann müsste Zalando auf einen Umsatz von 10 Milliarden € wachsen (Verfünffachung!), damit man wenigstens ein KGV von 25 erreichen würde. Langfristig lässt sich aber auch das nicht halten, man benötigte also eigentlich eine Verzehnfachung des Umsatzes!“ erklärt Preis & Wert und findet die Aktie zu teuer.

IPO-Wahnsinn Zalando und Rocket Internet?
Rocket Internet: Außerbörslicher Kurs heute bei Lang &Schwarz

Grafik via Onvista

3.

Im Vergleich zu anderen Händlern ist Zalando geradezu überoptimistisch bewertet. „Händler (sowohl off- wie auch online) sind im Normalfall nicht sonderlich profitabel (selbst bei Walmart bleiben nur 3,5 Cent Gewinn je Dollar Umsatz über). Kurs-Umsatz-Verhältnisse über 1 (Amazon 2, Zalando 3) sieht man bei Händlern quasi nie, gerade offline sind die KUVs viel niedriger; gute Unternehmen wie Walmart weisen gerade einmal KUVs von 0,4 oder 0,5 auf, schlechte (sprich margenarme) wie die Metro liegen etwa bei der Hälfte. Sind Online-Händler diesen Aufpreis wert? Im Vergleich zur Metro reden wir immerhin um den Faktor 15, den Zalando teurer ist.“  Das mahnt "Die Wunderbare Welt der Wirtschaft" an. 

IPO-Wahnsinn Zalando und Rocket Internet?
Beim außerbörslichen Handelssystem Tradegate liegt der Zalando-Kurs über dem Ausgabepreis

Grafik via Onvista

4.

Man muss nicht gleich von „Blase“ reden. Aber zuviel Euphorie blendet gerade ein wenig. „Insgesamt ist es eher beunruhigend, das die Zahl der IPOs in letzter Zeit so stark zu nimmt – das ist leider immer ein Zeichen einer beginnenden Überhitzung des Marktes“, warnt der Finance-Blog.

5.

Grundsätzlich etwas gegen einen Einstieg bei einem IPO hat Mr. Market:  "Neben Altgesellschaftern stehen die Investmentbanken, die den IPO begleiten und befeuern. Diese kommen gerade dann an das Mandat, wenn sie den Altgesellschaftern versprechen können, dass sie den IPO zuverlässig durchbringen und einen besonders hohen Emissions-Preis erzielen können. Und die Investmentbanken sind auch oft so incentiviert, diesen hohen Preis zu erzielen.

Wir haben also auf der einen Seite zwei starke Kräfte, die genau wissen was im Unternehmen los ist und ein massives, wirtschaftliches Interesse haben, den Preis hoch zu treiben. Er darf zwar nicht so hoch gehen, dass gleich eine massiver Einbruch droht, das würde an der Reputation der Investmentbanken nagen, aber er darf und soll schon 10 oder 20 oder mehr Prozent über dem liegen, was die “Wissenden” dem Unternehmen eigentlich zubilligen, sonst würde man ja keinen IPO machen. Und um trotz eines überhöhten Emissionspreises dann den folgenden Einbruch zu verhindern, gibt es eben Lockup-Perioden und vor allem die Kurspflege der Investmentbanken, weswegen sich ernst zu nehmende Marktpreise erst dann entwickeln können, wenn beide ausgelaufen sind." Allen anderen aber fehle es an Daten und Mitteln, um zuverlässig den Wert des Unternehmens einzuschätzen.

6.

Transparenz ist da also das Stichwort. Skepsis, die  erzeugt vor allem Rocket Internet, weil der IPO nicht im Prime Standard, sondern im Entry Standard über die Bühne geht. Der ist etwas schluffiger, was die Transparenzpflichten angeht. Exciting Commerce entdeckt im Verkaufsprospekts  sogar "über weite Strecken realsatirische Züge". Zalando dagegen debütiert direkt im Prime Standard. Rocket will erst später dahin. 

Unser Tipp:
Rocket Internet ist eher etwas für risikoorientierte Anleger mit einer langfristigen Anlagestrategie (Kaufen und dann ein paar Jahre nicht mehr nachgucken). Auch wenn es bereits Order für alle Aktien gibt und die Pressekonferenz, wie man beim Netzökonom nachlesen kann, viele tolle Argumente für RKET (Tickerkürzel) aufzählt.
Die Zalando-Emission gilt laut Finanzkreisen sogar inzwischen als mehrfach überzeichnet. Zalando (WKN: ZAL111) im Prime Standard gilt Beobachtern auch als Kandidat für den Tec-Dax. Dann dürften weitere Fonds automatisch einsteigen. Zumindest kurzfristige Kursprünge könnten die Folge sein. Die Aufnahme hängt aber von Größen wie Marktkapitalisierung und Umsatz ab. Es bleibt also eine riskante Wette zumal Zalando erst noch seine Nachhaltigkeit bestätigen muss. Das sollte man vielleicht ebenso abwarten, wie die Halte-Zeit der Alt-Anteilseigner. Für riskofreudige Früheinsteiger: Die Graumarktkurse bewegen sich derzeit über dem angekündigten Ausgabepreis. Das könnte also ein lukrativer Schnellschuss werden.

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Schlagworte: Zalando, Rocket Internet, IPO

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