Limango-Chef Sven van den Bergh: "Es geht uns nicht um das fancy Feature"

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 24. August 2015 |

Limango-Chef Sven van den Bergh:
Sven van den Bergh, limango
Für rund 2,4 Milliarden Dollar schnappte sich die QVC-Mutter Liberty Interactive Corporation Mitte August den Shopping-Club Zulily. Der Milliarden-Deal mit dem familienorientierten US-Onlinehändler rückt auch hierzulande die zielgruppenorientierten Shopping-Clubs wieder mehr in den Fokus. Beispielweise das deutsche Pendant limango, das als MyToys-Tochter unter dem Dach der Otto Group hierzulande eher ohne großes Tamtam am Wachstum bastelt. Von Mitgründer und Geschäftführer Sven van den Bergh wollten wir deshalb wissen, wo limango steht und wie man das weitere Wachstum gestalten will. 

Im Vergleich zu Mitbewerbern trommelt limango nicht gleich bei jeder Kleinigkeit. So ruhig bei Ihnen?

Sven van den Bergh: Mit der Otto Group als Partner können wir uns voll und ganz auf den operativen Aufbau unseres Geschäfts konzentrieren, dies bringt viel Ruhe und Nachhaltigkeit. Beim „Trommeln“ fokussieren wir uns auf die Kommunikation mit unserem Zielsegment Familien – dies gelingt uns sehr erfolgreich: mit über 6 Millionen Mitgliedern haben wir limango zum führenden Shopping Club für Familien aufgebaut.

Limango-Chef Sven van den Bergh:
Wo sehen Sie Ihren größten Vorteil im Vergleich zu Mitbewerbern?

Sven van den Bergh: Die Zielgruppe Familie ist unsere Leidenschaft und unsere Konstante: Seit Ende 2007 stellen wir die Zielgruppe der Mütter und ihrer Familien in den Fokus und richten unser Angebot systematisch nach den Bedürfnissen von Familien aus. Da sind wir authentisch. Auch weil uns das Thema privat sehr am Herzen liegt.

Aus dem TV haben Sie sich komplett verabschiedet. Nanu?

Sven van den Bergh: Es gibt andere Wege, die Marke weiter auszubauen und bessere, um in einen direkten Dialog mit den Kunden zu treten. Ganz besonders in den sozialen Medien. Ein viraler limango-Spot rund um die Aktion #‎dannhastdukinder erreichte binnen Wochenfrist rund eine Million Aufrufe. 

"Es gibt andere Wege als TV, die Marke weiter auszubauen und bessere, um in einen direkten Dialog mit den Kunden zu treten. Ganz besonders in den sozialen Medien"


Wie haben Sie das geschafft?

Sven van den Bergh: Wir haben die Zielgruppe Familien verstanden. Mit Erfolg: Knapp jede fünfte Mutter in Deutschland hat bereits bei limango eingekauft. Alleine in Deutschland empfangen täglich mehr als 2 Millionen Mitglieder unseren Newsletter. Das schafft eine gute Ausgangsbasis für virale Aktionen. Zumal unsere Mitglieder gewohnt sind, mit limango in regelmäßigen Kontakt zu stehen. Durchschnittlich kommt jedes Mitglied einmal die Woche auf der Website vorbei. Wir haben also kontinuierlich einen engen Draht zur Familie. Auch Facebook ist für uns mit rund 250.000 Fans ein wichtiger Kanal.

limango definiert sich als „Shopping-Welt für Familien“. Nach meinem Eindruck sieht man aber vermehrt auch Mode für Damen und Herren, Angebote fürs Wohnen, Reisen und andere Dinge. Wie passt das zusammen?

Sven van den Bergh: Der Angebotsausbau folgt unserem Fokus auf die Bedürfnisse unserer Zielgruppe Familien. Nachdem wir mit Babybekleidung gestartet sind, haben wir uns mit den Bedürfnissen der Familien ständig weiterentwickelt. Wichtige Sortimente und Produkte, die relevant für Familien sind, sind systematisch hinzugekommen. Unser Geschäftsmodell haben wir entsprechend erweitert. Beispielsweise mit den provisionsbasierten limango-Deals oder limango-Travel, wo wir speziell ausgewählte Familienreisen anbieten.

Die Website ist sehr bodenständig. Kein „Personal Feed“, keine top-modernen Style-Funktionen. Das verwundert ein bisschen?

Sven van den Bergh: Sie haben etwas vergessen: Wir bieten ja auch keine High-End-Fashion. Es geht uns nicht um das fancy Feature. Wir brauchen das nicht. Und unsere Kundinnen wollen das auch nicht. Wir haben das getestet. Viele Mütter haben für solche Spielereien gar keine Zeit. Sie wollen lieber leichte Bedienbarkeit. Wir konzentrieren uns daher auf ein ehrliches, grundsolides und impulsgetriebenes E-Commerce-Erlebnis mit großen bekannten Marken, aber auch kleinen Neuentdeckungen. Unsere Neuigkeiten kommunizieren wir dann über den Newsletter oder bieten sie über Facebook oder die App an. Wir wollen Relevanz für Familien – keinen Schnickschnack.

"Es geht uns nicht um das fancy Feature. Wir brauchen das nicht. Und unsere Kundinnen wollen das auch nicht"


Und satte Rabatte?

Sven van den Bergh: Gute Preise allein können viele. Für uns geht es um eine optimale Preis-Leistung. In erster Linie steht limango dafür, dass wir eine große Vielfalt im Sortiment und bei allen Themen bieten, die für Familien relevant sind, und daraus täglich eine besondere Auswahl an spannenden Angeboten zusammenstellen. Die Mischung zählt. Die richtige Auswahl an attraktiven Angeboten steht bei uns und unseren Kundinnen hoch im Kurs. Dies gilt erst recht vor dem Hintergrund von rund 3.500 Verkaufsaktionen im Jahr, deren Anzahl wir in Zukunft noch massiv ausbauen wollen.

Limango-Chef Sven van den Bergh:

Wie segmentieren Sie das?

Sven van den Bergh: Wir stellen unsere Angebote konsequent nach den Wünschen unserer Kundinnen zusammen. Stichwort Markenalarm. Mittlerweile haben wir täglich 30 bis 40 verschiedene Aktionen auf unserer Plattform, aus denen wir für unsere Mitglieder möglichst eine optimale Auswahl zusammenstellen. Im Schnitt verschicken wir so bis zu 400 unterschiedliche Newsletter pro Woche. Mit dem Ausbau unseres Angebots wollen wir das noch weiter intensivieren. Wichtig ist hierbei auch der Ausbau alternativer Kanäle wie beispielsweise unsere App und unser Facebook-Feed.

limango in Zahlen

  • 6 Millionen Mitglieder in Deutschland, Niederlande und Polen
  • Durchschnittsalter der Kundinnen: 36 Jahre
  • Bestandskunden kaufen 4,5 Mal pro Jahr
  • In 2014 ca. 3.500 Verkaufsaktionen mit über 2 Millionen Bestellungen und mehr als 7 Millionen verschickten Artikeln
  • Im 1. Halbjahr 2015 40 Prozent Wachstum ggü. Vorjahr (Umsätze von Einzelunternehmen kommuniziert die Otto Group nicht)
  • 50 Prozent des Traffics über Mobile
  • Zu Mitbewerbern im Segment der Shopping-Clubs für Mütter und Kinder darf man unter anderem Windelbar (Windeln.de), vipFamiliy (babymarkt.de) und kidisto zählen
limango ist Teil der MyToys-Gruppe rund um Mirapodo (Schuhe) und Ambellis (Damenmode). Lassen sich da Synergien heben?

Sven van den Bergh: Prinzipiell sind wir sehr unterschiedlich. Das fängt schon im Einkauf an. Es ist eher so, dass sich unsere Geschäftsmodelle ergänzen als überschneiden. Beide Firmen haben für sich genommen viele Wachstumschancen, auf die wir uns momentan konzentrieren. Wichtiger ist für uns daher der Erfahrungsaustausch. Bei der Neukundengewinnung arbeiten wir allerdings zusammen.

Ein Beispiel bitte.

Sven van den Bergh: Die „Erste-Schritte-Box“, ein Free-Give-away für Schwangere, ist eine Kooperation zwischen MyToys und limango. Die weitere Betreuung dieser Kunden ist dann wieder individuell und höchst unterschiedlich.

Sie sind in Österreich, den Niederlanden und Polen aktiv. Wie steht es um die weitere Internationalisierung?

Sven van den Bergh: In Europa haben wir uns die Position als Nummer eins unter den Shopping Clubs im Familiensegment erarbeitet. Mit unserem skalierbaren Business-Modell und einer wachsenden Shopping Community aus inzwischen mehr als sechs Millionen Mitgliedern verfügen wir bereits heute über eine sehr starke Marktposition. Diese wollen wir in Zukunft auch in weitere Länder ausbauen.


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Schlagworte: Limango, Shopping-Club

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