Lokale Marktplätze: Mehr als ein Strohhalm?

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 30. Oktober 2014 | 1 Kommentar Kommentieren

Lokale Marktplätze: Mehr als ein Strohhalm?
Natürlich kann man als Händler auf die großen Markplätze setzen. Der Reichweite wegen. Doch gehört ihnen die Zukunft? Eine wachsende Phalanx lokal ausgerichteter oder sortimentsspezifischer Marktplätze sagt „Nein“. Doch wie erfolgversprechend sind diese Konzepte?

Gebühren, die bei Amazon auch gerade mal wieder steigen, der Zwang ständig mit der Masse der Anbieter und ihren Discount-Preisen mithalten zu müssen, das kann einem Händler schon die Lust auf Marktplätze vermiesen. Auch der Hinweis etlicher Berater „Mach mal Nische“ taugt wenig. Die Nischen sind übervoll. Da bräuchte es schon ein eigens für den Händler gedengeltes Produkt. Doch welcher Händler hat das schon? Schlimmer: Welcher Kunde würde auf einem der großen Marktplätze ausgerechnet danach suchen?

Da kommen dann die kleinen Marktplätze mit ihrem Blick für gute lokale Angebote, für besondere Sortimente ins Spiel und versprechen neben kuscheliger Atmosphäre auch bessere Sichtbarkeit auf dem Marktplatz.

Artimondo:

Dawanda oder etsy sind als Handarbeitsplattformen längst etabliert. Umso ehrgeiziger das Ziel von artimondo.de, das als Marktplatz für exklusive Handwerksprodukte und Delikatessen nun angreifen will. Optimistisch stimmt, dass  Artimondo rund 800 handverlesene Manufakturen und mehr als 20.000 Produkte zum Start mitbringt und als deutsche Version des in Italien beliebten Angebots antritt. Dort entstand die Plattform aus einer Mailänder Handwerks-Messe. Im Unterschied zu den Mitbewerber arbeiten alle Anbieter auf artimondo.de professionell.

 

Sugar Trends:

Die beste Ansammlung lokaler Shops verspricht die Plattform Sugar Trends. Unternehmer Christian Schwarzkopf und Tim Lagerpusch wollen damit dem Einheitsbrei im Web begegnen und wählen die Partner selbst aus. Dafür aber ähneln Idee und Umsetzung dem bekannten Rezept lokaler Marktplatz-Konzepte. Das muss nicht schlimm sein. Das bessere Sortiment gewinnt.

Lokale Marktplätze: Mehr als ein Strohhalm?


Notonthehighstreet:

Kleine außergewöhnliche Lädchen und Designer unterstützt in UK der Marktplatz mit dem programmatischen Namen Notonthehighstreet.com. Der kultige Shop der Briten ist inzwischen auch in Deutschland präsent und startete direkt mit mehr als 100 deutschen Partnern.

 

Lokale Marktplätze: Mehr als ein Strohhalm?


Kleidoo:

Marktplatzbetreiber wie die Mode-Plattform Kleidoo zeigen ihre lokalen Partner nicht nur mit Shop vor, sondern erstellen auf Wunsch professionelle Produktbilder und individuelle Artikelbeschreibungen.

 

kleidoo Startseite
kleidoo-Homepage: Einladung zum "Stadtbummel online"

Geniallokal.de:

Genialokal.de, so heißt der gemeinsame Webshop der eBuch Genossenschaft, der eigentlich schon zur Frankfurter Buchmesse starten sollte. Genialokal.de soll das Angebot lokaler Buchhandlungen bündeln und für einen gemeinsamen Auftritt sorgen. Bestellungen ohne Vorauswahl einer Buchhandlung werden dem jeweils nächstgelegenen Buchhändler zugeordnet. Noch ist davon wenig zu sehen.

 

Simply Local:

Fertig ist er, aber trotzdem keinen Designpreis gewinnen wird der Online-Marktplatz Simply Local an dem sich auch die Weser-Kurier-Mediengruppe, Aschendorff Medien, die Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft und Rhein Main Digital beteiligt haben. Das Ziel der Plattform ist, den stationären Handel zu unterstützen und einen Einkauf beim Händler vor Ort wieder attraktiver zu machen. Das Prinzip von Simply Local: Interessierte Kunden sollen sich im Marktplatz quasi virtuell in ihrer eigenen Stadt bewegen. Sie schauen sich Produkte, Preise und Dienstleistungen der angeschlossenen Händler an und erfahren, ob und wo sie diese noch am selben Tag stationär kaufen können oder ob eine Online-Reservierung oder -Bestellung möglich ist.

HierbeiDir:

Deutlich schicker ist da Hierbeidir, ein Marktplatz für lokale Händler, den ein Düsseldorfer Start-up gelauncht hat. Hier bestellt der Kunde online, und noch am selben Tag bringt der Fahrradkurier die Ware, die von einem stationären Händler am Ort kommt. Das Angebot richtet sich eher an Kunden mit Sinn für Lifestyle-Chic. Nach dem „Soft Launch“ in Düsseldorf und Hannover wollen die Gründer Nam Vo, Benjamin Haack und Philipp Bohne möglichst bald in rund 20 großen deutschen Städten vertreten sein. 

Hierbeidir
Über Hierbeidir verkaufen Düsseldorfer Händler
 


Problem all dieser Modelle: gerade bei Onlinekunden steht das Produkt im Vordergrund. Chancenreich sind daher jene Anbieter, die mit speziellen Produkten oder exklusiven Marken hausieren können und auf einem SEO-kompetenten Marktplatz präsentieren. Denn als Marke sind all die kleine Anbieter zu schwach, um im Relevant Set des Kunden ganz weit vorne zu stehen. Es braucht also ausreichend Sichtbarkeit bei Google.

Plattformen für lokale Angebote sind deshalb gut beraten, wenn sie dem Nutzer vor allem Lust auf Entdeckungen machen, Inspirationen bieten und dem Zufall auf die Sprünge helfen. Zudem müssen solche Plattformen mehr als bislang auch das lokale Element in den Fokus rücken.

Es reicht nicht, nur einen Webshop zu erstellen und Adwords zu schalten.

Gerade dem lokalen Händler müssen auch Hilfe, Beratung, Service und Werkzeuge mit an die Hand gegeben werden, damit er für seinen Marktplatz-Auftritt bei lokalen und regionalen Kunden Aufmerksamkeit erzeugen kann.    

photo credit: kadluba via photopin cc

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Schlagworte: Marktplatz

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 30. Oktober 2014 17:10 | Permanent-Link
    Artimondo mit Startschwierigkeiten?

    Artimondo finde ich ganz gut. Als Manufaktur für Kissen wollte ich Kontakt mit denen aufnehmen, was aber nicht gelang. Obwohl man einen deutschensprachigen Rückruf auf der Webseite anbietet, waren telefonisch nur italienisch sprechende Stimmen verfügbar. Als ich englisch nach jemandem deutschsprechenden fragte, kam plötzlich das Besetztzeichen. Das ermuntert nicht zu einer Kontaktaufnahme.

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