Lokaler Marktplatz Atalanda: "Es ist für viele ein echtes Aha-Erlebnis"

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 30. Januar 2015 |

„Wir machen Same Day Delivery zum neuen Standard und stärken die Händler vor Ort“. Das sagt Atalanda über sich selbst. Nach dem Start der „Online City Wuppertal“ hoffen immer mehr Kleinstädte, dass das dort etablierte Atalanda-Modell aus lokaler Plattform und Kurierservice auch ihre Geschäftswelt retten kann. Wir haben Atalanda-Mitgründer Roman Heimbold gefragt, warum nach dem Start der „Online City Wuppertal“ nun andere Händler dem Charme des hybriden Ansatzes erliegen könnten.

Lokaler Marktplatz Atalanda:
Roman Heimbold (Foto: Atalanda)
 

Herr Heimbold, ist Atalanda nun eine Plattform für lokale Marktplätze oder letztlich ein Vermittler von Services rund um Same Day Delivery?

Roman Heimbold: Wir haben bei unserem Projekt in Wuppertal festgestellt, dass der Handel beide Lösungen benötigt – Marktplatz und Logistik-Dienstleistungen. Je nach Konzept kann es unterschiedliche Schwerpunkte geben. Das logistische Angebot kann auch ohne den Marktplatz existieren. Der Marktplatz ist aber immer mit unserem Kuriernetzwerk verbunden.


Aber ein lokaler Händler könnte sich ja auch selbst auf das Fahrrad
schwingen.

Roman Heimbold: Das ist aber eher selten (lacht). Wir erleben es dagegen schon, dass ein Händler, der seinen eigenen Shop hat, nicht zusätzlich auf dem Marktplatz gelistet werden will, aber die taggleiche Lieferung zu normalen Versandkosten anbieten möchte. 

 

Die Online City Wuppertal hat ein breites Echo ausgelöst. Mehr noch als Ihre Projekte in Hamburg und Salzburg. Weil gerade die Mittelzentren händeringend nach solchen Lösungen suchen?

Roman Heimbold: Das mag sein. Aber vor allem haben wir festgestellt, dass ein solches Projekt dann auf fruchtbaren Boden fällt, wenn die Beteiligten vor Ort von sich aus interessiert und motiviert sind. In Wuppertal gibt es starke Projektmanager und sehr engagierte Einzelhändler. Dann lässt sich eine Plattform auch leichter realisieren.

 

Hilfestellung: "Es reicht nicht, den Händlern einfach einen Marktplatz hinzustellen. Viele Händler müssen quasi mit entwickelt werden. An dieser Stelle setzen wir an."

 

Inwiefern unterscheidet sich Atalanda von anderen lokal ausgerichteten Marktplätzen?

Roman Heimbold: Bei uns steht der einzelne Händler konzeptionell und visuell im Mittelpunkt – völlig unabhängig davon, ob es sich um einen Einzelhändler oder eine Filiale einer größeren Kette handelt. Ein weiterer wichtiger Unterschied im Grundansatz ist, dass wir vor Ort einen lokalen Ansprechpartner mit entsprechenden Ressourcen voraussetzen, der sich um die Organisation und die Probleme direkt kümmern kann. Zudem sehen wir jede Plattform als Portal für die Stadt. Das heißt: Wir wollen nicht die Marke Atalanda stärken, bleiben - wie in Wuppertal - sogar für den Kunden kaum sichtbar im Hintergrund und ermöglichen den Städten, ihre eigenes Profil und ihre eigene Domäne herauszustellen. Damit kann der Marktplatz deutlich identitätsstiftender wirken.


Wie groß ist denn tatsächlich das lokale Bewusstsein der Kunden?

Roman Heimbold: Das hängt von vielen Faktoren ab. Grundsätzlich stellen wir aber fest, dass immer mehr Kunden gerne lokal einkaufen würden, im Web dazu aber keine Möglichkeit finden. Zudem wollen wir Kunden bedienen, die eine schnelle Warenlieferung schätzen. Die Geschwindigkeit großer Anbieter wie Amazon mit Prime können aber eigentlich nur noch lokale Händler toppen. In dem wir dafür mit Kurierdiensten vor Ort zusammenarbeiten, können wir diese Transportflüsse bündeln und Same Day Delivery zu normalen Versandkosten ermöglichen.


Wie gut sind die lokalen Händler auf den Onlinehandel und den Web-Kunden vorbereitet?

Roman Heimbold: Das Bewusstsein ist vorhanden. Die Sorge um den Wettbewerb ist groß. Aber den Händlern fehlt es an technischen Lösungen, die sie beherrschen können. Es reicht also nicht, den Händlern einfach einen Marktplatz hinzustellen. Viele Händler müssen quasi mit entwickelt werden. An dieser Stelle setzen wir an. Teil unseres Konzepts sind deshalb auch Schulungen und Workshops, Tipps zum Crosschannel-Marketing, Beratung in Softwarefragen bis hin zu Informationen über Facebook und Co. Und natürlich ist die Schwelle zur Teilnahme niedrig: Das Händlerprofil kann mit wenigen Klicks angelegt werden und ob eine Bestellung im Laden, telefonisch, per E-Mail oder Online eingeht, spielt für uns keine große Rolle.  

 

Und wie viel Geduld sollte der Händler dann mitbringen?

Roman Heimbold: Wir sehen den Start eines Atalanda-Marktplatzes als Beginn eines Prozesses und verpflichten die Städte daher auch, mindestens zwei Jahre lang gemeinsam mit uns diesen Prozess zu durchlaufen. Denn der Erfolg stellt sich nicht von heute auf morgen und je nach Händler auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit ein. Man kann auch nicht erwarten, dass die ganze Handelswelt der Stadt von der Stunde Null an online ist. Auch der Handel erwartet keine Wunder. Es ist für viele ein echtes Aha-Erlebnis, wenn die erste Online-Bestellung hereinkommt, andere konnten schon innerhalb kurzer Zeit ein Umsatzplus durch Atalanda verzeichnen.

Also Mut zur Lücke?

Roman Heimbold: Man muss als Händler ja auch nicht gleich mit dem ganzen Sortiment online sein. Ein Weg ist, dass man sich in der Startphase auf Themen und Anlässe konzentriert und dabei das Sortiment ausbaut.

Mehr zu Atalanda und lokalen Marktplätzen: Kann Atalanda den lokalen Handel retten?


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Schlagworte: Marktplatz, Atalanda

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