Marktplätze: Welche Marketing-Hebel Händler zur "Bestlage" verhelfen

Marktplätze werden für immer mehr Händler zum geschnittenen Brot des Online-Geschäfts. Doch für Butter und Aufstrich sind manche Klimmzüge nötig. Wir lassen uns von Felix Kuehl, Head of Sales D-A-CH am Berliner Standort von ChannelAdvisor, erklären, wie Marktplatz-SEO aussehen kann, wie Händler die „Bestlage“ bei Amazon besetzen können und welche Punkte jeder international expansionswillige Händler auf dem Zettel haben sollte.

Marktplätze: Welche Marketing-Hebel Händler zur
Felix Kuehl, Head of Sales D-A-CH am Berliner Standort von ChannelAdvisor

Marktplätze nutzen Händler und Hersteller vielfach längst noch nicht optimal. Wo sehen Sie die größten Versäumnisse?

Felix Kuehl: Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst zwischen Retailern und Herstellern differenzieren. Bei Händlern ist klar, dass Qualität und Quantität Hand in Hand gehen: Für den Erfolg auf Marktplätzen muss zunächst eine ganze Reihe von Faktoren stimmen, die Datenqualität, der Kundenservice, Lieferzeiten, Preise usw. Die meisten dieser Faktoren lassen sich – wenn Sie als Händler konsequent dran bleiben – optimieren. Mit Quantität meine ich dann die Anzahl der Marktplätze, auf denen ein Retailer aktiv ist. Hier gilt: je mehr, desto besser. Bestimmt könnten viele Händler lokal und international stärker expandieren, einfach indem sie ihr Portfolio an Marktplätzen ausbauen. Diese Form des Cross-Border Trade ist zudem eine der einfachsten Methoden, als Händler seine Reichweite zu erhöhen.
Für Hersteller hingegen sind die Online-Marktplätze nicht immer der erste Anlaufpunkt für den Handel im Netz. Traditionell pflegen sie lieber starke Beziehungen zu Groß- und Einzelhändlern. Dabei sind Amazon, eBay, Rakuten und Co. hervorragende Ausgangspunkte, da Sie hier von einer bereits etablierten Infrastruktur profitieren können – und Ihre Kunden sind auch schon da.

Die Marktplätze bieten selbst eine Reihe von Marketing-Hebeln. Welche lohnen sich besonders?

Felix Kuehl: Auf den führenden Marktplätzen wie eBay und Amazon gibt es Millionen Produktangebote. Die Auswahl ist riesig. Nun haben diese Sites Programme entwickelt, die es den Verkäufern möglich machen, gegen Zahlung einer zusätzlichen Gebühr die Sichtbarkeit ihrer Produkte im Marktplatz zu erhöhen. Dazu gehören beispielsweise die „Promoted Listings“ (beworbene Angebote) von eBay oder die gesponserten Produkte bei Amazon. Diese Strategie kann jedoch keine allgemein erhöhte Sichtbarkeit des gesamten Katalogs eines Händlers erreichen.
Die Auffindbarkeit ist aber natürlich essenziell für Ihren Erfolg. Und da kommt Marktplatz-SEO ins Spiel. Sie können Ihre Angebote nämlich mit relevanten Informationen „anreichern“ und werden so sichtbarer, ohne zusätzliche Gebühren entrichten zu müssen. Von daher würde ich sagen, dass Retailer heute vor allem nicht mehr auf eine gute Marktplatz-SEO verzichten können. Um da erfolgreich zu sein, sind folgende Aspekte ausschlaggebend:

  • Titel-Optimierung – Nehmen Sie sich die Zeit, angemessene, auch Keyword-lastige Titel zu formulieren, die also beispielsweise den Markennamen enthalten.
  • Kategorisierung – Achten Sie auf die passende Einordnung Ihrer Produkte, damit diese von Benutzern, die ihre Auswahl weiter filtern, auch gefunden werden.
  • Suchbegriffe – Nutzen Sie alternative Schreibweisen und Synonyme. Das sind hervorragende Suchbegriffe, mit denen Sie weitere Produktdetails hinzufügen, ohne zu viel Platz im Titel zu vergeuden.
  • Produktmerkmale – Viele Marktplätze nutzen die maßgeblichen Charakteristika eines Produkts, um Kunden zu helfen, ihre Suchergebnisse zu verfeinern. Auf eBay werden diese Charakteristika Artikelmerkmale genannt. Auf Amazon und anderen Marktplätzen heißen sie Produktattribute.
  • Optimierte Produktbeschreibungen – Der Inhalt der Produktbeschreibung hat für die SEO in der Regel weniger Gewicht. Ein gewisser Einfluss lässt sich aber nicht von der Hand weisen. Zudem können Marktplätze erkennen, dass Keywords im gesamten Angebot konsistent genutzt werden.

Viele Händler hoffen dabei auf Automatisierung. Welche Wege bieten sich da an?

Über Felix Kuehl

Felix Kuehl ist Head of Sales D-A-CH am Berliner Standort von ChannelAdvisor. In dieser Funktion gestaltet er die weitere Expansion von ChannelAdvisor in der Region. Kuehl studierte Jura in Köln und Lausanne und bringt mehr als acht Jahre Berufserfahrung in der Technologiebranche mit. Er ist in Sachen Softwarelösungen ebenso bewandert wie in Fragen der Betriebsorganisation. Die Plattform-Lösungen von ChannelAdvisor helfen Händlern und Herstellern ihren globalen Verkauf auf Hunderten Online-Kanälen wie Amazon, Google, eBay, Facebook u. a. zu integrieren, zu managen und zu optimieren. ChannelAdvisor bietet zudem Technologien zur Automatisierung, Analyse und Optimierung.
Felix Kuehl: Multichannel-Plattformen wie die von ChannelAdvisor bieten Retailern zahlreiche Automatisierungswerkzeuge. Eines der interessantesten ist der Amazon Repricer with Pricewatch – er ist für Onlinehändler, die auf Amazon verkaufen und sich dort gegen eine starke Konkurrenz behaupten müssen, eigentlich unverzichtbar. Der Repricer behält den Markt ununterbrochen im Auge und erkennt Preisveränderungen bei Produkten, die auch Sie anbieten, sofort. Kommt es zu einer Veränderung, kann das Tool Ihren Preis strategisch und nach Ihren Geschäftsregeln anpassen. Auf diese Weise erhalten Sie als Händler Updates fast in Echtzeit, statt den gesamten Produktkatalog Artikelnummer für Artikelnummer einzeln durchgehen zu müssen. Zusätzlich dazu sehen Händler über das Feature „Competition Watch“ schnell, wo ihr Angebot steht – im Verhältnis zu den Amazon-eigenen Angeboten, dem aktuellen Inhaber der Buy Box und zu anderen Mitbewerbern. Für viele unserer Kunden, die auf den internen Marktplätzen von Amazon Handel treiben, sind diese Tools entscheidende Erfolgsfaktoren.

"Daten sind einfach die Erfolgsgrundlage im E-Commerce"

In Sachen Listung, Performance, Reporting ist aber eigene Vorarbeit nötig. Wie umfangreich sollte die sein?

Felix Kuehl: Um Produkte richtig auf Marktplätzen einzustellen und mit den Angeboten die gewünschte Verkaufsleistung zu erzielen, aber auch für ein aussagekräftiges Reporting, ist eine gute Datenqualität das A und O. Das muss jeder Händler wissen, der weiter wachsen und seine Marktanteile auf neuen Marktplätzen ausbauen will. Die Daten sind einfach die Erfolgsgrundlage im E-Commerce!
Klar ist, dass jeder Marktplatz andere Anforderungen an die Daten stellt, etwa hinsichtlich der Kategorie-IDs oder der Terminologie für Farben und Größen. Das, und die ständigen Veränderungen bei den einzelnen Anbietern, machen ein effektives Datenmanagement erforderlich.

Und dann brauche ich für unterschiedliche Marktplätze unterschiedliche technische Lösungen?

Felix Kuehl: Absolut. Jeder Marktplatz verlangt Angebotsdaten in einem anderen Format. Und wie gesagt variieren die Anforderungen nicht nur von Marktplatz zu Marktplatz, sondern verändern sich auch laufend. Hochqualitative Daten sind vor allem eins: immer aktuell. Eine Lösung wie die von ChannelAdvisor kann Händlern da viel manuelle Arbeit abnehmen – sei es bei der Anpassung an neue Anforderungen oder bei der Expansion auf neue Marktplätze. Viele unserer Kunden mussten vor der Zusammenarbeit mit ChannelAdvisor viel Zeit und Geld in die Datenanpassung und die Entwicklung individueller Marktplatz-Lösungen investieren. Ein gutes Beispiel hierfür zeigt die Video-Fallstudie zu unserem Kunden Spreadshirt auf dem Vimeo-Kanal von ChannelAdvisor. Seitdem sie mit uns kooperieren, haben sie auf einmal deutlich mehr Zeit, sich strategischen Fragen zu widmen.

Und dann kommt man auch leichter in die begehrte Amazon Buy Box? 

Felix Kuehl: Die Amazon Buy Box ist bei Onlinehändlern immer ein heißes Thema. Kurz als Erläuterung: Das ist der Kasten auf den Produktdetailseiten, über den Kunden den eigentlichen Kaufprozess in Gang setzen, indem sie Artikel in ihren Einkaufswagen legen. Amazon verrät nicht, wie genau bei der Vergabe der Buy Box vorgegangen wird. Es gibt aber bewährte Taktiken, die Ihnen helfen können, diese „Bestlage“ bei Amazon zu besetzen. Ich hätte dazu spontan 5 Tipps:

  1. Erfahrung – Als Händler müssen Sie mindestens drei bis sechs Monate Verkaufs- oder Bestellhistorie nachweisen. Die genauen Bedingungen sind je nach Kategorie unterschiedlich.
  2. Preis – Amazon entscheidet anhand des Gesamtpreises (inklusive Versandkosten), wer es in die Buy-Box schafft. Vor diesem Hintergrund kann ein Tool wie der ChannelAdvisor Repricer with Pricewatch wertvolle Dienste leisten.
  3. Verfügbarkeit – Bevor Amazonen Ihnen die Buy-Box zugesteht, will das Online-Kaufhaus sicher sein, dass Sie die Kundennachfrage auch decken können. Zudem ist es Amazon sehr wichtig, dass Kunden mit einem schnellen Versand zufriedengestellt werden.
  4. Rate an Bestellmängeln – Ein hervorragender Kundenservice ist das Aushängeschild von Amazon. Die Rate an Bestellmängeln evaluiert, wie gut Sie sich um Ihre Kunden kümmern, nachdem die etwas bei Ihnen geordert haben. Behalten Sie diese Metrik unbedingt im Blick.
  5. Kommunikation – In Sachen Kundenservice bei Amazon ist es besser, zu viel zu kommunizieren, als zu wenig.

Sollte ein Händler beispielsweise auch den Versand durch Amazon (FBA) nutzen? Wann lohnt sich das?

Felix Kuehl: Der Versandservice von Amazon bietet teilnehmenden Dritthändlern wirklich unzählige Vorteile. Das wichtigste Plus von Amazon – den gewaltigen Kundenstamm – erschließen Sie sich natürlich auch, wenn Sie den Dienst nicht nutzen. Doch mit einer Teilnahme an FBA haben Sie außerdem die Möglichkeit, Ihr Fulfillment bequem auszulagern. Sie profitieren von den modernen Lagerhäusern und dem ausgeklügelten Versandbetrieb, den Amazon aufgebaut hat.

Weitere attraktive Vorteile von FBA:

  • Alle über FBA verkauften Produkte qualifizieren sich für den Prime-Verkauf.
  • Sie erhalten eine größere Chance auf die Buy Box.
  • Amazon übernimmt die Abwicklung inklusive Verpackung und Versand für Sie und kümmert sich um den Kundenservice. Das spart Zeit und Investitionen in Lagerhäuser.

Nicht zuletzt ist FBA auch für expansionswillige Händler interessant. Bei Amazon FBA reicht es, dass Sie Ihre Artikel für den Kauf durch Kunden im Ausland freigeben. Amazon wickelt Ihre Bestellungen dann über sein Netzwerk internationaler Versandzentren ab. Daneben erledigt Amazon den Kundendienst und kümmert sich für Sie um steuerliche Fragen. So kommen Sprachbarrieren oder übermäßiger Bürokratieaufwand gar nicht erst auf.

"Der Versandservice von Amazon bietet teilnehmenden Dritthändlern wirklich unzählige Vorteile"

Amazon und eBay locken auch mit ihrer mobilen Macht. In wie weit können die Marktplätze eine eigene Mobile-Strategie ersetzen?

Felix Kuehl: Die Integration Ihres Angebots auf den Websites und mobilen Apps von eBay und Amazon ist denkbar einfach. Ihre Produkte erlangen eine erhöhte Sichtbarkeit, und Sie positionieren Ihr Unternehmen erfolgreich als Anbieter im modernen Shopping-Universum von heute, in dem alles jederzeit und überall verfügbar ist.
Was wir bei ChannelAdvisor immer wieder beobachten ist, dass Marken und Einzelhändler bei der Optimierung für mobile Besucher direkt anfangen, eine mobile App zu planen. Das ist, wie wir glauben, in den meisten Fällen nicht nötig. Viel wichtiger ist, die eigene Website für Mobilgeräte fit zu machen. Amazon, eBay und Co. haben bereits etablierte Apps, mit gewaltigen Nutzerzahlen, reibungslosen Einkaufsfunktionen und integrierten, sicheren Zahlungsoptionen. Darüber hinaus sparen Sie sich, wenn Sie auf diese Apps setzen, Wartungsarbeiten, Updates und zusätzliche Gebühren, die bei einer eigenen Lösung immer wieder anfallen würden.

Auch Zalando positioniert sich zunehmend als Plattform, bietet sich auch als Marktplatz an. Sollten Händler und Marken hier Vorbehalte ablegen?

Felix Kuehl: Zalando ist für Modehändler in Deutschland (und weltweit) mittlerweile der „Place to be“. Hier können Sie Ihre Online-Präsenz vergrößern und gleichzeitig die eigene Marke pushen.
Das Angebot ist wirklich attraktiv. Das Sortiment umfasst über 1.500 internationale Marken. Große globale Häuser sind ebenso darunter wie Fast-Fashion-Anbieter und lokale Marken, ergänzt durch die eigenen Hausmarken von Zalando. Der Marktplatz genießt eine globale Reichweite und ist bereits in 15 europäischen Ländern vertreten: Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden, Schweiz, Polen und Großbritannien.
Für Einzelhändler und Marken ist jetzt ein hervorragender Zeitpunkt, auf Zalando zu setzen und über die stetig wachsende Plattform den eigenen Marktanteil zu vergrößern.

Was läuft bei Zalando anders als bei Amazon und eBay?

Felix Kuehl: Eine Partnerschaft mit Zalando ist für Einzelhändler sicherlich vielversprechend. Allerdings erwartet der Marktplatz im Gegenzug auch so einiges. So müssen Händler, um Zugriff auf den gewaltigen Kundenstamm zu erhalten, diverse Kriterien erfüllen: Die Produktangebotsseiten unterscheiden sich von denen anderer Plattformen. Sie sind der einzige Ort auf dem Marktplatz, an dem der Name des Verkäufers auftaucht. Was den Produktmix angeht, sucht Zalando verstärkt nach Marken, die das eigene Angebot ergänzen und die Palette an Bestsellern weiter ausbauen. Das Unternehmen legt großen Wert auf einen einheitlichen Look. Fotos und Inhalte müssen daher denen der Zalando-eigenen Artikel ähnlich sehen. Um auf Zalando verkaufen zu dürfen, müssen Sie zudem die strengen Umtauschrichtlinien des Marktplatzes erfüllen. Retailer, die hier Handel treiben, müssen einen Gratisversand bieten und die Artikel 100 Tage lang gratis zurücknehmen. Sind Sie dazu bereit?

"Zalando ist für Modehändler in Deutschland (und weltweit) mittlerweile der „Place to be"

Beim Thema Cross-Border Trade wird manchen Händlern mulmig. Exportprogramme wie Export über Versand durch Amazonoder der weltweite Versand von eBay können über diese Hürde helfen. Braucht es da weitere Vorarbeit, oder kann ein hierzulande gut präparierter Dienst sofort durchstarten?

Felix Kuehl: Wie jede andere Geschäftsentscheidung auch, sollte der Cross-Border Trade wohlüberlegt und gut vorbereitet angegangen werden. Für mich gibt es fünf Dinge, die jeder expansionswillige Händler auf dem Zettel haben sollte:

  1. Datenanalyse – Am Anfang sollte immer eine Analyse der eigenen Verkaufs- und Traffic-Daten stehen um herauszufinden, woher Ihre Kunden überhaupt kommen. Dann wissen Sie auch, in welche Regionen Sie zuerst vorstoßen sollten.
  2. Marktrecherche – Als nächstes sollten die Händler sich intensiver mit den einzelnen Regionen und den dortigen Verkaufs- und Nachfragetrends beschäftigen.
  3. Ziele setzen – Ich halte es außerdem für extrem wichtig, sich realistische Ziele zu setzen. Das bedeutet, dass Sie z. B. Länder wählen, deren geografische Nähe zu Ihrem Standort einen schnelleren und günstigeren Versand ermöglichen – oder in denen dieselbe Sprache gesprochen wird.
  4. „Ortskenntnis“ aneignen – Wenn Sie sich für eine Region entschieden haben, müssen Sie herausfinden, welche Marktplätze dort populär sind, wo also die Kunden einkaufen gehen. Dann sollten Sie einen Produkt- und Preisvergleich zwischen Ihrem Angebot und dem der Konkurrenz anstellen.
  5. Gute Vorbereitung – Zu guter Letzt sollten Händler sich natürlich über mögliche Komplikationen im Klaren sein und sich entsprechend vorbereiten. Setzen Sie sich rechtzeitig mit Fragen zu Standort, Versand, Export- und Retourenabwicklung, Steuern und Zahlungen auseinander.

Welche Marktplätze bieten sich da außerdem als Sprungbrett an?

Felix Kuehl: Amazon und eBay sind zweifellos die populärsten Marktplätze und sollten bei der Expansion – im Heimatland und international – als erste ins Auge gefasst werden. Sie erreichen über diese Plattformen einfach eine gewaltige Kundenzahl und profitieren von einer gut etablierten Infrastruktur. Davon abgesehen gibt es aber noch zahlreiche andere Marktplätze, die einen Versuch wert sind.
Die meisten davon sind nur in einzelnen Ländern vertreten. Deutsche Einzelhändler dürften diese elf internationalen Online-Marktplätze besonders interessant finden: Tesco (UK), Rakuten.co.uk (UK), La Redoute (Frankreich), newegg (USA), sears (USA), Rakuten.com (USA), BestBuy (USA), Jet (USA), Mercado Libre (Mexiko und Brasilien), Trade Me (Neuseeland) und Tmall (China).

Dann geht aber die Arbeit in Sachen Marketing, SEO, Preisvergleichsseiten, etc. wieder von vorne los?

Felix Kuehl: Wir bei ChannelAdvisor haben gute Erfahrungen mit einem mehrstufigen CBT-Plan gemacht. Viele unserer Retailer fahren damit hervorragende Ergebnisse ein. Ich möchte kurz darauf eingehen, wie die vier Stufen dieses Plans aussehen. Natürlich ist aber kein Händler wie der andere, daher gibt es auch kein richtig oder falsch, was die Vorgehensweise auf den einzelnen Stufen des Plans angeht. Auf manchen Märkten können Sie als Händler eine Stufe überspringen, während Sie andernorts vielleicht länger in einer bestimmten Phase verharren. Das sind jedenfalls die vier Stufen:

  1. Passiv: Auf dieser Stufe setzen Händler zunächst auf die etablierten Marktplätze und deren Exportprogramme. Die Investitionen sind äußerst gering, die Umsätze können aber, dank der treuen Kundenbasis und der bestehenden Nachfrage auf den beliebten Marktplätzen, bereits ansehnlich sein. Der Versand erfolgt aus dem Heimatland, und der Webstore muss für internationale Bestellungen lokalisiert werden. An Verwaltungsaufwand kommen die Abwicklung von Sendungen und Retouren sowie steuerliche und rechtliche Vorgänge auf die Händler zu.
  2. Aktiv: Diese Stufe ist erreicht, wenn ein Händler direkt auf den Heimat-Marktplätzen einer Region verkauft und dort Produktangebote in der lokalen Sprache und Währung einstellt. Auch der Kundenservice wird nun bereits in der örtlichen Sprache angeboten.
  3. Lite Site: Mit dem Launch einer „abgespeckten“ lokalisierten Version des eigenen Webstores beginnt diese Stufe. Als Händler beschränken Sie sich auf die grundlegenden Website-Funktionen und nehmen risikoarme Marketingmaßnahmen in Angriff, z. B. Affiliate-Marketing, Retargeting, E-Mail- und Social-Media-Kampagnen. Auf dieser Stufe gilt es, den eigenen Ruf und die Qualität des Kundendiensts auszubauen.
  4. Full Site: An letzter Stelle stehen eine komplett lokalisierte, voll funktionstüchtige Website, die Optimierung für Mobilgeräte, lokalisierte SEM-Kampagnen und vieles mehr. Auf dieser Stufe kommen zahlreiche neue Marketing-Maßnahmen, Suchmaschinenoptimierung und diverse zusätzliche Kanäle wie Preissuchmaschinen ins Spiel. Der Marketing-Mix ist nicht vom ersten Tag an wichtig. Sie können ihn als Händler Schritt für Schritt aufbauen und so stetig Ihren internationalen Marktanteil vergrößern.
Auch Facebook, Twitter und Co. bieten sich mit Buy Buttons zunehmend als Verkaufshelfer an. Welche Rolle können diese Plattformen und Angebote künftig hierzulande für Händler und Hersteller spielen?

Felix Kuehl: Drei der beliebtesten Social-Media-Kanäle – Facebook, Twitter und Pinterest – sind auch für Online-Retailer äußerst attraktiv. Facebook hat die dynamischen Produktanzeigen,eine Art Retargeting-Anzeigen, mit denen Retailer ihre Produkte bei den Nutzern von Facebook bewerben können. Die Anzeigen sprechen gezielt Käufer auf Grundlage ihres Nutzerverhaltens auf der Retailer-Website an. Ein hervorragendes Mittel, um Kunden erneut auf eine bereits besuchte Produktseite zu bewegen und zum Kaufabschluss zu motivieren. Dynamische Produktanzeigen geben Ihnen also mehr Kontrolle darüber, welche Arten von Anzeigen auf Facebook auftauchen – und wer sie sehen kann.
Twitter ist eines der wichtigsten sozialen Netzwerke für Nachrichten und schnelle Kommunikation. Mit den Produktkarten hat der Dienst eine interessante Option zur Präsentation Ihrer Produkte (mit Bild und Beschreibung) eingeführt. Als zweites Tool hat das Netzwerk das Programm „AmazonBasket“ im Angebot, das es Verbrauchern ermöglicht, das Hashtag #AmazonBasket in Replies auf Ihre Produkt-Tweets zu verwenden. Das betreffende Produkt wird dann automatisch in den Amazon-Einkaufswagen des Benutzers gelegt und kann später im Handumdrehen bestellt werden.
Mit Pinterest schließlich gibt es eine stark auf Bilder fokussierte Plattform, auf der Benutzer eigene Wunschlisten erstellen und sich dabei auch von anderen inspirieren lassen können. In einigen Ländern können Sie Ihre Produkte hier mit sogenannen Rich Pins und Promoted Pins besonders gut vermarkten.


Kindle Kindle
Drucken Artikel versenden

Thema: Player

Schlagworte: Multichannel, Marktplätze

Kurz vor 9: Alibaba vor Einstieg bei Wirecard,
Guten Morgen etailment-Leserinnen und Leser! eBay ist auf 16 verschiedenen Social-Media-Kanälen präs ...
Topartikel
Warum Amazon die Familie pampert
Angesichts von 70 Millionen Prime-Kunden, die bei Amazon für 60 Prozent des Umsatzes sorgen, weil si ...
12 Fakten, die das Potenzial von Virtual Reality greifbar machen
Virtuelle Welten werden künftig unsere Kaufentscheidungen bestimmen. Das sagt die Glaskugel von Zeis ...
Personalisierung - so fangen Sie damit endlich an
Geht es um Personalisierung, denken viele Händler gleich an die massenweise Individualisierung von P ...
Ein Besuch in der Nische - so präsentieren sich Shops für Modellsammler
Anfang des Monats haben wir uns für Sie einmal den Weinhandel im Web angesehen. Ein lukrativer Markt ...
Etailment Summit: Wir feiern die nächste Generation im Omnichannel
Mehr Touchpoints, mehr Marktplätze, mehr Daten, mehr Digitalisierung, mehr Omnichannel, mehr Zukunft ...

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Franz Ulrich
    Erstellt 1. Februar 2016 17:37 | Permanent-Link
    Facebook Customer Audience-Marketing verstößt gegen Datenschutz

    "Facebook hat die dynamischen Produktanzeigen,eine Art Retargeting-Anzeigen, mit denen Retailer ihre Produkte bei den Nutzern von Facebook bewerben können. Die Anzeigen sprechen gezielt Käufer auf Grundlage ihres Nutzerverhaltens auf der Retailer-Website an."

    Ich denke wir sprechen hier vom Facebook Customer Audience-Programm. Das darf aber nur eingesetzt werden, wenn die Nutzererlaubnis (Opt-in) explizit vorliegt. Daher taugt dieses in unserem Datenschutz-Land nicht als Marketing-Maßnahme. Dessen Einsatz ist abmahnfähig. Sollte ChannelAdvisor eigentlich wissen, verstehe daher nicht wieso unerlaubte Maßnahmen empfohlen werden.

  2. Bernd Menrath
    Erstellt 2. Februar 2016 07:41 | Permanent-Link

    Seit wann kümmert sich Amazon um die steuerlichen Anglegenheiten des Händlers?

    Das ist doch kompletter Blödsinn! Klar, die haben Partner-Steuerkanzleien an die man sich wenden kann, aber die komplette Abwicklung muss man selber machen!

  3. Erstellt 4. Februar 2016 11:01 | Permanent-Link
    Buybox / Retailer

    Sehr interessantes Interview. Ich denke langfristig wird der ganze Bugbox-Handel eher abnehmen, weil die Hersteller selber auf Amazon verkaufen werden und dafür die ganzen Retailer nicht mehr benötigen - die bringen dem Hersteller sowieso kaum Mehrumsatz, weil immer nur einer in der Buybox zu einzelnen Produkten sein kann.

stats