Mega-Umsatz: Zalando investiert 200 Millionen Euro in das Wachstum

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 1. März 2016 |

Mega-Umsatz: Zalando investiert 200 Millionen Euro in das Wachstum
Volle Kassen, satte Gewinne. Zalando nutzt das heute verkündete Mega-Wachstum in Jahr 2015 auf fast drei Milliarden Euro (2,958 Milliarden Euro) für massive Investitionen. Die lassen selbst die einst von Otto unter dem LSD-Programm (Lead, Speed, Data) apostrophierten 300 Millionen Euro knickrig wirken.  Doch wo wird der Innovationstreiber Zalando sein Geld arbeiten lassen?

2013 war es, da kündigte die Otto-Gruppe an, für ihre Online-Ambitionen in den kommenden zwei Jahren rund 300 Millionen Euro in die Hand zu nehmen. Zalando will nun allein in diesem Jahr einen Investitionsaufwand (ohne Unternehmenszukäufe) von rund 200 Millionen Euro betreiben.

Geld scheint beim größten Online-Modehändler in Deutschland genug da zu sein. Der Konzernumsatz stieg 2015 wie erwartet um 33,6 Prozent auf 2,958 Milliarden Euro und lag damit deutlich über dem mittelfristigen Wachstumsziel von 20 bis 25 Prozent. (Geschäftsbericht)

Umsatz und Marge

In der Region DACH wuchs der Umsatz um 28 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro. In der Region Übriges Europa stieg der Umsatz im gleichen Zeitraum um 40,5 Prozent auf 1,212 Milliarden Euro. Mit einem bereinigten EBIT von 107,5 Millionen Euro oder einer bereinigten EBIT-Marge von 3,6 Prozent steht Zalando zudem solide da. Die bereinigte EBIT-Marge in der DACH-Region beträgt 6,4 Prozent. Das Segment Übriges Europa näherte sich mit einer bereinigten EBIT-Marge von -0,3 Prozent der Gewinnzone.

Für das laufende Jahr erwartet Zalando ein Umsatzwachstum am oberen Ende des Wachstumskorridors von 20 bis 25 Prozent und will trotz der Investitionen eine EBIT-Marge von 3 bis 4,5 Prozent schaffen.

Mega-Umsatz: Zalando investiert 200 Millionen Euro in das Wachstum


„Nie waren wir stärker, und nie zuvor haben sich uns so viele großartige Chancen geboten", sagt Finanzvorstand Rubin Ritter und klingt dabei ein bisschen wie ein Boxer auf dem Weg in den Ring. Um die nächsten Gegner auszuknocken, packt sich Zalando für Investionen rund 200 Millionen Euro auf die Schultern.

Mega-Umsatz: Zalando investiert 200 Millionen Euro in das Wachstum
Zalando: Auf dem Weg in den App-Kosmos
Die Summe dürfte vor allem auf folgenden Feldern verplant werden:

#Tempo und Treue
Neue Lieferkonzepte, schnellere Lieferungen und Rücksendungen in den 15 europäischen Märkten werden ins Geld gehen. In Berlin Köln, Bochum, Bottrop, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Gladbeck, Herne, Mühlheim und Oberhausen probt Zalando die taggleiche Lieferung. Die Kunden, die in den Genuss der raschen Lieferung kommen, werden noch per Zufall ausgewählt. Im Frühjahr 2016 eröffnet der Onlinehändler nach Berlin und Frankfurt einen Outlet-Shop für Kleidung und Schuhe in Köln im Shopping-Center DuMont Carré. Zalando will den Kölnern auch die Abholung von Retouren an der eigenen Haustür anbieten. Und irgendwo in dieser Gemengelage schlummern auch noch das Loyalty-Programm "Zalando First" und das Rabattprogramm "Z-Stars".

#Logistik
Noch mehr Logistik: Zalando baut zusammen mit dem Immobilienentwickler Goodman ein Lager mit 130.000 qm im südbadischen Lahr, beliefert von dort Kunden in Süddeutschland, der Schweiz und Frankreich. Der Testbetrieb soll im Herbst starten. Hinzu kommt seit Januar 2016 ein erstes Satelliten-Logistikzentrum in Stradella, Italien. Aufgrund der starken Wachstumsdynamik wurde die Planung für ein weiteres großes Logistikzentrum vorgezogen.

#Plattform
Die Plattformstrategie, mit der Zalando alle Akteure im Online- und mobilen Modehandel miteinander vernetzen will, wird weitere (auch technische) Anstrengungen benötigen. Ergänzt wird die Plattformstrategie ja durch die Zalando Media Solutions, die die Plattform vor allem für Markenwerbung öffnet - vorzugsweise für große Brands, die Zalando sonst nicht als Absatzkanal nutzen.

#Tech
In Dublin und Helsinki wurden Tech Hubs eröffnet. Die sollen mittelfristig wachsen. In Helsinki (#Zelsinki) sollen bis zu 200 Mitarbeiter innovative Produkte und neue Fashion-Apps entwickeln. In Dublin stellt Zalando vor allem Datenwissenschaftler und Software-Ingenieure ein. Auch hier sollen es 200 Mitarbeiter werden. Weitere Tech Hubs dürften nicht ausgeschlossen sein.

#Mobile
Ausbau des Mobile-Kosmos: Zalando nähert sich mehr und mehr einer Spaghetti-Strategie (Nudeln an die Wand werfen und abwarten, welche kleben bleibt). Da scharrt gerade die Lifestyle-App Fleek mit den Hufen; die ist vermutlich ein neuer Dreh der Inspirations-App "Seen at Berlin". Im Zalando-Labor mit dem Namen "Mobile Fashion Discovery GmbH" am Klingelschild ist noch die Zalando-App Movmnt, die ein Factory-Outlet sein will, Zipcart soll Berlinern und den Android-Nutzern Lieferungen der Mode-Bestellung am selben Tag oder zum Wunschtermin organisieren. Dabei wird es nicht bleiben, weil der Mode-Riese ganz sicher nach weiteren Satelliten im App-Kosmos forschen wird, um Kunden mit speziellen Bedürfnissen weitere Anknüpfungspunkte zu bieten. Mobile rockt ohnehin schon: So stiegen die Besuche von mobilen Endgeräten im Jahresvergleich stark von 48 Prozent auf 60 Prozent an. Die Downloads der App haben sich auf 16 Millionen in 2015 mehr als verdoppelt, von rund 7 Millionen in 2014.

#Zentrale
Auch ein Pure Player investiert in Beton: Zalando will bis 2018 alle Mitarbeiter an einem Standort im sogenannte „Zalando-Campus“ in Berlin konzentrieren. Über 5000 Mitarbeiter sollen in dem Areal auf dem Anschutz-Gelände im Berliner Bezirk Friedrichshain/Kreuzberg mit einem Gesamtvolumen von fast 100.000 qm arbeiten. Der Spatenstich für die neue Unternehmenszentrale ist im zweiten Quartal 2016.


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Schlagworte: Zalando

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