Otto Group sackt knapp 400 Millionen Euro Gewinn ein

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 21. Mai 2014 |

Erinnern Sie sich noch an die Schlagzeilen vom Auslaufmodell, von den verlorenen Jahren, von der Krise? Gerade einmal fünf Jahre ist es her, dass manch ein Journalist und Blogger die Otto Group zwischen den Zeilen zum Fall für Peter Zwegat erklärte.
Die Abgesänge kamen zu früh. Otto ist nicht Neckermann.
Michael Otto startete einen gewaltigen Umbau. Der wird nun mit einem Rekordergebnis belohnt. Das zeigen die finalen Bilanzzahlen für 2013, die Vorstandschef Hans-Otto Schrader heute in Hamburg präsentierte.

Otto Group sackt knapp 400 Millionen Euro Gewinn ein
Grafik: Otto Group

Wer Geld verdienen will, der darf Geld nicht festhalten, sondern muss auch investieren. Man kann sich vorstellen, wie schwer es den Hamburger Kaufleuten gefallen sein muss, dreistellige Millionenbeträge in eine ungewisse Handelszukunft zu stecken  - und das in den kommenden Jahren auch weiterhin zu tun. Das ging nicht ganz ohne Blessuren und Umbauten ab.

Doch inzwischen meldet sich Otto mit einem fulminanten Ergebnis zurück. Bei einer Umsatzsteigerung auf 12 Milliarden Euro (währungskursbereinigt plus 3,3 Prozent.) wurde das EBIT um 1,5 Prozent auf 392 Millionen Euro, der Jahresüberschuss sogar um 23 Prozent auf 179 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr verbessert.

Die weltweit gut 100 Online-Shops haben 363 Millionen Euro mehr erlöst und damit 6,1 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Das entspricht einer Steigerung von 6,4 Prozent. Die Online-Umsätze stehen damit für 60,5 Prozent der gruppenweiten Einzelhandelsumsätze. Im deutschen Markt konnte ein Zuwachs von 7,2 Prozent oder 266 Millionen auf 3,960 Milliarden Euro erzielt werden. Damit werden im deutschen Multichannel-Einzelhandel 65,7 Prozent der Umsätze online erwirtschaftet.

In Deutschland legte die Otto Group um 4,6 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro zu. Die Einzelhandelsumsätze stiegen um 2,3 Prozent. 
Das Segment Finanzdienstleistungen wuchs übrigens um 42,6 Prozent, das Segment Service um 12,5 Prozent.

Otto Group sackt knapp 400 Millionen Euro Gewinn ein
Grafik: Otto Group
Otto Group sackt knapp 400 Millionen Euro Gewinn ein
Grafik: Otto Group

Viel Licht -  aber auch Schatten

Die Einzelgesellschaft Otto machte 6,7 Prozent an Boden gut und schafft  2,27 Milliarden Euro. Die Bonprix-Gruppe legte um 65 Millionen Euro auf 1,287 Milliarden Euro zu – ein Zuwachs um 5,3 Prozent. Die Witt-Gruppe wuchs um 7,5 Prozent auf 716 Millionen Euro, ein Plus von 50 Millionen Euro. Die Baur-Gruppe vermeldete einen leichten Anstieg um 0,5 Prozent auf 669 Millionen Euro; das tatsächliche Wachstum war höher, weil die Umsätze des Onlinehändlers  Mirapodo fehlen, der nun bei der Mytoys-Gruppe bilanziert wird. Die Mytoys-Gruppe steigerte mit ihrem Multishop-Konzept inklusive Mirapodo den Umsatz kräftig um 35,4 Prozent auf 383 Millionen Euro.

Okay: Das Wachstum von Zalando ist da beeindruckender, aber die schleppen dafür auch keine Gewinne im Gepäck mit.

Dennoch: So ganz hat die Renovierung noch nicht alle Ecken erreicht.  

Die Heine-Gruppe musste hingegen einen Umsatzrückgang von 4,2 Prozent auf 483 Millionen Euro hinnehmen. Ähnlich entwickelte sich der Umsatz bei der Schwab-Gruppe mit einem Minus von 4,4 Prozent auf 255 Millionen Euro. Ebenso bilanzierte Sportscheck einen Rückgang von 5,1 Prozent auf 319 Millionen Euro. 

Bei den Finanzdienstleistungen blieb das EBIT mit 208 Millionen Euro trotz Investitionen in die Payment-Lösung Yapital  stabil. Die Umsätze stiegen um 15 Prozent auf 683 Millionen Euro. Auch das Segment Service, das im Wesentlichen durch die Hermes-Gruppe geprägt wird, erreichte einen Umsatzsprung von 14,9 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Das EBIT ging dabei von 46 auf 34 Millionen Euro aufgrund von erhöhten Investitionen in die IT und die Inbetriebnahme eines Logistikzentrums in Frankreich zurück.

Werbekampagne für Yapital und About you

Und auch diesmal bleiben die Gewinne nicht auf dem Konto. Das LSD-Programm und der Ausbau der IT  will auch nach eem Mega-Projekt Lhotse weiter finanziert werden, der Open-Commerce-Revolutionär About you hat noch reichtlich Finanzbedarf. Für den Shop als auch für die  Payment-Lösung Yapital sollen zudem im Herbst  breit angelegte Marketingkampagnen starten.

Und einen neuen Corporate Blog gibt es auch noch. Der kommt nicht nur optisch recht locker daher, sondern wirkt auch - trotz aller Werbung in eigener Sache - ein wenig nach Frischzellenkur und verspricht  "klar Position zu aktuellen Entwicklungen und Branchenthemen zu beziehen" und will dabei auch "Projekte und Themen aus den verschiedenen Geschäftsfeldern des Konzerns zur Diskussion".

Otto ist unterwegs

Der Titel des Blogs: Unterwegs. So nennt sich auch der Geschäftsbericht (pdf). Das passt und ist zugleich so interpretationsfähig: Man kann schnell sein, man kann schlendern, irgendwie ist der Weg das Ziel, aber man bewegt sich. Das ist die Hauptsache. 


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Schlagworte: Otto Group

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