Schrei vor Glück: Zalando-Gruppe macht Profit

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 18. Juli 2014 |

Schrei vor Glück: Zalando-Gruppe macht Profit
Traffic-Garant App: 41 Prozent der Besucher kommen über die mobile Geräte zu Zalando
„Positiv“. Das ist derzeit das Lieblingswort von Rubin Ritter, Finanzvorstand bei Zalando, wenn er konkrete Festlegungen vermeiden will.

Denn auch wenn die vorläufigen Quartalszahlen deutlich nach oben zeigen, die Gruppe insgesamt erstmal „klar profitabel“ das zweite Quartal beendet, das Wachstum im ersten Halbjahr mit einem Nettoumsatz von 1,02 bis 1,06 Milliarden bei 29 Prozent liegt, badet Ritter - wohl auch angesichts des (möglicherweise) bevorstehenden Börsengangs im Spätherbst – lieber ein wenig im Ungefähren. Doch es gibt auch ein paar exakte Zahlen und einige Annäherungen.

Positiv. Das ist beispielsweise das Geschäft in der DACH-Region.

Im 1. Quartal stieg der Nettoumsatz hier noch um 27 Prozent auf 284 Millionen Euro. Konkrete Zahlen gibt es diesmal für Q2, weil vorläufig, nicht. Die kommen dann Ende August. Alles andere als ein zweistelliges Wachstum wäre aber hier eine Enttäuschung.

Man wachse weiter, sei weiter profitabel, sagt Ritter, spüre aber, dass der deutschsprachige Markt sich weniger dynamisch entwickelt.

Für Zalando zählt jetzt ohnehin eher der europäische Blick in die 15 Märkte. Mit einem Plus von 29 % wachse man schneller als der Markt und zudem in einem Korridor, den man für sich als sinnvolle Wachstumsrate gesetzt hat.

Schrei vor Glück: Zalando-Gruppe macht Profit

EBIT-Marge auf Breakeven-Niveau

Wichtigste positive Botschaft ist ohnehin, dass man ein profitables 2. Quartal (Umsatz: 520 bis 560 Millionen Euro) für die gesamte Gruppe gewuppt hat und für das erste Halbjahr eine EBIT-Marge auf Breakeven-Niveau erreicht hat.

Im 1. Quartal lag die EBIT-Marge dagegen noch bei -6,5 Prozent. Das ist in der Tat ein mächtiger Satz nach vorne.

Wie also kommt das Wachstum zustande und warum will Ritter nicht darauf wetten, dass man dieses Ergebnis bis zum Jahresende durchhält, die Gewinnschwelle also womöglich verpasst?

Saisonale Effekte

- Zalando profitiert von saisonalen Effekten, weil das zweite Quartal im Modehandel eine ziemlich Rabatt-freie Zone ist. Damit konnte sich die Marge deutlich verbessern. Das lässt sich so in den anderen Quartalen nicht wiederholen.

- Mehr Marge übrigens wohl auch deshalb, weil sich Zalando nach unseren Beobachtungen zunehmend aus dem Primark-Preisniveau im Sortiment verabschiedet. (Premium-Segment und Eigenmarken laufen laut Ritter außerdem – Sie ahnen es – positiv)

- Nach den millionenschweren Investitionen in Logistik und Fulfillment (Neue Zentrallager) kann Zalando nun die Früchte ernten und effizienter agieren. 

- Zalando dreht weiter an der Effizienz-Schraube bei den Werbespendings. Also weniger Spendings, aber mehr Klicks.

- Mit weiteren kostspieligen Investitionen, beispielsweise der Erschließung neuer internationaler Märkte, hat sich Zalando zurückgehalten. Einen internationalen Roll-out gab es lediglich für die Shopping-App. Übrigens mit gutem Grund:  Der Anteil des Traffics über mobile Endgeräte bei Zalando stieg von zuletzt 38 % auf nun 41 %.

Mobile Traffic: 41 %

Also weiter haushalten, um das gute Ergebnis nicht noch in der zweiten Halbzeit zu verwässern? Sicher ist das nicht. Eventuell wolle man auch im zweiten Halbjahr wieder investieren, sagt Ritter. Ob darunter auch größere Anstrengungen sind oder beispielweise nur schon die schon projektierten kleineren und größeren Verbesserungen im Webshop und bei der App - unklar.

Schrei vor Glück: Zalando-Gruppe macht Profit

Klar scheint dagegen: Da können Foristen noch so sehr das Ende von Zalando herbeischreiben – so schnell verschwindet der Onlinehändler nicht. Die letzte Bewertung von Zalando laut den Büchern von Kinnevik (Anteil 39 Prozent inklusive der Beteiligung über Rocket Internet) liegt bei 3,9 Milliarden Euro.

(Grafiken: Statista)


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Schlagworte: Zalando

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