Tarek Müller, About You: Wir haben ein überraschendes Potenzial der Apps entdeckt

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 18. September 2014 |

Neben dem klassischen Shop setzt Collins mit About You auf allerlei Apps. Open Commerce und die Weisheit der Masse sollen den Online-Modehändler wandlungsfähiger und persönlicher machen. Auch beim Marketing will About You bei der Gestaltung der TV-Kampagne Ideen der Community nutzen.

Im Interview mit etailment erklärt Mitgründer und Geschäftsführer Tarek Müller, warum Offenheit eine Stärke ist und wie sich mit dem App-Modell schon jetzt die Art des Shoppings verändert. 
Tarek Müller, About You: Wir haben ein überraschendes Potenzial der Apps entdeckt
Tarek Müller, About You: Seit dem Start sind mehr als 15 neue Apps dazugekommen

About You vertraut nicht nur auf App-Ideen externer Entwickler. Jetzt soll die Community auch die TV-Kampagne mit eigenen Ideen weiterspinnen. Gehen Sie da nicht ein hohes Risiko ein? Wer weiß, ob da überhaupt etwas und wenn etwas Brauchbares entsteht?

Tarek Müller: Keine Sorge. Die Resonanz im Vorfeld von Kreativen, beispielsweise auch Texterschulen, ist sehr gut. Open Commerce ist für uns nicht nur ein Wort. Wir glauben an die Kraft der Masse. Das ist Teil unserer DNA. Außerdem geben wir der Community, genau wie Entwicklern in unserem Developer Center, Werkzeuge und Leitplanken wie Storyboard-Module mit auf den Weg, um ihre eigene Geschichte zu kreieren.


Mit dem Konzept des Open Commerce, das externe Entwickler nach eigenem Gusto neue Apps für den Shop entwickeln lässt, sorgte About You zum Start für Furore. Wie viele Apps sind denn seitdem hinzugekommen?

Tarek Müller: Seit dem Start sind mehr als 15 neue Apps dazugekommen. Außerdem haben wir etliche Ideen in der Pipeline. Das Interesse ist riesig. Wir haben inzwischen 400 Anmeldungen für unsere Developer-Plattform. Knapp die Hälfte wurde bereits freigeschaltet. Dafür nehmen wir uns Zeit, weil wir die Entwickler in aller Ruhe und geregelt an Bord holen wollen.

 

Wie passt denn das Klischee der einsam tüftelten Geeks und Nerds zu einer kundenorientierten Plattform?

Tarek Müller: Es gibt längst eine neue Generation von Entwicklern, das sieht man auch bei unserer Konferenz code.talks. Die haben zwar eine Tech-DNA, denken aber gleichzeitig extrem kundenorientiert und bieten Lösungen, die von großem Realismus geprägt sind. Außerdem möchten die Entwickler gerne an der Umsatzprovision mitverdienen. Deshalb denken sie selbst über clevere Trigger nach, die Kaufimpulse setzen. Es sind aber nicht nur Programmierer in unserem Developer Center angemeldet und an der Umsetzung von Apps beteiligt. Das Interesse von Kreativen, Mode-Experten undUnternehmen ist ebenfalls sehr groß.

 

Tarek Müller: "Wir denken nicht wirklich in Geschlechtertrennung. Es geht uns um die Inspiration, um Mode als Spiegel der Persönlichkeit."


Zum Start von About You hieß es, Online-Shopping werde jetzt weiblicher. Was ist an About You heute besonders weiblich?

Tarek Müller: Wir denken nicht wirklich in Geschlechtertrennung. Es geht uns um die Inspiration, um Mode als Spiegel der Persönlichkeit. Wenn Sie so wollen, ist das eine etwas weiblichere Art des Shoppens und dass wir 80% Frauen als Kunden haben, bestätigt dies. Aber Männer mögen das genauso. Inspiration bedeutet für uns unter anderem mehr Personalisierung, mehr den Einzelnen zu spiegeln. Beispielsweise mit einem auf Sie zugeschnittenen persönlichen Feed auf der Startseite. Diese Art der Produktdarstellung greift zugleich die Art der Wahrnehmung neuer Dinge und Ideen von Anderen auf, wie wir sie inzwischen von den Netzwerken gewohnt sind. 

 

Allerdings sind manche Apps eher Spielerei. Wandelt sich der Online-Einkauf damit tatsächlich zum Impulskauf?

Tarek Müller: Natürlich können Apps auch als Zeitvertrieb genutzt werden. Diese Nutzer kommen aber später häufig wieder zurück. Wir stellen zudem fest, dass sich Kunden, die sich ohne Kaufinteresse und ohne konkreten Bedarf mit einer App wie „You & Idol“ beschäftigen, anschließend häufig zu einem konkreten Produkt wechseln. Aber auch Kunden, die eigentlich nur einen Bedarf decken wollen, und das ist ein überraschendes Potenzial, das wir entdeckt haben, lassen sich von den Apps begeistern. Die Apps inspirieren also auch zielgerichtete Käufer.

Künftig werden wir daher Apps wie „Get the Look“ über die derzeitige Integration hinaus noch enger mit den Produktdetailseiten verzahnen und dem Kunden so schon bald nahe zu alle Produkte auch im Kontext der Apps anzeigen können, also beispielsweise das Kleid im ähnlichen Look seines Lieblingsstars– aus der GetTheLook App. Damit erzeugen wir selbst bei Bedarfskunden zusätzliche Inspiration. Wer nur einen Anzug kaufen will, hat vielleicht auch Interesse an einem neuen passenden Schuh. Damit bekommt Online eine Relevanz und Beratungskompetenz über Geschichten, die ich offline so nicht herstellen kann.

 

Ob ich den Anzug von George Clooney, Ryan Gosling  zu sehen bekomme oder im Feed einen Mantel im Benedict Cumberbatch-Look sehe, entscheidet dann der Algorithmus?

Tarek Müller: Und natürlich der Kunde. Wir wollen schließlich nicht nur stumpf Produkte vorschlagen. Der Kunde kann schon jetzt dem Look einzelner Stars folgen, kann künftig immer mehr einzelne Inhalte oder Marken abonnieren oder ausklammern und so seinen Feed und die Empfehlungen des Algorithmus verbessern. Ähnlich machen Sie es ja auch mit ihrem Facebook-Stream. Der Nutzer hat auf diesem Weg gelernt, uns zu helfen. Mit diesen Informationen können wir ihm dann auch in der Kommunikation relevantere Angebote machen, anstatt ihm schlicht immer wieder bereits bekannte Themen und gekaufte Marken anzubieten.  

 

Tarek Müller: "Wir sehen in den Apps und über Social-Media-Postings eine große Chance, zusätzlichen organischen Traffic zu generieren, ohne dass wir teure Werbeplätze bezahlen müssen. Einfach weil die Apps relevant sind für die Nutzer und deshalb häufig geteilt werden."


Manch eine App kann man sich gut als Stand-alone-Shop vorstellen. Denkbar wäre ebenso die Integration einer App wie Styletrip in einem Buchungsportal oder Wetterfest auf einer Wetterdienst-Seite. Ist das Teil der Strategie?

Tarek Müller: Absolut. Unsere Infrastruktur macht das sicher möglich und App-Entwickler haben ein Interesse daran. Darüber hinaus führen wir entsprechende Gespräche mit externen Publishern. Wir wollen das System aber erst noch weiter ausbauen. Natürlich testen wir auch native Apps. Beispielsweise ist Get the Look bereits nativ und You & Idol soll hinzukommen. Wir sehen in den Apps und über Social-Media-Postings eine große Chance, zusätzlichen organischen Traffic zu generieren, ohne dass wir teure Werbeplätze bezahlen müssen. Einfach weil die Apps relevant sind für die Nutzer und deshalb häufig geteilt werden.

 

Dafür aber geht es nun in den Werbeblock im TV. Wird das den Umsatz anheizen und die Server rauchen lassen?

Tarek Müller: Nicht direkt. TV-Werbung wird oft falsch verstanden. Wer sein Online-Handwerk versteht, setzt z.B. auf Suchmaschinen-Marketing, Preissuchmaschinen und Social Media Display Werbung. TV sorgt dann für die entscheidende Markenbekanntheit. Die hilft dann weiter, wenn der Kunde sich zwischen all den Suchergebnissen für einen Klick entscheiden muss. Rauchende Server während eines Werbespots sind allerdings ein Mythos. Deshalb geht es auch uns mit der ersten TV-Kampagne vor allem darum, eine Haltung und ein Markenversprechen abzugeben: „Jedes Teil dein Style“. Unsere Apps und unsere Anstrengungen hin zu mehr Personalisierung sind die Puzzleteile dieses Markenversprechens.

Lesen Sie Morgen früh: Gründerenkel Benjamin Otto, Mitgründer und Geschäftsführer von Collins (About You), über den Erfolg von Collins und die Rolle der Digital Natives.


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Schlagworte: Collins, about you

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