Trotz Relaunch: Rewe macht den Online-Einkauf nicht leicht

Von Frank Puscher | 3. September 2014 | 4 Kommentare Kommentieren

Wie Rewe E-Food vergeigt
Seit Anfang Juli hat Rewe.de einen neuen Onlineshop. Wir haben mal kurz einen Blick darauf geworfen, um uns einem einen leichten, übersichtlichen Design zu erfreuen. Aber das hält leider nur auf den ersten Blick. 


Stolz spricht Rewe von einem „großen Meilenstein“ und einer „technischen Basis“ für neue Features und Services. Etwas vorsichtiger spricht der Supermarktkonzern aber gleichzeitig von einem „Soft-Launch“, also einer weichen Eröffnung, einem Pre-Opening. Kann man denn auf Rewe.de heute, zwei Monate nach dem Pre-Opening und einigen Verbesserungen gegenüber der Startversion, überhaupt schon bestellen, oder befindet sich der Onlineshop noch in der Findungsphase?

Experimente im Shopdesign

Drücken wir es mal etwas vorsichtig aus: Rewe wagt einige Experimente im Shopdesign, die nicht jedem Shopbetreiber zur Nachahmung empfohlen sind. Wir beginnen bei der Suche, denn Usability-Kritiker suchen gerne nach den Low-hanging-fruit, damit schon mal was Kritisches im Bericht drin steht.

Und siehe da: Rewe.de entpuppt sich als dankbares Opfer. Die Suche nach Avocados brachte als Ergebnis nur redaktionelle Inhalte zutage, aber keine Produkte. Gleiches galt für die Suche nach Mango und Schweinefilet. „Dry aged“ gibt es bei Rewe zumindest laut Suche gar nicht, dabei war mir so, also wäre mir bei einer örtlichen Filiale mal eine Probierportion des Luxusfleisches begegnet, aber das ist Spekulation. 

Trotz Relaunch: Rewe macht den Online-Einkauf nicht leicht

Apropos Filiale: Da war doch was. Stimmt. Angesichts des dezentralen Aufbaus der Rewe-Gruppe, variieren die Angebote der einzelnen Händler mitunter stark voneinander. Wer also sinnvoll bestellen will, gibt mindestens seine Postleitzahl preis. Blöd nur, dass die Suche nicht der Meinung ist, mich darüber zu informieren. Wäre ich hingegen zunächst über eine Produktkategorie gegangen, dann hätte mich Rewe.de mit einem aggressiven Overlay zur Preisgabe des Standorts gezwungen. Wer das Overlay wegklickt, bei dem verschwinden auch die meisten Kategorieinhalte.

Bitburger-Targeting für die Schmerzen des Websitetesters?

Zum Trost erscheint dafür dann eine Promotion für eine Kiste Bitburger. Kein schlechtes Targeting, um die Schmerzen des Websitetesters zu lindern.

Klickt man nun eine andere Produktkategorie an, dann passiert auf der Seite einfach nichts mehr. Warum? Weil auf jeder Seite die Gerstensaft-Werbung läuft und die so viel Platz einnimmt, dass die Seitenänderungen unter dem virtuellen Seitenfalz geschehen. Im Wahrnehmungsnirvana.

Recht neben dem Bier steht übrigens die Wiederholung der Aufforderung, dass man doch bitte seine Postleitzahl eingeben möge. Ich habe den Hinweis erst auf der vierten besuchten Seite gesehen. Klassischer Fall von Bannerblindness.

Unten in dieser Aufforderung gibt es ein Textfeld mit der Aufschrift „Hier Postleitzahl eingeben“. Und das ist tatsächlich ein Fake. Quasi eine webdesignerische Reminiszenz an die frühen 90er, als man noch gar nicht so richtig wusste, wie man mit Formularfeldern auf Nichtformularseiten umgehen soll. Es ist ein Button, der zu einem anderen Overlay führt, in dem man die Postleitzahl zwar nicht „eingeben“ aber zumindest „ändern“ kann.

Und dann? Schließt man das Overlay, dann ändert sich nichts. Also nochmal geöffnet. Da steht auch meine Postleitzahl drin. „Wo wollen Sie einkaufen“, werde ich gefragt und zur Wahl stehen „Lieferservice“ und „Abholservice“. Ich klicke auf „Lieferservice“ um die Auswahl zu bestätigen, schließe das Overlay und es hat sich nichts geändert. Tatsächlich stelle ich beim dritten Öffnen des Fensters per MouseOver fest, dass die Namen der angezeigten Supermärkte mausempfindlich reagieren und dann erscheint wie aus dem Nichts ein sinnvoller call to action „Markt auswählen“. Und schwups erscheint auf der Hauptseite meine Postleitzahl, das Angebot an Waren ist plötzlich viel Größer und die Suche findet Avocados und zwar nicht nur bei der Onlineredaktion sondern auch im Laden.

Trotz Relaunch: Rewe macht den Online-Einkauf nicht leicht
Der Call-to-action für die Marktauswahl wird perfide erst bei MouseOver angezeigt

Mahlzeit: Entenfleisch-Suche liefert Rinder-Entrecote

Aber ich werde dennoch irgendwie das Gefühl nicht los, dass sich Rewe.de, mein Browser (Chrome Win8.1) und Ich nicht so toll verstehen. Ich suche zunächst nach Fleisch und erhalte 792 Treffer. Dann suche ich nach Rindfleisch, um mehr Übersicht zu bekommen und erhalte … 792 Treffer. Nun suche ich spaßeshalber nach Schweinefleisch: 1249 Treffer. Hä? Und beim Entenfleisch mit ebenfalls weit über 1000 Treffern landet auf Platz fünf der Suchergebnisse das Rinder-Entrecote.

Trotz Relaunch: Rewe macht den Online-Einkauf nicht leicht
Die Suche nimmt stellenweise eine eigenwillige Zuordnung vor

Nun könnte es natürlich sein, dass das Rind an und für sich und entgegen der landläufigen Meinung gar kein pflanzenfressender Widerkäuer ist, sondern vielmehr eine Vorliebe für gut gemästete Stockenten besitzt. Den brutal-heimtückischen Jagdvorgang möchte man sich nicht vorstellen. Dann wäre also das Entrecote ein Stück Rindfleisch, das Spuren von Entenfleisch enthalten kann und insofern richtig eingeordnet ist.


Dickes Frühstück

Ach ja, ich vergaß zu erwähnen: Als ich noch keinen Markt gewählt hatte, erschienen auf der Kategorieseite „Frühstück“ tatsächlich Dickmanns oder wie immer die jetzt genannt werden als Empfehlung. Gemeinsam mit einem gepflegten Bitburger halte ich das für ein veritables Onliner-Breakfast. Ist das der Start Rewes in die Welt des Curated Shopping?

 


Kindle Kindle
Drucken Artikel versenden

Thema: Player

Schlagworte: Rewe, e-Food

hellofresh
Guten Morgen etailment-Leserinnen und Leser!Vernetzte Geräte, die für uns die Einkäufe erledigen? Di ...
Topartikel
Kurz vor 9: Amazon erschreckt mit massiven Verlusten, PayPal, eBay, Urbanara, Apple,
Amazon ist die Produktsuchmaschine Nummer 1 der Deutschen. Gute Sichtbarkeit im Ranking kann daher d ...
Die Top 100 der umsatzstärksten Onlinehändler in Deutschland
Die Dominanz der Top 3 im deutschen Onlinehandel - Amazon, Otto, Zalando - ist schier erdrückend. Zu ...
Trendreport: Wie alltaugstauglich sind die Zukunftsvisionen für den E-Commerce?
Über 12.000 Produkte im ersten richtigen Virtual-Reality-Kaufhaus; ein Vertriebs-Bot, der E-Mails an ...
Rewe Digital: Schweizer Taschenmesser im Kampf gegen Amazon
Guten Morgen etailment-Leserinnen und Leser!Eine Studie der News-Organisation ProPublica zeigt gerad ...
Marc Opelt
Guten Morgen etailment-Leserinnen und Leser!Den Satz kennen Sie sicher: Kunden brauchen keine Bohrma ...

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erik
    Erstellt 3. September 2014 14:56 | Permanent-Link

    Was ist das denn bitte für ein mieser Verriss? Also ich habe ja wirklich ein Herz für kritischen Journalismus, der nicht jedes Startup in den Himmel lobt.
    Aber die Rewe Seite so bashen zu wollen, finde ich daneben.

    Peinlich finde ich z.B. die Kritik an der UX. Wenn der Nutzer es nicht hinbekommt, eine Filiale auszuwählen, um die Angebote dort zu finden. Er schreibt sogar selbst von Banner-Blindheit.
    Ich habe mal 3 Leute per Zufall gefragt, ob sie bei REWE mal einkaufen können. Nicht einer ist auch nur ansatzweise in die Bredouille gekommen, keinen Markt ausgewählt zu haben oder zu können. Dafür muss man sich, entschuldigen Sie den flappsigen Tonfall, ziemlich dusselig anstellen. Dies dann auf 300 Wörtern breitzutreten ist nicht nur inhaltlich schwach, sondern vernachlässigt auch vollkommen die Bereiche, die bei REWE recht gut gelungen sind.

    Am peinlichsten finde ich aber die Zwischenüberschrift "Bitburger-Targeting für die Schmerzen des Websitetesters?"
    --> Das ist Journalismus auf Bild-Niveau. Maximal.
    Falls Sie da auf eine ganz andere Version Zugriff hatten, nehmen Sie den Post nicht erst. Wenn sie die aktuelle Version getestet haben, die auch auf dem Screenshot zu sehen ist, finde ich es schon arg bedenklich, so etwas zu veröffentlichen.

    Ich erwarte von einem Journalisten, der Verleger ist, Moderator und Berater für Social Media und Online Marketing aber auch keine dedizierte Usability Analyse. Ich erwarte da eigentlich überhaupt keine nachhaltigen UX, Design & Konzept Kritiken. Aber von etailment könnte man erwarten, dass sie die Postings der Autoren liest.

    Ich stehe mit REWE übrigens in keinerlei Art in Verbindung. Ich bin einfach nur enttäuscht über die Art und Weise, wie hier eine "Expertenmeinung" dargestellt wird.

  2. Erstellt 3. September 2014 17:39 | Permanent-Link

    Lieber Erik, ein flapsiger Ton ist schon okay. Wir sind ja selbst nicht prüde. Danke jedenfalls für die Kritik. Wir werden das hier diskutieren.

    Ich denke aber schon, dass jemand der Verleger, Moderator und langjähriger Fachautor für Social Media und Online Marketing ist, eine Usability Analyse bieten kann. Vor allem eine, die sich in den DAU hineinfühlt und viel über Banner-Blindness auch aus fachlicher Sicht erzählen kann.

    Zumal sich seine Kritik noch leicht hätte fortsetzen lassen:
    - vergessliches Warenkorbgedächtnis
    - weitere lustige Suchvorschläge
    - eine Website, die zuerst zwanghaft und mit Gewalt die Postleitzahl haben will, wenn sie mich an einem Fremdrechner nicht wiedererkennt und keinen Umweg bietet.
    usw.

    -Sicher ist der Auftritt gegenüber dem Relaunch der neuen Version schon besser geworden.Wir haben darauf hingewiesen. Aber wir glauben, da geht noch so einiges.

    Wir wünschen dem E-Food-Segment, da sind wir ein bisschen parteiisch, nämlich viel Erfolg. Und der kommt umso leichter, wenn der Auftritt auch Nutzer anspricht, die sich gerne mal ein bisschen doof anstellen.

  3. Erik
    Erstellt 3. September 2014 19:19 | Permanent-Link

    Hey,

    danke für die Antwort und sehr schön, dass ihr meinen etwas aufgebrachten post gut aufgenommen habt.

    Ich wünsche dem Segment auch viel Erfolg. Man darf gespannt bleiben. ;-)

  4. Peer
    Erstellt 4. September 2014 12:37 | Permanent-Link

    Ihr wollt online Lebensmittel bestellen, aber dafür eure PLZ nicht preisgeben und wundert euch dann, dass es nicht geht? Originelle Herangehensweise. Wer auf "Bestellen" geht, von dem will Rewe wissen: wohin? Wer das angegeben hat (und nur das, man muss nicht angemeldet sein), kann prima suchen. Außer "Avocados" geht auch "Avocado" oder (obwohl falsch) "Avokado".

stats