kleidoo-Chef Rahim: "Wir haben sehr viel vor!"

Von Klaus Janke | 17. Juni 2014 |

Aranga Rahim
Einen "Stadtbummel online", durch viele virtuelle Boutiquen mit coolen Designs und angesagten Marken - das bietet der Online-Marktplatz kleidoo. Bislang sind ausschließlich Händler angeschlossen, die bereits einen beachtlichen Anteil ihres Umsatzes über kleidoo machen. Jetzt leitet das Hamburger Unternehmen den nächsten Expansionsschritt ein. Aranga Rahim, Gründer und Geschäftsführer von kleidoo, erklärt im etailment-Interview, wo die Reise hingeht.

Herr Rahim, Sie kündigen für den Mode-Marktplatz kleidoo im Herbst eine Marken- und Marketing-Offensive an. Was ist geplant?

Zum einen wollen wir kleidoo nicht nur – wie bislang – für Händler öffnen, sondern auch für Marken. Wir sind mit sehr vielen renommierten Brands im Gespräch. Im Herbst werden einige große Marken auf der Plattform integriert. Davon sind einige schon bereit, andere sind in der Vorbereitung für die Integration. Gleichzeitig wird kleidoo mit einem deutlich erweiterten Paket an Werbemaßnahmen seine Bekanntheit steigern. Dazu werden neben Online- auch Offline-Kampagnen gehören, die modebegeisterte Kunden so noch nicht gesehen oder erlebt haben. Auf diese Weise wird die nächste Expansionsstufe von kleidoo eingeleitet. Wir haben sehr viel vor!

kleidoo ist vor rund zwei Jahren als Marktplatz für Trend- und Premiummode gestartet. Wie viele Händler sind mittlerweile an Bord?

Angeschlossen sind rund 100 deutsche Shops, wobei etwa ein Viertel in Hamburg angesiedelt ist, Dort befindet sich auch unser Unternehmenssitz. Wir wollen vor allem schönen, ambitionierten Boutiquen die Möglichkeit eröffnen, den E-Commerce als weiteren erfolgreichen Distributionskanal zu nutzen und sich authentisch zu präsentieren.

Warum sollten sich Händler kleidoo anschließen – und nicht anderen Marktplätzen?

Weil kleidoo vor allem ein hochwertiges Umfeld bietet. Bei uns geht es nicht um Masse und Preiskampf wie bei Amazon oder ebay. Wir wollen den Kunden vielmehr durch eine anspruchsvolle Präsentation der Waren und der Shops das Gefühl eines virtuellen Stadtbummels bieten. Wer zu kleidoo kommt, kann echte Marken und Geschäfte erleben, nach gewünschten Brands suchen oder auch einfach durch schöne Boutiquen aus ganz Deutschland bummeln. Das ist auf den großen Marktplätzen ganz anders. Wir stellen darüber hinaus umfangreiche Services für die Händler zur Verfügung. Auf Wunsch bieten wir das All-In-One Paket: vom Fotografieren der Artikel über den Versand bis hin zur In-House Lagerung, Logistik und Retourenabwicklung. Unsere Dienstleistungen können natürlich aber auch separat genutzt werden. Bei erfolgreichem Verkauf erhält kleidoo eine Transaktionsprovision.

Der Kunde bekommt aber Pakete, die mit kleidoo gebrandet sind.

Genau. Diese lassen wir den Händlern im Vorfeld zukommen. Bevor das Paket von einem der Lieferdienste aus dem Geschäft abgeholt wird, müssen unsere Partner das Produkt also lediglich einpacken.

Welche Anforderungen müssen die Händler auf kleidoo erfüllen?

Ihr Markenportfolio muss zu uns passen und das Geschäft sollte auch offline eine gute Figur machen. Ein schönes Geschäft mit ausgewählten Marken macht meiner Meinung nach offline und online Spaß.

kleidoo Startseite
kleidoo-Homepage: Einladung zum "Stadtbummel online"


Wie wichtig ist kleidoo als Absatzkanal für die bislang angeschlossenen Händler?

Er wird immer wichtiger. Sie erzielen jetzt schon 20 bis 30 Prozent ihres Umsatzes über uns und unsere Wachstumskurve zeigt, dass das erst der Anfang ist.

Sie wollen keinen Preiskampf. Aber wie verhindern Sie, dass zwei Händler den gleichen Artikel zu unterschiedlichen Preisen anbieten?

Selbstverständlich kann dies geschehen. Aber wir sind mit den Händlern in engem Kontakt und bislang ist es uns gelungen, spürbare Preisdifferenzen zu vermeiden. Dies wird auch weiterhin so sein.

Werden Sie auf dem Marktplatz weiterhin ausschließlich Mode anbieten?

Wir wollen deutlich als Modespezialist profiliert bleiben. Das heißt allerdings nicht, dass wir nicht aus dem Bereich Beauty – etwa aus der Kosmetik – Marken als Partner hinzugewinnen. Sie müssen allerdings zum Themenschwerpunkt Mode passen. Wir sind auch hier bereits in konkreten Gesprächen mit bestimmten Brands.

Wie sieht denn das typische kleidoo-Klientel aus?

Wir sprechen vor allem Frauen von Mitte 20 bis Ende 30 an. Unsere ausgewählten Marken begeistern aber auch viele Menschen außerhalb dieser Zielgruppe. Die Kundinnen sind meist gut gebildet, haben ein gutes Einkommen, leben oft in Großstädten und sind in puncto Mode anspruchsvoll.

Sie haben auch Männermode im Programm, allerdings ist das Angebot noch überschaubar. Wird hier künftig mehr passieren?

Ja. Wir werden die Herren verstärkt ansprechen. Auch Männer lieben es zunehmend, Mode online einzukaufen. Sie sind nicht zuletzt deswegen eine interessante Zielgruppe, als dass sie weniger retournieren. Außerdem ist deutlich erkennbar, dass auch Frauen zunehmend für Männer online shoppen.

Bislang werden die Angebote der einzelnen Händler optisch einheitlich präsentiert. Mit einer solchen Lösung dürften die Marken, die im September mit ihren Shops hinzukommen, nicht zufrieden sein, oder?

Nein. Wir werden den Marken die Gelegenheit geben, sich genauso darzustellen, wie sie dies wünschen. Die Brands werden inklusive der mit ihnen verbundenen Emotionen präsentiert und für den Kunden online erlebbar gemacht. Wir werden voraussichtlich Ende Juli in einer Präsentation zeigen, wie die Integration der Marken in etwa aussehen wird.

Person und Unternehmen

Der Däne Aranga Rahim ist gemeinsam mit seinem Landsmann Feodor Kouznetsov Gründer und Geschäftsführer von kleidoo, dem Online-Marktplatz für Damen-, Herren- und Kindermode. Über kleidoo verkaufen zurzeit rund 100 lokale Boutiquen angesagte Designer- und Premiummode. Das Unternehmen wurde 2012 gegründet, hat seinen Sitz in Hamburg und beschäftigt rund 35 Mitarbeiter.
Wie verhindern Sie, dass die Marken mit ihren Shops zur Konkurrenz für die Händler werden?

Wir sind prinzipiell bestrebt, online und offline optimal zu verknüpfen und nicht gegeneinander auszuspielen. Das heißt: Bei der Bestellung eines bestimmten Artikels wird dem Kunden, das für Ihn am dichtesten gelegene Geschäft mit dem gewünschten Produkt angezeigt. Dabei soll der Kunde die Wahl haben: Er kann die Ware entweder nach Hause geliefert bekommen oder sie über Click & Collect im Geschäft abholen. Schnell, einfach und umweltfreundlich, denn unsere Produkte nehmen den kürzesten Weg zum Kunden! Auch die Marken werden die Möglichkeit bekommen, ihre Fachhandelspartner in den Regionen einzubinden und die Bestellungen über sie abzuwickeln. Wir werden in einer Testphase ab Herbst diverse Lieferoptionen ausprobieren. Dazu wird im Raum Hamburg auch Same-Day-Delivery gehören.

Thema Werbung: kleidoo hat sich mit einem TV-Spot auf TLC gezeigt, einem Kabel-Spartensender für Frauen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

TLC ist gerade erst gestartet, daher ist die Reichweite noch begrenzt. Aber wir waren mit den Resultaten zufrieden. Wir werden das Thema Fernsehwerbung noch intensivieren.

Ist Media-for-Equity ein Thema?

Alles ist möglich. Aber ob wir diesen Weg beschreiten werden, kann ich noch nicht sagen.

kleidoo ist jetzt seit zwei Jahren am Markt. Wann werden Sie schwarze Zahlen schreiben?

Wir haben unseren Break-even im Blick er steht aber nicht ganz oben auf unserer Agenda. Erst einmal geht es darum, Marktanteile zu gewinnen und die Bekanntheit zu steigern. Wir planen mit unseren Investoren, 2017 die Gewinnzone zu erreichen. Sollten sich andere Ziele jedoch als vorrangig erweisen, kann es auch später werden.

 

 


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Schlagworte: Marktplätze, Kleidoo

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