Lebensmittelkauf im Internet: Was Kunden wollen

Deutsche Konsumenten sind dem Lebensmittel-Onlinekauf gegenüber durchaus aufgeschlossen. Laut jüngsten Ergebnissen des „Consumer Barometers: Food Online“ von IFH Köln und KPMG hat jeder dritte der 519 Befragten hat schon einmal Lebensmittel im Internet gekauft. Rund drei Viertel können sich vorstellen, zukünftig online Lebensmittel zu bestellen. Das Online-Panel bietet detaillierte Einblicke in Vorbehalte und Wünsche aus Verbrauchersicht: Zentrale Treiber für den Online-Kauf sind Bequemlichkeit und Flexibilität. Logistikqualität und Frischegarantie stellen die wichtigsten Services für Konsumenten dar.

Lebensmittelkauf im Internet: Was Kunden wollen
Rewe online: Wer Mittwochmittag einen Termin für Freitag braucht, muss sich schon sputen. Vielfach heißt es "ausgebucht". Sogar die teuren Zeitfenster sind vielfach bereits vergeben. Merke: Die Kosten sind Nebensache

Großes Verbraucherinteresse am Lebensmittel-Onlinekauf


Welche Hürden es für Anbieter dabei konkret zu überwinden gilt, haben das IFH Köln und KPMG in der der ersten Ausgabe des vierteljährlich erscheinenden „Consumer Barometers“ ebenfalls untersucht. Denn die weiteren Ergebnisse zeigen: Das Interesse der Konsumenten ist vorhanden. Die deutschen Verbraucher sind dem Lebensmittel-Onlinekauf gegenüber bereits überaus aufgeschlossen. Etwa jeder Dritte hat bereits einmal Lebensmittel im Internet gekauft und weitere knapp 42 Prozent der Befragten können sich dies für die Zukunft vorstellen.

Lediglich ein Viertel der Konsumenten lehnt die Online-Bestellung von Nahrungsmitteln grundsätzlich ab. Längst sind dabei nicht nur junge Konsumenten an der Bestellung von Lebensmitteln im Internet interessiert. Auch Ältere zeigen sich durchaus aufgeschlossen. Nur rund 30 Prozent der Befragten im Alter 50+ können sich nicht vorstellen Lebensmittel online einzukaufen. Besonders interessiert zeigen sich außerdem Personen zwischen 30 und 39 Jahren.

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30% der Befragten haben bereits Lebensmittel online bestellt.

Lieferkosten und mangelndes Vertrauen in die Produktqualität als Hinderungsgründe

Abgelehnt wir der Einkauf von Lebensmitteln im Internet aktuell vor allem noch aufgrund von Vorbehalten bezüglich der Produktqualität sowie von Sorgen bezüglich der Einhaltung der Kühlkette. Darüber hinaus hindert viele der Befragten die fehlende Möglichkeit zur Begutachtung der Waren vor dem Kauf. Hohe Mindestbestellwerte und unpräzise Lieferzeitpunkte sind weitere Mankos, die das Wachstum des Online-Lebensmittelkaufs momentan noch drücken.

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Hohe Lieferkosten und Sorge vor Qualitätsmängeln schrecken Verbraucher ab.

Zunehmende Entstrukturierung des Alltags als Impulsgeber für den Lebensmittel-Onlinehandel

Kommentar: Wann geht's los?

"Entstrukturierung des Alltags". "Bequemlichkeit und Flexibilisierung". Check. "Zeitfensterzustellung in urbanen Regionen, mit leicht höherer Preisbereitschaft bei Verbrauchern"? Check. Passt. Eigentlich. Allein, die praktische Umsetzung hinkt da hinterher. Jedenfalls in meiner "urbanen Region". Im Test von der heimischen Couch aus fielen die Angebote der Handelsriesen durch: Für Rewe ist Dortmund offensichtlich nicht urban genug (Bielefeld hingegen schon): Es gibt noch keinen Lieferdienst. Und Click & Collect? Geht bundesweit zum Beispiel in Ortschaften wie Runkel-Ennerich und Wiesloch (kann deren Lage mal jemand gerade googlen?), die bevölkerungsreichste Stadt des Ruhrgebiets geht jedoch leer aus. Wie kommt's? Wenn irgendwo in Deutschland ideale Vorraussetzungen für eine entsprechende Logistik gegeben sind, inkl. der erwähnten Mehrwert-Leistungen, dann hier. Der nächste Kandidat: Edeka. Was Service-Umfang und Sortiment beim Online-Dienst Edeka24 angeht, ist es mit der Liebe zu Lebensmitteln leider noch nicht so weit her: TK-Ware, Obst, Gemüse oder andere Frischwaren? Fehlanzeige. Plus: Preise wie an der Tanke, (wobei diese wenigstens noch TK-Produkte im Sortiment haben). Mit Blick auf den Markt stellt sich da allgemein die Frage: Wann werden Angebote und Services des Handels den Kundenbedürfnissen in deren entstrukturiertem Alltag denn auch mal tatsächlich gerecht werden?

Die Wunschliste der Verbraucher an die Anbieter ist lang und stellt den Lebensmitteleinzelhandel vor große Herausforderungen. Begeistern könnten laut Umfrage, Online-Händler, die es den Kunden ermöglichen würden, bestellte Waren bei der Lieferung zu begutachten und unter mehreren Produktexemplaren zu wählen. Rund 56 Prozent wünschen sich eine solche Option. Auch mit der Lieferung am Bestelltag sowie der Möglichkeit, Produktpräferenzen im Online-Shop anzugeben, könnten Anbieter bei den Befragten zusätzlich punkten. Mark Sievers, Head of Consumer Markets bei KPMG, resümiert: „Im Lebensmittel-Bereich zählen Aspekte wie Vertrauen und Sicherheit besonders stark.

Online-Händler die mit Hilfe der genannten Mehrwert-Leistungen Transparenz und Sicherheit in Bezug auf Qualität und Frische schaffen, können sich im Wettbewerb abgrenzen“. „Aufgrund der allgemein zunehmenden Entstrukturierung es Alltags sind Bequemlichkeit und Flexibilität zentrale Treiber des Lebensmittel-Onlinehandels. Sowohl das Online-Sortiment als auch die Lieferung bis in Haus sowie alle kaufbegleitenden Services müssen daher in Sachen Convenience optimiert werden“ betont Sievers weiter.




Logistik Dreh- und Angelpunkt für den Erfolg von Online-Konzepten im Lebensmittelhandel


Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH Köln, rückt hingegen die Bedeutung der Logistik in den Vordergrund: „Bei erfolgreichen Online-Konzepten im FMCG-Bereich (Fast Moving Consumer Goods) wird vor allem die Logistik zum Dreh- und Angelpunkt. Das Thema Zeitfensterbelieferung in urbanen Regionen beispielsweise kann der Online-Handel klar als Vorteil nutzen – auch weil die Konsumenten hier durchaus eine leicht höhere Preisbereitschaft zeigen“. „Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass sich mittelfristig vor allem der Verkauf haltbarer Lebensmittel und zielgruppenspezifische Vollsortimentskonzepte online etablieren lassen“, so Hudetz weiter.

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Ganz oben auf der Service-Wunschliste der Befragten - Die "6 R der Logistik": Richtiges Produkt, richtige Menge, richtige Qualität, richtige Kosten, richtiger Ort, richtige Zeit.

Weitere Ergebnisse des „Consumer Barometers: Food Online“ finden Sie hier zum Download.
Via IFH Köln
Grafiken: Statista


Weiterführende Links:
Sudie: Vorbehalte von Verbrauchern, die noch nie online Lebensmittel bestellt haben

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 25. Mai 2014 20:10 | Permanent-Link
    Da braucht es wieder "herumfahrende" Lebensmittelhändler!

    "Begeistern können laut dieser Umfrage, Online-Händler die es den Kunden ermöglichen bestellte Waren bei der Lieferung zu begutachten und unter mehreren Produktexemplaren zu wählen."

    Ich erinnere mich noch gut an herumfahrende Lebensmittel - gab's vor 30 Jahren schon in meinem Heimatdorf (1.200 Einwohner) in Nordhessen. Da konnte man dem Händler auch von Tag zu Tag sagen, was man brauchte.

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