Ich glaube vielmehr an eine allgemeine Trendwende: Die Idee der Post PC Ära hat sich in vielen Lebensbereichen einfach überlebt. Und Online-Shopping ist einer davon. Zumindest im Weihnachtsgeschäft. Warum der Tablet Commerce gegen die Hektik des Alltags letztlich keine Chance hat. Ein Erklärungsversuch.
Leistung = Arbeit : Zeiteinheit
HP prescht vor und bewirbt momentan als erster PC-Hersteller wieder Hardware mit dem Windows 7-Betriebssystem. Ganz offiziell und offen wider Microsofts Wunsch, die "Kachelwelt" des Nachfolgers endlich mal in den Massenmarkt gedrückt zu bekommen. Alt, aber bekannt und entsprechend nachgefragt: Verbraucher fragen gezielt Rechner mit einem alten Betriebssystem nach, weil ihnen der "Komfort" des Nachfolgers zu kompliziert ist (ist es mittlerweile zwar nicht mehr, aber viele Kunden glauben es halt noch). Und PC-Hersteller reagieren darauf.
Weihnachten ist Arbeit
Der gleiche Abnutzungseffekt lässt sich bei der "Bestellarbeit" im Weihnachtsgeschäft beobachten. Weihnachten ist Arbeit:
Die Feiertage rücken näher, der eigene Urlaubsbeginn ist jedoch vielleicht noch in weiter Ferne. Zeitdruck. Die Innenstädte sind voll, der Schreibtisch will vor den Feiertagen noch "abgestapelt" werden, der Tannenbaum besorgt, die Feiertagseinkäufe getätigt, die Kinder bespaßt und die Verwandtschaft organisiert und vom Bahnhof abgeholt werden,...
Legt sich da wirklich irgendjemand bequem vor den Feiertagen mit dem Tablet aufs Sofa und lässt sich mal am Sonntagnachmittag ganz gemütlich durch die nativen Webshops der großen Retailer und Marktplätze leiten?
Um sich durch mobile Erlebniswelten treiben zu lassen und Weihnachtsgeschenke zu shoppen?
Ich kenne niemanden der das tut (rückblickend behauptet man das vielleicht gerne, ich schließe mich da selbst nicht aus, weil es trendig ist und weil man sich das vielleicht auch so im Vorfeld gewünscht hätte) und der Online-Bestellalltag vorm Fest stellt sich ganz anders dar: Nach Hause kommen, Rechner anwerfen, die favorisierten Shops abklappern und gezielt Wunschlisten abarbeiten. Größen und Farben zu finden, passende Zusatzleistungen (Geschenkverpackung, Lieferoptionen) an gewohnter Stelle und Knöpfe an gewohnter Position zu drücken, darum geht es. Gedanklich letztlich auch zügig einen Haken an das Thema "Geschenke" setzen zu können, einfach um die nächste Aufgabe im Festtags-Marathon angehen zu können...
Insofern verwundert es mich nicht, das Ebay und Amazon via native iPad-Apps kein Wachstum in der Nutzungsintensität zum Jahresende für sich verbuchen konnten. Überhaupt nicht.
Grafik: Statista
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Redakteur
Karsten Werner ist Logistiker, Projektmanager und Dozent für berufliche Weiterbildung. Er beobachtet seit 2000 die Entwicklungen im E-Commerce. Neben seiner Neugierde an Supply Chains und Best Practices im Onlinehandel, bildeten die Empfehlungssysteme im Web 2.0 später einen weiteren Interessensschwerpunkt. Derzeit liegt sein Themenfokus auf den Geschäftsmodellen und Strategien in den Märkten für digitale Güter. Er schreibt außerdem für Netzwertig.com und twittert unter @KarstenWerner.
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