Was Online-Kunden auf die Palme bringt

Irgendwas ist ja immer. Besser aber die Nervfaktoren werden weniger. Das schont die Geduld des Kunden und poliert den Umsatz. "Wir konnten unsere ohnehin schon extrem hohe Verlässlichkeit nochmals um ein paar Prozentpunkte steigern. Das erscheint nicht viel. Auf die Kundenbindung hat eine niedrige Fehlerquote aber enorm positive Auswirkungen", sagte jüngst Zalando Deutschland-Chef Moritz Hau gegenüber etailment. Beim Onlinehändler weiß man eben ziemlich genau, was Kunden frustriert. Eine Studie offenbart jetzt, was Kunden besonders auf die Palme bringt und was sie von ihrem Händler der Wahl in Zukunft erwarten.

Der JDA/Centiro Customer Pulse Report zeigt, wie sehr Kunden gerade bei Basisleistungen inzwischen eine nahezu perfekte Performance erwarten. Die ist aber längst nicht Standard. 48 Prozent der Kunden sind nämlich frustriert, weil sie negative Erfahrungen mit der Lieferung von Online-Bestellungen in den letzten 12 Monaten gemacht haben. Und damit heißt es dann "Goodbye Kunde": Fast zwei Drittel (65 Prozent) beabsichtigen nach einer misslungenen Liefererfahrung für ihren nächsten Einkauf den Anbieter zu wechseln. Nur 23 Prozent halten ihrem Anbieter im Netz die Treue.

Was Online-Kunden auf die Palme bringt


Was nervt?
Online-Lieferungen kommen oft zu spät (48 Prozent), immer wieder finden Kunden statt des Pakets nur eine „nicht zustellbar”-Benachrichtigung im Postkasten (45 Prozent), obwohl sie zu Hause waren. Fast jeder Vierte Online-Shopper ärgerte sich in den letzten zwölf Monaten über beschädigte (24 Prozent) oder gar nicht gelieferte Ware (26 Prozent).

Was Online-Kunden auf die Palme bringt


Was kommt?
23 Prozent der Befragten haben die Selbstabholung im Laden für ihre Online-Bestellung in den letzten zwölf Monaten in Anspruch genommen. Motive für die Selbstabholung sind in erster Linie das Einsparen von Versandkosten (49 Prozent) und die Bequemlichkeit (30 Prozent). Fast jeder Vierte (23 Prozent) befürchtet jedoch sein Paket über den Versand nicht zu erhalten und bevorzugt die Selbstabholung – kein gutes Zeugnis für die Lieferqualität der deutschen Online-Händler.

Was Online-Kunden auf die Palme bringt


Zur Studie

Für die Studie wurden 2042 repräsentativ ausgewählte Verbraucher zwischen dem 24. bis 30. April 2015 aus Deutschland befragt. Die Erhebung erfolgte online. Die Zahlen sind gewichtet und repräsentativ für alle Deutschen über 18 Jahren. In Auftrag gegeben wurde die von YouGov durchgeführte Studie von JDA Software und Centiro.
Doch auch bei Click & Collect läuft es nicht rund: 19 Prozent der Selbstabholer beschweren sich über lange Wartezeiten. 18 Prozent können die gewünschte Bestellung doch nicht abholen, da die Ware bereits ausverkauft war. Und weitere 15 Prozent beklagen die Unfähigkeit des Personals, ihre Bestellung in den neuen Systemen zu finden.

Gretchenfrage: Wie hältst du es mit den Retouren?
78 Prozent der Befragten legen großen Wert auf den Umgang mit Retouren. Dabei hat der Online-Kunde sehr konkrete Vorstellungen, wie der Rücksendeprozess gestaltet sein soll. Ein häufiger Grund für Unzufriedenheit stellt für viele Kunden den Aufwand dar, um die Ware zurückzuschicken (18 Prozent), aber noch störender sind die Kosten, wenn Kunden selbst für eine Rücksendung bezahlen müssen (26 Prozent). Weitere 16 Prozent hatten Schwierigkeiten, überhaupt Informationen über die Rückgabemöglichkeiten zu finden und 10 Prozent sind frustriert, weil sie die online gekaufte Ware nicht im Laden zurückgeben konnten.

Bei Zalando übrigens, da müssen Kunden keine Retourenscheine ausdrucken, die liegen im Paket. Das macht Kunden zufriedener. Beleg: Gegenüber einer Kontrollgruppe sorgen die Kunden, die den Retourenschein nicht erst noch ausdrucken müssen, für mehr Bestellungen (plus 12 Prozent) und einen um 9 Prozent höheren Customer Lifetime Value.

Was Online-Kunden auf die Palme bringt


Zalando-Boss Moritz Hau zählt auch zu den Referenten beim Branchenkongress etailment 2.015 am 11. und 12. November im supermodernen Kap Europa in Frankfurt.

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Martin
    Erstellt 16. Juni 2015 16:17 | Permanent-Link

    Der aufgeweckte Kunde hat mittlerweile auch festgestellt, dass er für seine vermurkste Bestellung (z.B. Artikel gefällt nicht oder 5 ähnliche Artikel bestellt aber nur einen behalten) Verantwortung übernehmen muss. Dies äußert sich nun mal dadurch, dass er Kosten für d. Rücktransport hat und einen gewissen logistischen Aufwand betreiben muss. Da verwundert einen das Ergebnis der Studie überhaupt nicht.

    Der Einzelhandel hat mit Sicherheit schon andere Tiefen verkraftet, als ein paar unsichere Kunden. Wer ernsthaft bestellt sollte sich die Zeit nehmen, vor Bestellung ausgiebig über sein Produkt nachzudenken. Ein Großteil solcher Widerrufe sind mit Sicherheit absolut vermeidbar. Und wer sich Produktvielfalt und attraktive Preise auch im Online-Geschäft erhalten möchte, sollte um so mehr seine Bestellung prüfen bevor sie raus geschickt wird. Kosten durch Widerrufe entstehen sowieso, würde aber permanent voraus gesetzt werden, dass der (insbesondere kleine) Händler die Kosten trägt, ist mit Sicherheit eine Einschränkung der Produktvielfalt im Internet voraussehbar.

    Für Händler in der Größenordnung wie Zalando ist es sicherlich eine interessante Studie - das Retourenmanagement hat eine andere Dimension - aber bei kleinen bis mittelgroßen Händlern wäre es wohl eher wünschenswert, wenn sich langfristig das Kaufverhalten der Kunden ändern würde.

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