Echo & Alexa - Amazon bereitet die nächste Revolution im Shopping vor

Von Stephan Lamprecht | 16. März 2016 | 1 Kommentar Kommentieren

Google tut es, Panasonic macht es und Amazon auch: Mit riesigen Schritten bereiten Technologiekonzerne das "Smart Home" vor. Und im Internet der Dinge wird sich auch das Einkaufsverhalten ändern. Die Vision des automatisierten Einkaufens nimmt langsam Gestalt an.

Echo - Amazon bereitet die nächste Revolution im Shopping vor


Panasonic hat kürzlich eine Kooperation für seine Smart-Home-Lösungen mit dem Versicherer Allianz angekündigt. Stellen die intelligenten Sensoren, die sich einfach per WLAN in das Netz integrieren lassen, eine Störung fest (Wasserschaden, Glasbruch usw.) wird nicht nur der Nutzer per App informiert, sondern gleichzeitig das Service-Center der Allianz alarmiert, das rund um die Uhr besetzt ist. Ist der Nutzer nicht daheim, werden Handwerker oder Sicherheitsdienste informiert, die dann anstelle der Bewohner nachsehen, was los ist und die Störung beheben.

Als das Unternehmen Nest Labs für viel Geld von Google übernommen wurde, werden sich nicht wenige Analysten gefragt haben, was der Konzern damit denn will. Rauchmelder und Thermostate bilden ja nicht gerade das Kerngeschäft des Suchmaschinen- und Mediaunternehmens. Nur die wenigsten Anwender von Nest werden sich wohl bewusst machen, welche Informationen sie im Internet der Dinge tatsächlich von sich preisgeben. Allein durch die Programmierung der Heizung per App liefern die Nutzer schon einmal Anwesenheitsprofile. Um ein einfaches Beispiel zu liefern: Fasst man solche Daten in großen Stückzahlen zusammen, ergibt sich vielleicht ein völlig anderes Bild von dem, was "Prime Time" im TV ist.

Es geht um die Schaffung von Plattformen - Amazon geht vorneweg

Die Köder für die Nutzer sind Komfort und Bequemlichkeit. Alles, was da gerade entwickelt wird, macht das Leben ein bisschen angenehmer. Abgesehen natürlich vom "Wow-Effekt", dem Erstaunen, das smarte technische Lösungen nach wie vor auslösen. Und der Preis für das Plus an Komfort ist höher als der, der im Onlineshop bezahlt wird.

Es sind die Daten und Informationen, die sich nach Herzenslust analysieren lassen. Die Daten, die dann die Basis dafür bilden, dem Kunden Produkte optimiert für seine Gewohnheiten und zu perfekten Zeitpunkten anbieten zu können. Die einen bezeichnen dies gern als "Schaffung von Ökosystemen", für die anderen ist es schlicht eine Plattform des Anbieters im Heim des Kunden, mit dem Versuch, über Lock-in-Effekte im Leben des Anwenders unentbehrlich zu werden. Dort wo Google oder Apple es sich in den vier Wänden des Nutzers eingerichtet haben, hat es Amazon schwer und umgekehrt.

Denn Amazon spielt beim Internet der Dinge und dem Smart Home ganz vorn mit. Zur Strategie des Unternehmens gehörte schon immer, das Einkaufen etwas bequemer und smarter zu machen. Zunächst in der Ausweitung des Sortiments (von Büchern zum Markt(platz) der fast unbegrenzten Möglichkeiten), der Einführung von Prime und den damit verbundenen Vorteilen und schließlich mit dem Dash-Button, der das Einkaufen mit einem Fingertipp ermöglicht. Das eher unscheinbare Ding, das den unbedarften Kunden auf den ersten Blick vielleicht ratlos zurücklässt, unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von anderen Ansätzen. Es kommt nämlich ohne App aus.

Einkaufen so einfach wie Wasser aus dem Hahn zapfen. Ganz ohne störendes zusätzliches Device.

Der konsequente nächste Schritt - Amazon Echo

Echo - Amazon bereitet die nächste Revolution im Shopping vor
Auf den ersten Blick ist der Amazon Echo erst einmal nichts anderes als eine Kombination aus einem Lautsprecher mit eingebauten Mikrofon. Klar, kann der Sprachsteuerungs-Lautsprecher dann auch Musikstücke aus der Prime Mediathek seiner Besitzer abspielen. Aber Amazon wäre nicht Amazon, wenn es nicht hier etwas Besonderes eingebaut hätte. Denn Echo ist mit Alexa verknüpft.

Ein Unternehmen, das ursprünglich mal so etwas wie eine Alternative zu Google sein wollte, sich dann auf Rankings fokussierte, aber inzwischen die Marke für "High Tech made by Amazon" ist. Was Cortana für Microsoft und Siri für Apple, das ist Alexa für Amazon. Denn das Mikrofon des Echos wartet ständig auf Spracheingaben seiner Nutzer. Über die Spracherkennung können Erinnerung hinterlegt, Wetterinformationen abgerufen, die Wiedergabe von Audio- und Video-Dateien gestartet, aber eben auch eingekauft werden. Mit ein paar Worten ein Produkt auf die Einkaufsliste setzen oder direkt bestellen, ohne ein anderes Gerät in die Hand zu nehmen.

Amazon löst mit dem Echo das Versprechen nach smarten Lösungen besser ein, als Microsoft, Apple & Co. Der Griff zum Smartphone wird überflüssig.

Die Revolution hat im Sommer 2015 begonnen

Im Sommer 2015 verkündete Amazon gleich zwei Neuigkeiten. Zum einen wurde für Entwickler die Programmierschnittstelle (API) für Alexa freigegeben und ein Software-Development-Kit (SDK) vorgestellt. Damit kann die Spracherkennung in eigenen Anwendungen und eigenen Projekten genutzt werden. Gleichzeitig wurde ein Finanzierungsprogramm aufgelegt, aus dessen 100 Millionen Dollar Unternehmen und Apps gefördert werden sollen, die Alexa integrieren. Beispielsweise auch im Auto.

Echo - Amazon bereitet die nächste Revolution im Shopping vor
Amazon geht es weniger darum, Wetterinformationen und Erinnerungen im Auto abrufen zu können. Interessant ist natürlich, dass der Fahrer dann auch von unterwegs Dinge bestellen kann.

Noch sehr viel interessanter sind die weitergehenden technischen Möglichkeiten, die sich aus der Nutzung der hinter dem Echo stehenden Technologie ergeben. Denn durch die Integration von Alexa in Bausteine des Smart Home, verbreitert das Unternehmen seine Plattform in den Haushalten.

Da verwundert es kaum, dass beispielsweise ein Entwickler im Bereich von smarten Küchen gefördert wird. Statt Dash Buttons am Kühlschrank zu benutzen, ist der Weg zur automatischen Bestellung neuer Lebensmittel nicht mehr fern. Und man muss nicht lange raten, wer diese Waren beliefern wird. Schon jetzt kann eine Wasserkanne von Brita, Vorzeige-Produkte des Dash Replenishment System von Amazon, ihre Filter selbst bestellen und ordert dank Wifi-Anbindung automatisch Nachschub bei Amazon.com.

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Der Kunde möchte einen leckeren Braten zubereiten? Mit dem Echo kann er nach Rezepten suchen, die Schnittstelle zur Warenüberwachung in der Küche stellt die noch benötigten Zutaten fest und kümmert sich um die Bestellung. Und wenn die Ware unterwegs ist, informiert der Echo die Bewohner und heizt vielleicht bereits den Ofen vor. Domino`s Pizza zeigte in den USA gerade schon mal wie man seine Pizza auch über den Sprachsteuerungs-Lautsprecher Amazon Echo bestellen kann.

Noch ist das kleine Gerät nur in den USA zu bekommen. Das ist für Amazon aber nicht untypisch. Viele Produkte wie zum Beispiel das Fire TV wurden erst nach langen Testphasen in Europa ausgerollt. Strategisch und technologisch hat der Echo aber das Potenzial, den E-Commerce und Handel erneut kräftigst durchzumischen.

Und da geht noch so einiges andere: Amazon stattet das Angebot rund um den Sprachsteuerungs-Lautsprecher  und den Sprachassistenten Alexa nun mit einer Bezahlfunktion aus. Partner ist dabei das Finanzunternehmen Capital One. Damit kann man dann per Spracheingabe seine Rechnungen überweisen.


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Thema: Technologie

Schlagworte: Amazon, Smart Home

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 21. März 2016 13:54 | Permanent-Link

    Das ist dann quasi der Einkaufs- und Berater-Assistent im Wohnzimmer. Interessant, dass gerade auch Alibaba auf diesen Zug aufgesprungen ist und sich sehr wahrscheinlich demnächst ein Kopf an Kopf-Rennen mit Amazon liefert was die Technologie und Service angeht. Wenn man den Zahlen glaubt, verkauft sich Echo gerade wie geschnitten Brot - die Nachfrage sollte also zumindest jetzt schon vorhanden sein und dementsprechend das Ganze sehr zeitnah erfolgreich werden.

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