Spryker: Die wichtigsten Antworten zur hippen Software

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 6. Januar 2015 |

Spryker: Die wichtigsten Antworten zur hippen Software
Grafik: Spryker
Mit Spryker hat Project A Ventures vor wenigen Wochen ein E-Commerce-Framework präsentiert, das gleich mächtig viel Bohei und berechtigtes Interesse auslöste, weil es Trennung von Front- und Backend auf das Schild hob. Auf den ersten Blick eine tolle Sache. Aber auch auf den zweiten Blick? Antworten auf die wichtigen Fragen.

Wer steckt dahinter?

Mit Spryker Systems, also dem Venture hinter der Software, machen der Berliner Company Builder und Investor Project A Ventures sowie der Gründer des Beratungsunternehmens eTribes Connect, Alexander Graf und Nils Seebach, gemeinsame Sache. Kern des im November 2014 gegründeten Unternehmens ist das modulare Commerce-Framework Spryker.
Spryker ist die Weiterentwicklung des Yves & Zed-Systems von Project A Ventures für die Ansprüche des Kundenmarkts. Das  Framework nutzt weiterhin die Bezeichnung Yves (Frontend) und Zed (Backend). 
Herzstück der Software Spryker ist der modulare Ansatz, der von Fabian Wesner und Florian Heinemann bei Project A für hauseigene Portfolio-Unternehmen entwickelt und ausgebaut wurde. Leitgedanke: Neue Qualitäten für digitale Geschäftsmodelle erschließen. "Als Produkt für Entwickler, handeltreibende Unternehmen und Agenturen soll Spryker Datenintelligenz und Marketingwissen erschließen und die erste Experten-Software im deutschen Enterprise-Markt stellen", formuliert es die Selbstbeschreibung. Klingt toll. Aber was heißt das?

Spryker: Die wichtigsten Antworten zur hippen Software
Grafik: Spryker


Welche Problemlösung stand bei der Entwicklung von Spryker an erster Stelle?

Immer mehr, immer besser, immer doller. So will es der Kunde, so muss es die Software können. Die Folge: Individuelle und technisch anspruchsvolle E-Commerce-Geschäftsmodelle lassen sich mit Standardsystemen nur noch unter großem Aufwand umsetzen. Insbesondere Weiterentwicklungskosten nach dem Launch, bedingt durch eine monolithische Systemarchitektur, bremsen Effizienz und Produktivität vielfach aus. Dort setzt Spryker an. Denn kompatibel ist im Prinzip alles, doch Händler können ein Lied davon singen, welche Hürden manchmal selbst bei kleinen Funktionen genommen werden müssen. Spryker verspricht dagegen einen extrem schlank Aufbau und will die “total costs of ownership” radkial senken, auch weil sich umsatzsteigernde Maßnahmen schneller implementieren lassen

Wo ist der Vorteil von Spryker, wenn man nicht ohnehin ein Team von Entwicklern hat?

Simpel gesagt ist Spryker als Framework eine Art Rohbau in dem man dann drinnen alles selbst verlegt und tapeziert. Doch anders als ein Rohbau beim Hausbau bringt Spryker bereits eine sehr ausgereifte und über eine Vielzahl an Projekten entwickelte Architektur mit sich.
Alexander Graf kann das viel besser erklären: "Das Grundgerüst beinhaltet Konzepte für Treppen, Fenster, Fahrstühle und Terrassen. Wenn man es mit dem Hausbau vergleicht, dann sind Standardsysteme vergleichbar mit Fertighäusern. Heute versuchen Online-Unternehmen aus diesen Fertighäusern Kirchen und Opernhäuser zu bauen oder manchmal sogar Fußballstadien. Das Konzept eines Fertighauses ist für solche Umbauten nicht gedacht.  Wir bringen einen stabilen Rohbau mit, der flexibel genug ist, um Kirchen, Opern und Flughäfen zu bauen, allerdings muss man nicht mehr jedes einzelne Teil selbst anfertigen – und unnützen Ballast mitnehmen. Wozu braucht ein Flughafen schon einen Gartenzaun? Es klingt banal, aber ein Standardsystem beinhaltet ca. 20 Gartenzaunvarianten, die beim Flughafenbau erst einmal abgebaut werden müssen".

Wie steht es bei Spryker um die Integration von WaWi, PIM, etc?

Spryker haben Praktiker "zusammengefummelt". Sie wissen; Eine E-Commerce-Lösung als autarkes, unabhängiges System zu betrachten, kann nicht funktionieren, es muss sich nahtlos in die bestehende Systemlandschaft und Prozesse einfügen. Wenn also das PIM-System das beste zur Artikelstammdatenverwaltung ist, dann sollte auch dieses System das führende sein und nicht in Konkurrenz zu der entsprechenden Komponente im Spryker-System stehen. Für die Integration von Drittsystemen, von der Bestandsverwaltung über E-Mails bis hin zur FiBu, stellt Spryker eine Workflow-Engine bereit, mit der sich beispielsweise alle Bestandteile eines Debitorenmanagements orchestrieren lassen.

Spryker setzt auf Modularität: Jedes Unternehmen soll seine besten Features
selbst formen. Werbesprech oder Feature?

Eine Binse: Jeder Onliner tickt anders, hat beispielsweise eigene Anforderungen an den Aufbau des Katalogsystems. Andere Unternehmen könnten besondere Anforderungen an das CMS haben und das integrierte CMS austauschen wollen. In Spryker lassen sich diese Anforderungen sauber umsetzen. Einzelfälle würden dabei nicht in das Core-System eingebaut, weil es 99 Prozent der anderen Spryker-Anwendungen nicht betrifft und das System dadurch nur träge wird.

Wer ist die Zielgruppe?

Für jedermann ist Spryker dann doch nicht. Sondern eher für Unternehmen, die einen wirklich agilen Ansatz haben oder ihn schon suchen, und die ein gutes technologisches Know-How mitbringen, um die Plattform agil zu halten. Das kann ein kleiner Spezialshop sein mit vier internen Entwicklern, die an einem Standardsystem verzweifeln, aber auch ein großer Pure Player, der mit seiner Eigenentwicklung nun an die Grenzen der Produktivität gekommen ist. Die Rückmeldungen, so heißt es bei Spryker, seien schon in den ersten Wochen extrem vielversprechend. "Entgegen unserer eher konservativen Vermutung, dass dieser Markt ein paar hundert Projekte im Jahr im DACH-Bereich verspricht, gehen wir heute schon von einer deutlich höheren Anzahl aus. Alleine die Anfragen von Konzernen, Mittelständlern und Pure Playern, die bei uns eingetroffen sind, haben unsere Erwartungen bei weitem übertroffen", sagt Alexander Graf.

Spryker: Die wichtigsten Antworten zur hippen Software
Grafik: Spryker


Ab welchem Umsatz ist das System sinnvoll?

Beispielrechnungen zeigen, dass Spryker als Modell ab einem siebenstelligen Online-Umsatz spannend wird.

Gegen wen tritt Spryker an?

Spryker bildet als Framework eine neue Kategorie in der Shopsystem-Welt ab. Es mit bestehenden Systemen wie Magento oder Hybris zu vergleichen, ist daher schwierig. Spryker spielt eher in dem Feld zwischen der “Make or Buy”-Entscheidung. Für die meisten Eigenentwickler wird Spryker hochrelevant sein, weil es die Zeit zum Launch verkürzt sowie die technischen und personellen Risiken einer Eigenentwicklung beseitigt. Im “Buy”-Bereich tritt es an für viele Enterprise-Projekte, die eigentlich eine agile Architektur brauchen, aber bisher nichts Geeignetes finden konnten.

Wo arbeitet Spryker schon im Livebetrieb?

Die technische Basis ist in diversen Venture-Projekten bei Rocket Internet und Project A aktiv. Angefangen bei Dafiti in Brasilien über die B2B-Plattform Contorion in Deutschland und bei Tirendo.de.

Wie steht es um die Kosten?

Spryker wirbt mit einem einfachen Gebühren-Modell und wird pro Kundenlizenz und Jahr 100.000 Euro kosten, unabhängig von Variablen wie Umsatz. Der Preis beinhaltet weiterführende Supportleistungen des Spryker-Teams, um die Kundenprojekte im Livebetrieb erfolgreicher zu machen.

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Thema: Technologie

Schlagworte: Software

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