Wie Zalando und Otto gegen Retouren kämpfen

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 14. April 2014 |

Kosten sparen, überleben gar, das kann gerade in der Modebranche von jedem halben Prozentpunkt abhängen, den ein Onlinehändler bei den Retouren einspart. So glaubt man beispielsweise bei Asos, dass ein Prozent weniger Retouren 10 Millionen Pfund einsparen kann. Neue Technik soll da helfen. Allen voran Otto und Zalando testen jeden Daten-Strohhalm und jeden Software-Rettungsring. Darunter sind auch einige vielversprechende Lösungen.

Hilfe tut auch dringend not. Mehr als die Hälfte der befragten Händler wollen laut einer Studie des Branchenverbands bevh in Kooperation mit der Deutschen Post auch nach der neuen EU-Richtlinie, der sogenannten 40-Euro-Regelung, keine Retourenkosten an Verbraucher weitergeben, die restlichen Händler haben noch keine finale Entscheidung getroffen.
Wie Zalando und Otto gegen Retouren kämpfen
Sproov nimmt Kleidungsstücke des Kunden als Referenz


Als einer der vielversprechendsten und am weitesten verbreiteten Helferlein gilt mittlerweile UPcload, das unter anderem bei Otto und Zalando eingesetzt wird.

Das deutsche Start-up, das anfangs auf eine handelsübliche CD und Webcam zum Maßnehmen setzte, hat das System inzwischen deutlich vereinfacht. In einem zusätzlichen Fenster gibt der Kunde Körpergröße, Gewicht, Alter und den Körperbau bildorientiert ein und bekommt dann den passenden Größenvorschlag. Das System merkt sich die Größe auch für spätere Einkäufe. 
Zalando bietet die Option gegenwärtig in Teil-Sortimenten.

Wie Zalando und Otto gegen Retouren kämpfen


Zusammen mit dem Start-up Metail testete Zalando auch Avatare, die sich der Körperform anpassen lassen und so eine virtuelle Anprobe anhand eines Körpermodells ermöglichen. Zalando-Ableger Dafiti scheint damit zufrieden genug zu sein, um sich als Referenz für Metail anzubieten: "We have established that customers using MeModels on our site, buy and retain 6% more products than customers who don’t use the technology." 




Gleich 50% weniger Retouren verspricht das Berliner Start-up Sproov, dessen Lösungen an Upcload erinnert. Allerdings wählt der Kunde hier zwei eigene Kleidungsstücke als Empfehlungsbasis aus. Auf Basis von Marke, Model & Größe erstellt Sproov dann auf den Kunden zugeschnittene Beziehungen zwischen Kleidergrößen und Passformen unterschiedlicher Marken und Modelle.

Noch nicht so richtig durchgesetzt hat sich trotz diverser Test - auch bei Zalando - die Software Shoefitr.  Dabei wird ein eigener Schuh und dessen Größe mit dem neuen Wunschschuh verglichen und ein Größenvorschlag samt Aussagen zur Passgenauigkeit erstellt.

Angesichts geradezu babylonischer Größenverwirrung unter den Modeherstellern, die noch dazu jede Saison mit neuen Definitionen bei Größen und Schnitten überraschen, dürfte es ohnehin dauern bis sich die Lösungen Sortimentsübergreifend einsetzen lassen und die aktuelle Anpassung der Größen nicht mehr einem Datenwust in einem Augias-Stall gleicht.   

Man kann aber natürlich Kosten auch bei einem anderen Glied der Retourenkette sparen. Deshalb baut Amazon seine Paketstationen derzeit zu Retouren-Schließfächern aus. An Tankstellen, Einkaufszentren und in Tiefgaragen bieten die Paketstationen von Amazon eine Rückgabe-Option. Für den Zugang zum Retouren-Schließfach holen sich die Kunden online einen passenden Code ab. Das dürfte bei der Abwicklung Zeit sparen. Und das kann bei Retouren ebenfalls bares Geld sparen.

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Thema: Tools

Schlagworte: Logistik, Retouren

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