Techniker überwacht automatisierten Roboterarm in modernem KI-gestütztem Reifenlager
© Black Forest Labs / Flux

Delticom setzt neben Reifen auch auf Künstliche Intelligenz

Der Online-Reifenhändler Delticom will sich zu einer automatisierten, KI-gestützten Serviceplattform wandeln, meldet Reifenpresse.de. Auf der Hauptversammlung habe das Unternehmen, das Shops wie Reifendirekt und Autoreifenonline betreibt, Bilanz für 2025 gezogen: Der Umsatz sei mit 483,7 Mio. Euro nur um 0,4 Prozent über den Vorjahreswert geklettert, das Ebitda sei um 11,4 Prozent auf 20,1 Mio. Euro gesunken. Beim Jahresergebnis verzeichne Delticom ein Plus von zweieinhalb Prozent auf 4,1 Mio. Euro.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
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Delticom setzt auf KI: Online-Reifenhändler will zur digitalen Serviceplattform werden

Der Online-Reifenhändler Delticom will sein Geschäftsmodell grundlegend weiterentwickeln und sich zu einer automatisierten, KI-gestützten Serviceplattform wandeln. Das Unternehmen betreibt bekannte Onlineshops wie Reifendirekt und Autoreifenonline und gehört seit vielen Jahren zu den etablierten Anbietern im europäischen Online-Reifenhandel.

Die geplante Transformation zeigt, wie stark Künstliche Intelligenz den E-Commerce verändert. Statt ausschließlich Reifen und weiteres Autozubehör über digitale Vertriebskanäle zu verkaufen, will Delticom Prozesse stärker automatisieren und datenbasierte Services ausbauen. Ziel dürfte es sein, Kunden individueller anzusprechen, interne Abläufe effizienter zu gestalten und digitale Angebote besser miteinander zu verknüpfen.

Weitere Hintergründe zur strategischen Neuausrichtung bietet der aktuelle etailment-Beitrag „Delticom setzt neben Reifen auch auf Künstliche Intelligenz“.

Delticom steigert den Umsatz 2025 nur leicht

Auf der Hauptversammlung zog das Unternehmen Bilanz für das Geschäftsjahr 2025. Der Umsatz von Delticom erhöhte sich demnach um 0,4 Prozent auf 483,7 Millionen Euro. Damit konnte der Online-Reifenhändler seinen Umsatz zwar leicht steigern, das Wachstum blieb jedoch überschaubar.

Beim operativen Ergebnis musste das Unternehmen einen Rückgang hinnehmen. Das Ebitda sank um 11,4 Prozent auf 20,1 Millionen Euro. Gleichzeitig verbesserte sich das Jahresergebnis um 2,5 Prozent auf 4,1 Millionen Euro.

Die Zahlen verdeutlichen, vor welchen Herausforderungen etablierte Onlinehändler stehen. Steigende Kosten, intensiver Wettbewerb und veränderte Erwartungen der Kunden erhöhen den Druck, Prozesse effizienter zu gestalten und zusätzliche digitale Dienstleistungen zu entwickeln.

Die geplante KI-Strategie könnte deshalb nicht nur technologische Vorteile bringen, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Profitabilität leisten.

KI soll Prozesse automatisieren und den Kundenservice verbessern

Eine KI-gestützte Serviceplattform kann verschiedene Bereiche eines Handelsunternehmens miteinander verbinden. Denkbar sind automatisierte Produktempfehlungen, intelligentere Suchfunktionen, personalisierte Kundenansprache und eine schnellere Bearbeitung von Serviceanfragen.

Auch bei der Auswahl passender Reifen können KI-Systeme eine größere Rolle übernehmen. Kunden benötigen häufig Unterstützung bei Fragen zu Reifengröße, Fahrzeugtyp, Saison, Fahreigenschaften oder gesetzlichen Anforderungen. Eine digitale Beratung könnte vorhandene Produktdaten mit Fahrzeug- und Kundeninformationen verbinden und schneller passende Angebote vorschlagen.

Gleichzeitig lassen sich wiederkehrende Prozesse automatisieren. Dazu gehören beispielsweise die Bearbeitung einfacher Kundenanfragen, die Analyse von Bestellungen oder die Steuerung digitaler Marketingmaßnahmen.

Dass Unternehmen KI zunehmend nicht nur als einzelnes Werkzeug, sondern als Bestandteil umfassender Geschäftsmodelle betrachten, zeigt auch das aktuelle etailment-Interview „Wer früh mit KI die Wertschöpfung erhöht, setzt sich entscheidend vom Wettbewerb ab“. Entscheidend ist demnach nicht allein der Einsatz einzelner KI-Anwendungen. Größeres Potenzial entsteht, wenn Daten, Prozesse und automatisierte Systeme miteinander verbunden werden.

Vom Reifen-Onlineshop zur digitalen Plattform

Mit dem geplanten Wandel könnte Delticom sein Geschäftsmodell über den klassischen Produktverkauf hinaus erweitern. Eine digitale Plattform kann zusätzliche Dienstleistungen bündeln und Kunden während verschiedener Phasen begleiten – von der Suche nach dem passenden Reifen über die Bestellung bis hin zu Service- und Montageangeboten.

Der Plattformgedanke ist für viele Onlinehändler interessant. Statt Kunden lediglich einzelne Produkte anzubieten, entstehen vernetzte digitale Angebote, die Beratung, Handel und Dienstleistungen miteinander verbinden.

Für Delticom könnte die Nutzung von KI dabei helfen, vorhandene Daten aus verschiedenen Onlineshops effizienter einzusetzen. Erkenntnisse aus Suchanfragen, Bestellungen und Kundenkontakten könnten genutzt werden, um Angebote zu personalisieren und zukünftige Nachfrage besser einzuschätzen.

Auch im Bestandsmanagement könnte Künstliche Intelligenz Vorteile bieten. Reifen sind saisonabhängige Produkte, deren Nachfrage stark vom Wetter, von regionalen Bedingungen und gesetzlichen Vorgaben beeinflusst wird. Datenbasierte Prognosen könnten dazu beitragen, Lagerbestände präziser zu planen und Produkte besser verfügbar zu machen.

Automatisierung wird zum Wettbewerbsfaktor im E-Commerce

Delticoms Pläne stehen für einen größeren Trend im Onlinehandel. Viele Händler prüfen derzeit, wie sich KI und Automatisierung nutzen lassen, um Kosten zu reduzieren, Prozesse zu beschleunigen und das Kundenerlebnis zu verbessern.

Dabei reicht es häufig nicht aus, lediglich einen Chatbot oder einen Textgenerator einzusetzen. Unternehmen müssen klären, wie KI-Anwendungen mit vorhandenen Produktdaten, Warenwirtschaftssystemen, Kundeninformationen und digitalen Vertriebskanälen zusammenarbeiten.

Besonders interessant werden autonome Systeme, die nicht nur Informationen bereitstellen, sondern eigenständig Prozesse anstoßen und Entscheidungen vorbereiten. Mit dieser Entwicklung beschäftigt sich etailment auch im Beitrag „Agentic Commerce: Wer künftig die Kaufentscheidungen trifft“.

Für Onlinehändler entstehen dadurch neue Möglichkeiten. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datenqualität, technische Schnittstellen und die Kontrolle automatisierter Entscheidungen.

Delticom steht vor einer langfristigen Transformation

Die Entwicklung zur KI-gestützten Serviceplattform dürfte nicht nur einzelne Bereiche des Unternehmens verändern. Sie könnte Auswirkungen auf Kundenservice, Marketing, Produktempfehlungen, Logistik und interne Prozesse haben.

Ob die geplanten Maßnahmen das Wachstum beschleunigen und die Profitabilität verbessern, wird sich erst langfristig zeigen. Die Geschäftszahlen für 2025 verdeutlichen jedoch, warum Delticom neue Wege sucht: Während der Umsatz nahezu stabil blieb, ging das operative Ergebnis zurück.

Mit dem stärkeren Einsatz von KI könnte der Betreiber von Reifendirekt und Autoreifenonline seine bestehenden digitalen Angebote erweitern und zusätzliche Effizienzpotenziale erschließen.

Der Wandel vom klassischen Online-Reifenhändler zur automatisierten Serviceplattform zeigt, dass Künstliche Intelligenz zunehmend zum strategischen Bestandteil des E-Commerce wird. Für Delticom könnte die Technologie künftig nicht nur Prozesse beschleunigen, sondern auch neue digitale Dienstleistungen und Geschäftsmodelle ermöglichen.

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David Wöllenstein
Geschrieben vonDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

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