Kundin schließt Einkauf mobil per Smartphone am Self-Checkout-Terminal ab
© Black Forest Labs / Flux

Sechs Wege zum mobilen Verkauf

Mobile Commerce zerfällt in sechs Kanäle mit jeweils eigenen Bruchstellen zwischen Interesse und Kaufabschluss, zitiert Retail-News.de eine ECDB-Analyse. Weltweit legten zwar 11,18 Prozent der Onlinebesucher Artikel in den Warenkorb, aber nur 2,68 Prozent schlössen den Kauf tatsächlich ab; die Abbruchquoten reichten von 66,7 Prozent bei Edelmetallen bis zu 83,8 Prozent bei Möbeln. Die Analyse empfehle Ein-Klick-Zahlungen im Checkout und exklusive Mehrwerte bei Benutzung der Händler-App.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
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Mobile Commerce wird vielfältiger – und anspruchsvoller

Mobile Commerce ist nicht mehr auf den Einkauf über eine für Smartphones optimierte Website beschränkt. Nach einer ECDB-Analyse, über die Retail-News.de berichtet, verteilen sich mobile Kaufprozesse inzwischen auf mindestens sechs Kanäle: mobile Websites, native Händler-Apps, Käufe in sozialen Netzwerken, Mobile Wallets und Ein-Klick-Zahlungen, QR- beziehungsweise Scan-to-Buy-Lösungen sowie Käufe, die durch Push-Nachrichten oder SMS angestoßen werden. Für Händler entsteht daraus keine einheitliche Mobilstrategie, sondern ein System aus unterschiedlichen Nutzungssituationen mit jeweils eigenen Anforderungen.

Die zentrale Herausforderung liegt im Übergang vom Interesse zum Kaufabschluss. Weltweit legen laut ECDB zwar 11,18 Prozent der Onlinebesucher einen Artikel in den Warenkorb, doch nur 2,68 Prozent schließen den Kauf tatsächlich ab. Auf Smartphones verschärfen kleine Displays, längere Formulare und die manuelle Eingabe von Zahlungsdaten diese Lücke zusätzlich. Die Abbruchquoten variieren stark nach Produktgruppe: Sie reichen von 66,7 Prozent bei Edelmetallen bis 83,8 Prozent bei Möbeln und Haushaltswaren.

Besonders anfällig sind Kategorien, in denen Verbraucher vor dem Kauf Produkte, Anbieter und Preise intensiv vergleichen. Was am Desktop über mehrere Fenster vergleichsweise komfortabel funktioniert, erzeugt auf dem Smartphone zusätzliche Reibung. Im mobilen E-Commerce entscheidet daher nicht allein die Reichweite eines Kanals, sondern vor allem die Fähigkeit, Such-, Entscheidungs- und Bezahlprozesse möglichst nahtlos miteinander zu verbinden.

Checkout, App und Kundenbindung gezielt ausrichten

ECDB empfiehlt Händlern, Maßnahmen konsequent an der jeweiligen Nutzungssituation auszurichten. Im Checkout sollten sie die Zahl notwendiger Schritte reduzieren und, sofern möglich, Ein-Klick-Zahlungen anbieten. Damit entfällt insbesondere die umständliche Eingabe von Kartendaten. Mobile Wallets und vereinfachte Payment-Prozesse können helfen, die Bruchstelle zwischen Warenkorb und Kaufabschluss zu verkleinern.

Eine Händler-App muss dagegen mehr leisten als eine mobile Website. Sie richtet sich stärker an Stammkunden und braucht einen klaren Zusatznutzen: exklusive Angebote, früheren Zugang zu Produkten, Bonuspunkte oder spezielle Mitgliederpreise. Push-Nachrichten eignen sich vor allem für wiederkehrende Käufe, etwa als Hinweis auf erneut verfügbare Produkte oder benötigte Verbrauchsartikel. Im stationären Handel können QR- und Scan-to-Buy-Funktionen die Brücke zwischen Regal, Produktinformation und mobilem Checkout schlagen.

Social Commerce wird zur eigenen Vertriebsstruktur

Wie weit sich Mobile Commerce von klassischen Onlineshops entfernt, zeigen chinesische Plattformen wie Douyin und Kwaixiaodian von Kuaishou. Sie haben große E-Commerce-Geschäfte innerhalb mobiler, videobasierter Umgebungen aufgebaut. Für Douyin nennt ECDB ein Gross Merchandise Volume von 592,1 Milliarden US-Dollar; Umsätze der Schwesterplattform TikTok Shop sind darin nicht enthalten.

Das Modell verlagert den Kauf dorthin, wo Nutzer bereits Inhalte konsumieren. Produkte können direkt aus Videos, Livestreams oder anderen In-App-Formaten heraus gekauft werden. Damit entwickelt sich Social Commerce vom ergänzenden Marketingkanal zu einer eigenständigen Vertriebsstruktur. Auch KI könnte mobile Kaufprozesse weiter verkürzen, etwa durch Einkaufsassistenten, die Produktfragen im Dialog beantworten. Entscheidend bleibt jedoch: Jeder mobile Kanal braucht eine klare Funktion – und möglichst wenige Hürden bis zum Abschluss.

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David Wöllenstein
Geschrieben vonDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

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