Foto: Mann prüft Netzwerkkabel an einem Serverrack in einem hellen Rechenzentrum
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Schweizer Web: heimisch gehostet, amerikanisch zertifiziert

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Nur 0,15 Prozent der Sicherheitszertifikate auf .ch-Domains stammen von Schweizer Anbietern, berichtet ITMagazine.ch. Ein Vertrauensentzug aus den USA könne demnach fast das gesamte Schweizer Web lahmlegen. Auf 77,6 Prozent der Domains laufe mindestens ein US-Dienst, jede fünfte Mail-Domain leite an Microsoft oder Google weiter. Selbst beim Hosting bröckle die Bilanz: Gut die Hälfte der Domains liege auf Schweizer Servern, unter Schweizer Kontrolle seien aber nur 42 Prozent.

Eine aktuelle Untersuchung des österreichischen Monitoring-Spezialisten Risikomonitor zeigt, wie abhängig die Schweizer Web-Infrastruktur von ausländischen Anbietern ist. Grundlage sind Daten zu etwas mehr als 2,5 Millionen aktiven .ch-Domains, davon 2,1 Millionen mit IP-Geolokation, ausgewertet bis Ende Juni 2026. Wie ITMagazine.ch berichtet, ist die Schweizer Weblandschaft technisch robust, bei Kontrolle und Abhängigkeiten jedoch deutlich weniger souverän.

Hosting: Schweizer Präsenz mit begrenzter Kontrolle

Auf den ersten Blick wirkt die Hosting-Bilanz solide: 51,7 Prozent aller .ch-Domains laufen auf Servern in der Schweiz. Ein grosser Teil des Rests liegt in Deutschland mit 18,4 Prozent und in den USA mit 17,1 Prozent. Unter Schweizer Kontrolle stehen laut Studie aber nur 42 Prozent der Domains. Ein Grund ist Metanet, das zwar stark im Schweizer Markt vertreten ist, aber einem britischen Unternehmen gehört.

Noch deutlicher wird die Verschiebung beim Blick auf die Server-IPs. Hier liegt die Schweiz mit 21,5 Prozent nur auf Rang drei, hinter den USA mit 29,9 Prozent und Deutschland mit 28,2 Prozent. Die Autoren führen die Schweizer Stärke vor allem darauf zurück, dass heimische Hoster viele Domains auf einzelnen Servern bündeln. Die grössten Anbieter sind Hostpoint mit 281'092 Domains, Infomaniak mit 196'506 und Metanet mit 171'766. Zusammen hosten die drei grössten Anbieter rund 30 Prozent aller Schweizer Domains.

US-Dienste prägen die Anwendungsebene

Die stärksten Abhängigkeiten zeigen sich oberhalb der reinen Hosting-Schicht. Auf 77,6 Prozent der .ch-Domains findet sich mindestens ein US-Dienst, etwa Google Fonts, Cloudflare, AWS oder Wix. Damit sind Funktionen, Ladeprozesse und externe Ressourcen eng mit Anbietern aus den USA verbunden. Bereits das Laden von Google Fonts kann Besucher-IP-Adressen in die USA übertragen; die Studienautoren bewerten dies als datenschutzrechtlich heikel.

Für die digitale Souveränität ist diese Ebene besonders sensibel, weil sie im Alltag weniger sichtbar ist als Hosting oder Domainverwaltung. Die Studie bezeichnet die Technologiebasis deshalb als blinden Fleck der Souveränität. Auch aus Sicht von Datenschutz und Betriebssicherheit entsteht eine Angriffsfläche, die nicht allein über den Standort des Servers beurteilt werden kann.

Zertifikate als kritischer Engpass

Besonders markant ist die Lage bei Sicherheitszertifikaten. Nur 0,15 Prozent der Zertifikate stammen von Schweizer Anbietern. Mehr als 1,8 Millionen Zertifikate liegen überwiegend bei US-Firmen wie Let's Encrypt, DigiCert oder Google Trust Services. Die Autoren beschreiben hier ein mögliches „Kill Switch“-Szenario: Würde das Zertifikatsvertrauen aus den USA politisch oder juristisch entzogen, könnte fast die gesamte Schweizer Weblandschaft ausfallen.

Technisch ist die Verschlüsselung dagegen auf hohem Niveau. 91,5 Prozent der erreichbaren Hosts unterstützen TLS 1.3, nahezu alle TLS 1.2. Die Studie fasst die Lage entsprechend als technisch sauber, aber fremdkontrolliert zusammen. Sicherheit im Betrieb und Souveränität der Kontrolle fallen damit spürbar auseinander.

E-Mail bleibt eine strukturelle Schwachstelle

Auch bei Mail-Diensten ist die Abhängigkeit erheblich. 19,4 Prozent der .ch-Mail-Domains leiten Nachrichten an Microsoft oder Google weiter. Bei knapp 183'000 Mail-Domains laufen die Mails über Microsoft, bei 196'000 über Google Workspace. Risikomonitor bezeichnet E-Mail deshalb als strukturell wichtigste Verwundbarkeit auf Anwendungsebene.

Die Untersuchung macht deutlich, dass die Schweiz beim Hosting noch über substanzielle heimische Anbieter verfügt, in den darüberliegenden Schichten aber stark von US-Konzernen abhängt. Der nächste Prüfpunkt liegt bei Zertifikaten, externen Webdiensten und Mail-Infrastruktur; die Datenbasis der Studie reicht bis Ende Juni 2026.

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