Seit einigen Wochen finden Sie im Morning Briefing die Rubrik "Nachhaltigkeit". Die muss nicht jeden Tag auftauchen, sagten wir uns, wenn es keine Nachrichten gibt, lassen wir sie fort. Was sollen wir sagen? Es GIBT jeden Tag Nachrichten, und spannende dazu. Heute zum Beispiel einen Hinweis auf die Website Carbonfact.co, die für Sneaker-Modelle den CO2-Fußabdruck errechnet. Siehe unten.

///// HANDEL NATIONAL
Bundesgerichtshof bestätigt teilweise Löschung der Marke "Black Friday"
Der Betreiber des Schnäppchenportals Blackfriday.de, Gall Performance Marketing, meldet einen Sieg über diejenigen, die sich den Begriff "Black Friday" als Marke hatten schützen lassen: "Der Bundesgerichtshof hat die Entscheidung des Bundespatentgerichts vom 28. Februar 2020, wonach die Wortmarke 'Black Friday' für die wesentlichen Dienstleistungen des Bereichs 'Werbung' zu löschen ist, vollumfänglich bestätigt. Der Beschluss des Bundespatentgerichts ist somit rechtskräftig und die Marke wird für die betreffenden Dienstleistungen aus dem Register des Deutschen Patent- und Markenamts gelöscht." Gall war zusammen mit Mydealz vor den BGH gezogen und hatte argumentiert, Blackfriday.de sei schon vor der Markenanmeldung aktiv gewesen, was ein so genanntes Freihaltebedürfnis begründet habe. (Aktenzeichen: BGH, I ZB 21/20; BPatG, 30 W [pat] 26/18.)

Führungskräfte im E-Commerce verdienen gut -- jedenfalls relativ
Führungskräfte im deutschen Online-Handel verdienen etwa 87.600 Euro brutto im Jahr, das ist 1,46-mal soviel wie die Fachkräfte dieser Branche (35.700 Euro/Jahr). Mit diesem Wert stehen die E-Commerce-Manager gut da, wie eine Auswertung des zum Jobportal Stepstone gehörenden Dienstleisters Gehalt.de zeigt: Insgesamt nämlich kassieren deutsche Führungskräfte mit Personalverantwortung lediglich das 1,3-Fache dessen, was Fachkräfte überwiesen bekommen (96.300 vs. 41.900 Euro/Jahr). Der Vorteil gilt aber nur relativ betrachtet: In anderen Branchen liegt das Vielfache zwar zum Teil deutlich niedriger (Pharma: 1,33-mal, Lebensmittel-Einzelhandel: 1,26-mal, Finanzbranche: 1,15-mal, Autoindustrie: 1,04-mal), die absoluten Gehälter aber teilweise deutlich höher, wie schon der genannte deutschlandweite Wert zeigt. Gehalt.de hat 224.474 Datensätze von Fach- und Führungskräften ausgewertet, die genannten Gehälter sind Mediane, keine Mittelwerte.

Viele Online-Anbieter waren gestern abend offline
Eine Störung im System eines Internet-Dienstleisters, vermutlich Akamai, hat am gestrigen Donnerstag gegen Abend dazu geführt, dass große Websites nicht erreichbar waren, darunter Amazon und UPS. Das berichten mehrere Medien. Akamai postete um 18:47 Uhr deutscher Zeit in einem Twitter-Thread, das Problem sei behoben und habe für etwa eine Stunde zu Ausfällen geführt.

Handel ruft zum Impfen auf
Ein breites Bündnis von Einzelhandelsunternehmen, die meisten davon auch mit Online-Shops vertreten, ruft gemeinsam mit dem Handelsverband Deutschland zur Impfung gegen Covid-19 auf. Das Ziel: "dauerhaft mehr Normalität auch beim Einkaufen zurückerobern". Zu den Aufrufern gehören Otto, Rewe, Edeka, Lidl/Kaufland, Aldi, Metro, Ernsting's Family, Douglas, Ikea, Galeria Karstadt Kaufhof, Media Markt/Saturn, Globetrotter und sowie viele Mittelständler. Der HDE stellt unter anderem Plakate zum Selbstausdruck bereit.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Klarna will Kundenkarten-App Stocard kaufen
Der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna will laut Financefwd.com schon wieder ein Unternehmen übernehmen, diesmal das deutsche Fintech Stocard aus Mannheim, Anbieter einer App zur Kundenkarten-Verwaltung. Die App werde weltweit von rund 60 Mio. Menschen genutzt, so der Bericht, und besitze eine Bezahlfunktion. Financefwd.com schätzt die Kaufsumme auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Delivery Hero hat mehr Zeit für den Verkauf von Yogiyo
Der in Berlin beheimatete Online-Essenslieferdienst Delivery Hero bekommt von den Wettbewerbsbehörde Korea Fair Trade Commission fünf Monate mehr Zeit, um Delivery Hero Korea LLC (“Yogiyo”) loszuwerden. Wie das Unternehmen mitteilt, muss die Veräußerung statt bis zum 2. August 2021 jetzt bis zum 2. Januar 2022 über die Bühne sein. Der Verkauf ist Bedingung für die Genehmigung, Anteile am koreanischen Unternehmen Woowa Brothers Corp. zu kaufen und ein Joint-venture mit dem Management zu gründen. Die Verhandlungen zu Yogiyo seien im Gange.

Vegan-Marktplatz Immaculate Vegan schließt erste Finanzierungsrunde ab
"Jedes einzelne Produkt auf unserer Website ist vegan": Das ist das Motto des britischen Marktplatzes Immaculate Vegan, der Mode, Schuhe, Haushaltstextilien, Kosmetik und Accessoires von rund 100 Marken verkauft. Das 2019 gegründete Unternehmen hat seine erste Finanzierungsrunde abgeschlossen und 400.000 britische Pfund (etwa 470.000 Euro) erhalten, meldet Fashionunited.com. Sie sollen in die Weiterentwicklung der Plattform und in Marketingkampagnen fließen.

US-Institut bezeichnet Amazon als Überwachungs-Unternehmen
"Amazon ist in erster Linie ein Überwachungsunternehmen": So zitiert Channelparter.de den Autor eines Berichts des US-amerikanischen Open Markets Institute. Amazon überwache Mitarbeiter, Wettbewerber und Verbraucher, Marktplatz-Händler würden regelrecht unterworfen. Ziel sei unter anderem, Wettbewerber "von Märkten fernzuhalten oder zu verdrängen, die für ihn [Amazon] selbst interessant sind". Und "Amazon könne so in vielen Bereichen den Aufwand und die Risiken für Forschung und Entwicklung erfolgreich an Mitbewerber auslagern".


///// TRENDS & TECH

Orderplattform Invenido geht in Nextrade auf
Zum 1. Oktober 2021 wird das Orderportal Invenido über Nextrade erreichbar sein, kündigt Nextrade-Betreiber Nmedia an. Alle Invenido-Händler würden automatisch umgestellt, WMF und Leonardo (Home) seien bereits umgezogen.

Olympia könnte zu Schwankungen in der Online-Nachfrage führen
Die Schnäppchen-Website Mydealz von Pepper Media Holding prognostiziert für die Zeit der heute beginnenden Olympischen Spiele ein Nachlassen des Online-Geschäfts. Denn: "Während der vergangenen vier Olympischen Spiele in den Jahren von 2012 bis 2018 shoppten im Schnitt 14 Prozent weniger Konsumenten online als im Zeitraum zuvor", habe eine Analyse des Unternehmens ergeben. Das gleich zwei Relativierungen nachschiebt: Das gelte eher für Winter- als für Sommerspiele. Und nach den Spielen hätten drei Prozent mehr Verbraucher online eingekauft als zuvor.

///// NACHHALTIGKEIT

Elektro-Altgeräte I: Online-Händler vernachlässigen Rücknahme
Die Deutsche Umwelthilfe hat geschaut, wie fünf Jahre nach Inkrafttreten der Rücknahmepflicht für Elektrogeräte die Bilanz für den Handel aussieht. Ihr Fazit: "katastrophal". Im Jahr 2019 sei eine Sammelquote von 44 Prozent erreicht worden, obwohl das Gesetz 65 Prozent vorsehe. "Bei der Sammlung ausgedienter Elektrogeräte fallen Onlinehändler besonders negativ auf", so der Verein. Eine Umfrage unter 100 großen Händlern habe gezeigt, dass sie ihre Kundschaft oft nur unzureichend oder versteckt über Rückgaberechte informieren. Zudem böten Händler zumeist komplizierte Rückgabemöglichkeiten per Paket an, um möglichst wenig Elektroschrott zurücknehmen zu müssen. "Damit Onlinehändler wirklich einen Beitrag zur Sammlung ausgedienter Elektrogeräte leisten, sollten sie sich an flächendeckenden stationären Rücknahmesystemen beteiligen und deren weiteren Ausbau unterstützen", fordert die Umwelthilfe. Sie schlägt außerdem eine Pflicht zur Veröffentlichung der Sammelquote vor.

Elektro-Altgeräte II: Secondhand-Portale legen zu
Der Handel mit (aufpolierten) Secondhand-Elektrogeräten habe während der Covid-19-Pandemie stark zugelegt, urteilt das Online-Magazin Modernretail.co. Unter anderem sei die Marke "Amazon Renewed" im Sommer 2020 zur drittstärksten Elektronik-Marke bei Amazon geworden, Ebay habe während der Cyberweek 2020 120 Prozent mehr "certified refurbished electronics" verkauft. Und das französische Portal Back Market (auch in Deutschland unterwegs) sei von 2019 bis 2020 sogar um 1.000 Prozent gewachsen. Der Grund sei in den Folgen der Pandemie zu suchen: Die Chip-Verknappung und das daraus resultierende eingeschränkte Angebot zum Beispiel an neuen Laptops, Lieferverzögerungen und ein allgemein gestiegenes Kostenbewusstsein hätten das Augenmerk auf gebrauchte Geräte gerichtet.

Neue Website will allen Produkten ein CO2-Schild geben
Die französische Website Carbonfact.co hat es sich zum Ziel gesetzt, für alle Produkte die CO2-Menge zu erfassen, die bei Herstellung und Transport erzeugt wurden. Sie fängt klein an und konzentriert sich zunächst auf Sneaker, für die Werte von 3 bis 32 Kilogramm CO2 pro Paar errechnet wurden. Jede Berechnung wird genau begründet. Laut Fastcompany.com haben zwölf kleinere Sneaker-Marken bereits genaue Informationen für die Berechnung zur Verfügung gestellt, für andere Marken kommen begründete Schätzungen zum Einsatz. Das Unternehmen ist sich sicher: "In ein paar Jahren wird es seltsam wirken, ein Produkt zu kaufen, ohne den CO2-Fußabdruck zu kennen."