"Wir holen uns die Kontrolle über die Internetgiganten zurück..." mit diesen Worten bejubelte die dänische Abgeordnete Christel Schaldemose den Entwurf zum Digital Service Act (DSA), den am Ende der vergangenen Woche das EU-Parlament abgenickt hat. Die digitale Welt sei zu einem Wilden Westen geworden, dem die EU nun den Kampf ansage. Der DSA aktualisiert die derzeit geltenden Regeln der E-Commerce-Richtlinie aus dem Jahr 2000 und gilt für Social-Media-Plattformen und Online-Marktplätze. Noch muss der DSA in nationales Recht gegossen werden. Vor 2023 passiert also erstmal nichts.  

///// HANDEL NATIONAL
Hack bei Thalia.de – offenbar glimpflicher Ausgang
Der Onlineshop der Buchhandelskette Thalia war am vorigen Donnerstag wohl Ziel eines Brute-Force-Angriffs. Golem.de zufolge gibt es entsprechende E-Mails von Thalia an die Kundschaft. Demnach seien aus dem Ausland heraus bei einer mittleren fünfstelligen Zahl an Konten Kombinationen aus Benutzername und Kennwort ausprobiert worden – in einigen Fällen erfolgreich, allerdings ohne unautorisierte Bestellungen. Thalia habe die Kennwörter dieser Konten zurückgesetzt. Offensichtlich seien "bislang keine automatisierten Sperren nach x falschen Eingaben am Start" gewesen, ätzt "Caschys Blog".

BGH: Keine Zahlungspflicht nach Identitätsdiebstahl
Dieses Urteil hätte für Thalia.de-Kunden direkt Bedeutung: Wer Opfer eines Identitätsdiebstahls wird, muss nicht zahlen, falls mit den erbeuteten Daten Waren oder Dienstleistungen bestellt werden. Das hat der Bundesgerichtshof im Fall einer Verbraucherin entschieden, auf deren Namen ein Mobilfunkvertrag geschlossen worden sei, ohne dass sie davon wusste oder Leistungen erhalten habe. Auf das Urteil weist die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hin. (BGH, Aktenzeichen I ZR 17/21.)

Pickerd.de mit neuem Online-Shop
Pickerd.de aus Burgwedel, Spezialist für Backzutaten, hat seinen Online-Shop neu aufgesetzt. Wie der damit beauftragte Dienstleister Wendweb mitteilt, wendet sich der Shop mit unterschiedlichen Prozesswegen ("Customer Journeys") an private und gewerbliche Kunden, im Mittelpunkt stehe aber nach wie vor der Direktverkauf. Statt der bisherigen digitalen Markenpräsenz aus Website und Shop sei der neue Auftritt jetzt die "Verlängerung für unsere Social-Media-Maßnahmen".

Shows und Daten: Wie der stationäre Handel Kunden zurückerobern will
Schrill und bunt zeigen sich die Marketingauftritte vieler Händler derzeit, vom Hip-Hop-Video bei Kaufland über DJ-Gastspiele bei Edeka bis hin zum "Hotel Create" bei Obi. Doch das ist nur die eine Seite des Marketingtrends im stationären Handel. Denn der orientiert sich immer stärker am E-Commerce und setzt zunehmend auf Hyperpersonalisierung mithilfe von Datenanalysen, so ein Beitrag auf Etailment.de.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Hack beim Medizin-Versender Zur Rose – "keine reelle Gefahr"
Wie Inside-IT.ch berichtet, wurden vorige Woche im Netz angebliche Kundendaten des Schweizer Medizinprodukte- und Kosmetik-Onliners Zurrose-Shop.ch angeboten. Für rund 575.000 Datensätze (Namen, Adressen, E-Mail, Telefonnummern und Passwörter) sollen 150 Euro verlangt werden. Zur Rose habe klargestellt, dass weder Zahlungsinformationen noch die Apotheke Zurrose.ch betroffen sind, außerdem seien die Passwörter durch ein Hash-Verfahren nicht nutzbar. Das Verfahren sei veraltet, schreibt wiederum Inside-IT.ch, kommt aber zu dem Schluss, "dass im vorliegenden Falle keine reelle Gefahr besteht".

Zwei Lieferdienst-Übernahmen in Europa
Der Berliner Schnell-Lieferdienst Gorillas will sein französisches Pendant Frichti übernehmen (Werbespruch: "So frisch wie Sie!"), meldet die Deutsche Presse-Agentur. Die Gespräche liefen, ein Abschlussdatum gebe es noch nicht, heißt es. Gorillas und Frichti seien unter anderem in Paris, Lille und Bordeaux Wettbewerber. Gorillas könne vor allem vom Eigenmarkengeschäft der Franzosen lernen und deren Marken selbst anbieten. Bereits vollzogen ist offenbar die Übernahme des italienischen Startups Socialfood durch die Lieferplattform Glovo. Das berichtet Italy24news.com. Glovo, bisher in rund 450 Städten vertreten, baue damit sein Geschäft vor allem in Süditalien und auf Sizilien aus.

Amazon steckt über 20 Mio. US-Dollar in Lobbying
Es gibt viele Gesetzentwürfe, die die Macht der Tech-Giganten und Online-Marktplätze begrenzen wollen. Ein Report von Thehill.com zeigt, wie Amazon & Co. viele Mio. US-Dollar einsetzen, um sich mit Lobbying dagegen zu stemmen. Bei Amazon waren es allein in den ersten drei Quartalen 2021 wohl über 20 Mio. Dollar. Damit führt der Online-Riese vor Google und Meta. 

///// TRENDS & TECH

DHL ist jetzt die meistmissbrauchte Marke fürs Phishing
Der "Brand Phishing Report" des britischen IT-Sicherheits-Spezialisten Check Point schaut, welche Marken zur Tarnung von Phishing-Attacken herhalten müssen. Im vierten Quartal 2021 war dem Unternehmensblog zufolge nicht mehr Microsoft die meistmissbrauchte Marke, sondern DHL mit 23 Prozent aller markenbezogenen Phishing-Versuche (Vorquartal: neun Prozent). Microsoft sei von 29 auf 20 Prozent gefallen, Fedex erstmals in den Top Ten. "Das ist zweifellos Ergebnis des Versuchs, vor Weihnachten wehrlose Online-Käufer ins Visier zu nehmen, während die Pandemie im Vordergrund stand", heißt es im Blog.

LEH und Social Media: Nicht alle sind überall vertreten
Von den großen Lebensmittelhändlern sind sechs mit aktiven Accounts auf allen fünf großen Social-Media-Plattformen (Facebook, Instagram, Pinterest, Youtube, Tiktok) vertreten, zum Teil mit mehreren Accounts: Edeka, Rewe, Globus, Kaufland, Mix-Markt und Tegut. Das schreibt die Beratungsagentur Web-Netz und mahnt: "Auffällig ist zudem, dass die LEH-Branche TikTok und Pinterest noch stark vernachlässigt." So liege der Tiktok-Account von Penny nach sechs Beiträgen im Juni 2021 brach. Insgesamt sei der Trend, dass kleinere LEH-Marken große Präsenz zeigen. Hit und Norma hat Web-Netz auf den Plattformen gar nicht gefunden.

Kunst und Kursgewinne im Metaverse
Nicht Nuggets, sondern NFTs sind die Währung der neuen virtuellen Welt. Der jüngste Schrei kommt von Adidas und Prada: 3.000 User werden mit ihren Fotos Teil eines solchen, „Non-Fungible Token“ genannten digitalen Objekts. Eine zumindest kleine Chance auf Teilnahme hat, wer sich bis zum heutigen Dienstag, 25. Januar, um 14:00 Uhr auf der Warteliste einschreibt. Warum Adidas und Prada vorpreschen und was Händler und Hersteller über die neue Form des Customer Journey wissen müssen, erläutert Gastautor Bernhard Haas, Geschäftsführer der Agentur Bitfuel.

///// NACHHALTIGKEIT

Bitkom: Deutsche wollen gebrauchte Smartphones und Tablets
Die Hälfte der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher kann sich vorstellen, professionell aufbereitete gebrauchte Smartphones, Tablets und Laptops zu kaufen. Das hat der Digitalbranchen-Verband Bitkom mit einer Umfrage unter 1.005 Deutschen herausgefunden. 13 Prozent können es sich nicht nur vorstellen, sondern haben es auch schon getan, vor allem die Jüngeren (21 Prozent der Befragten von 16 bis 29).