Als voriges Jahr die Gorillas-Fahrer den Konflikt mit dem Management suchten, wurde das aus den USA beobachtet: Laut Fastcompany.com hat sich die New Yorker Stadtregierung mit Gorillas-Ridern in Verbindung gesetzt, um mehr über die als kritisch empfundenen Arbeitsbedingungen zu erfahren. Europa sei ein Frühwarnsystem für die USA ("canary in a coalmine"). Gorillas dementierte ("Unsere Rider stehen stets an erster Stelle"), dennoch will New York die Arbeit der Fahrer regulieren, siehe unten. Globalisierung heißt: Globalisierung aller Aspekte.

///// HANDEL NATIONAL
FNX: Fressnapf sieht sich online auf Augenhöhe mit Pure Playern
Schon im Januar hatte Tierbedarfshändler Fressnapf das Online-Plus 2021 auf 54 Prozent beziffert (das "Morning Briefing" berichtete). Gestern bestätigte das Unternehmen die Zahl: Online seien 245 Mio. Euro erwirtschaftet worden, ein Plus von 94 Mio. Euro (oder eben 54 Prozent). "Wir wollen weiter im E-Commerce beschleunigen und dabei auf Augenhöhe so exzellent sein wie die guten Pure Player", heißt es. Anstehende Übernahmen und geplante 400 neue Märkte in Europa sollen "digitalisiert und vernetzt arbeiten". Genau dafür wurde der neue Bereich FNX gegründet: Er werde sich um "unsere innovativen Geschäftsmodelle und Services außerhalb des Kerngeschäfts" kümmern und Schnittstelle für die Kooperation mit Start-ups sein.

--- Anzeige ---
Sichern Sie sich jetzt Ihr Ticket für die Retail Tech Konferenz am 18. März 2022 der Universität St. Gallen.
An der Retail Tech Konferenz der Universität St. Gallen werfen Handels- und Tech-Unternehmen. wie Google, Facebook, Amazon Web Services, SAP, Microsoft, TikTok, Salesforce, IBM, Klarna, Douglas, On und Valora einen Blick in die digitale Zukunft des Handels. Sichern Sie sich jetzt die letzten Tickets für den 18.März 2022 und profitieren Sie von neuen Impulsen für den Handel.

Notebooksbilliger: 5 Prozent Umsatz-, 262 Prozent Gewinnplus
Der Elektronik-Onliner Notebooksbilliger hat das Jahr 2020 (sic!) mit einem Umsatz von 772 Mio. Euro abgeschlossen, einem Plus von fünf Prozent. Das schreibt Excitingcommerce.de und ätzt: Das Unternehmen "blieb damit weit unter den Möglichkeiten, die ein Home-Office-Boom, geschlossene Läden und ein Amazon am Limit boten". Der Jahresüberschuss allerdings sei von 13 auf 47 Mio. Euro gestiegen, also auf das 3,62-Fache.

Gorillas soll Börsengang planen
Deutsche-Startups.de formuliert extra vorsichtig: Nach Informationen der Website plane der Berliner Quick-Commerce Akteur Gorillas einen Börsengang, und zwar über die Fusion mit einer SPAC (Special Purpose Acquisition Company). Oder aber eine weitere Investment-Runde, die auf rund 500 Mio. Euro ziele.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Ebay I: Händlerumsatz, Zahl der Verkäufer, Zahl der Kunden gesunken
Ebay scheint nicht mehr an sich selbst zu glauben: Die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2021 seien "besser als erwartet", so die Überschrift der Pressemitteilung. Toll sind sie aber nicht. Vom Guten zum Schlechten: Der Gewinn pro Aktie stieg um 24 Prozent, die Umsätze auf 10,4 Mrd. US-Dollar (plus 17 Prozent bzw. um Effekte bereinigt 15 Prozent). Der Bruttowarenwert (GMV) lag bei 87,4 Mrd. Dollar, was dem Vorjahr entspreche – bzw. um Effekte bereinigt ein Minus von drei Prozent bedeute. Ein solcher Effekt dürfte sein, dass Ebay seit neuestem auch Versandentgelte und Steuern zum GMV zählt. Die Zahl der aktiven Kunden sank im vierten Quartal um neun Prozent, die der aktiven Verkäufer um acht Prozent. Für 2022 erwartet Ebay entsprechend ein organisches, bereinigtes Umsatzwachstum zwischen null und drei Prozent.

--- Anzeige ---

Zertifizierung "Omni-Channel-Manager"
An der Universität St. Gallen (Schweiz) startet am 23. Mai das vierte Omni-Channel-Management-Seminar. Absolventen werden zu zertifizierten (CAS) Omni-Channel-Managern. Zusammen mit Dozierenden (Universität St. Gallen, Universität Groningen, HEC Paris, Henley Business School) und namenhaften Praxisreferenten lernen Omni-Channel-Manager in sechs dreitätigen Modulen verteilt über zwölf Monate für Ihr Unternehmen die neusten Entwicklungen und Trends und profitieren von etablierten Tools zum Omni-Channel-Management in der Praxis. Profitieren Sie von diesem etablierten Praxisseminar und lösen Sie die Omni-Channel-Herausforderungen für Ihr Unternehmen.

Jetzt stört sich auch New York am Quick Commerce
Wird das ein Trend? Nach Amsterdam (das "Morning Briefing" berichtete), Rotterdam (dito) und mehreren anderen niederländischen Städten fängt auch New York an, Quick-Commerce-Anbieter kritisch zu sehen. Christopher Marte, der Lower Manhattan im Stadtrat vertritt, geht es weniger um Lärmbelästigung. Wie Vice.com schreibt, schaut er auf Arbeitsbedingungen, die Auswirkungen des Preiswettbewerbs auf die "geliebten Weinschänken" ("beloved bodegas") und den "Verbrauch" von Ladenfronten ohne Nutzen für die Gemeinschaft. Er bereite gesetzliche Regelungen für Quick-Commerce-Anbieter vor.

Amazon geht gegen "Makler gefälschter Bewertungen" vor
Amazon hat Klage gegen zwei Websites eingereicht: App Sally and Rebatest seien "Makler gefälschter Bewertungen", sie orchestrierten irreführende Produkturteile "im Austausch gegen Geld oder kostenlose Produkte", so Amazon in einer Mitteilung. Konkret sollen die Websites ihre Mitglieder aufgefordert haben, falsche Bewertungen auf Amazon, Ebay, Walmart und Etsy abzugeben. Amazon lösche solche Fälschungen, die Klage richte sich nun gegen die Quellen. Ende 2021 seien zwei große Fake-Bewertungs-Seiten in Deutschland und Großbritannien geschlossen worden, nachdem Amazon rechtlich gegen sie vorgegangen sei.

Ebay II: Verkaufsstart für Cannabidiol
Die Gleichzeitigkeit zu den Jahreszahlen dürfte Zufall sein: Ebay hat in Großbritannien damit begonnen, Cannabidiol-Produkte zu verkaufen, so Tamebay.com. Dem Hanf-Extrakt werden angstlösende, entkrampfende und entzündungshemmende Wirkungen zugeschrieben. Ebay sei der erste große britische Marktplatz mit diesem Angebot, dafür sei eine eigene Kategorie eingerichtet worden. Nur zertifizierte Händler dürften hier verkaufen. Auf Ebay.de führt das Suchwort "CBD-Öl" lediglich zu Wimpeln und einigen (teilweise fragwürdigen) Büchern.

Israel: Shein und Amazon beherrschen den E-Commerce
"Für Außenstehende ist es eine Überraschung, wie groß ausländische Händler auf dem israelischen Markt sind", staunt Internetretailing.net. Dem eigenen "RetailX Israel 2022: Ecommerce Country Report" zufolge sind Unternehmen aus den USA und aus China führend im israelischen E-Commerce. Amazon habe 2020 195 Mio. US-Dollar in Israel umgesetzt und wachse um 20 Prozent pro Jahr – ohne eine israelische Seite zu betreiben, dafür mit kostenloser Lieferung ab 65 Dollar. Shein sei Nummer 2 mit 151 Mio. US-Dollar 2020 und in manchen Jahren einem Wachstum von 100 Prozent. 2021 habe Shein (244 Mio. Dollar) Amazon (130 Mio. Dollar) sogar überholt.


///// TRENDS & TECH

Verbände sehen Lieferkettengesetz kritisch
Zum geplanten europäischen Lieferkettengesetz (siehe "Morning Briefing" von gestern) haben sich Verbände zu Wort gemeldet – fast im Gleichklang. Der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisiert, die Prüfpflichten seien "in der Praxis insbesondere für mittelständische Handelsunternehmen nicht umsetzbar". Unrealistische Sorgfaltspflichten würden vor allem international vernetzte, mittelständische Händler zum Rückzug aus bestimmten Märkten bewegen, um Risiken zu vermeiden. Das sei kontraproduktiv. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) erwartet "eine massive Überforderung". Von kleinen und mittleren Unternehmen könne nicht verlangt werden, ihre gesamte Wertschöpfungskette zu überwachen, das sei "zu weitgehend".

Neue Ausgabe von Der Handel jetzt als E-Paper lesen
Nach der Pandemie-Pause wendet sich der Blick vieler Händler wieder nach China. Was bei der Expansion und dem Handel mit der Volksrepublik zu beachten ist, lesen Sie in der Ausgabe 01/2022 von "Der Handel". Weitere Schwerpunkte sind Social Commerce, die Zukunft der City und neue Absatzmöglichkeiten durch "Jetzt kaufen, später zahlen"-Modelle. Das aktuelle E-Paper von "Der Handel" mit allen Inhalten des gedruckten Heftes können Sie hier kostenfrei herunterladen.

///// NACHHALTIGKEIT

Wer mehr verdient, neigt eher zu Retouren
Wer weniger verdient, schickt seltener Retouren – diesen Schluss lässt eine Umfrage der GfK im Auftrag von Galaxus zu: Zwei Drittel (64 Prozent) der deutschen Befragten bestellt online Waren im Wissen, dass "auf keinen Fall" oder "eher nicht" Artikel zurückgehen werden. Der Anteil ändert sich je nach Einkommen: "Auf keinen Fall" werden Produkte mit Rücksendeabsicht gekauft von 44 Prozent (unter 1.000 Euro/Monat), 31 Prozent (1.000–2.000 Euro/Monat), 29 Prozent (2.000–3.000 Euro/Monat) und 25 Prozent (3.000–4.000 Euro/Monat). Fazit von Galaxus: "Geringverdiener gehen mit Retouren verantwortungsbewusster um als Haushalte mit mittleren Einkommen." Diese Tendenz zeige sich nur in Deutschland, nicht in Österreich oder der Schweiz. (Online-Umfrage unter 2.000 Menschen in D, A und CH)