Die Stimmung unter den Verbrauchern hat sich in Deutschland wieder eingetrübt. Das Konsumbarometer des HDE zeigt eine Verschlechterung an, als entscheidend sehen die Autoren die ansteigenden Infektionszahlen, die auf der anderen Seite langsamer ansteigende Impfquote und die gesunkene Anschaffungsneigung. Die Aussichten für den Handel in Deutschland sehen nicht sehr rosig aus. Die Bundesregierung muss in Bezug auf die Pandemie aktiv werden, damit besonders das Impftempo endlich Fahrt aufnimmt. Die Prognosen der Mediziner sind gebremst, Verschärfungen der Regeln sind nach ihren Angaben zu erwarten und notwendig.

///// HANDEL NATIONAL
Holtermann verkauft Großteil des Online-Handels nach Schweden
Das Start-up aus dem Bereich der Gartenmöbel, Holtermann, verabschiedet sich aus dem Online-Handel und verkauft 80 Prozent der Holdinggesellschaft AH-Trading an den schwedischen Konzern Bygghemma, berichtet das Handelsblatt. Die restlichen 20 Prozent verblieben beim Gründerehepaar Holtermann, Aron Holtermann bleibe CEO, seine Frau Birgit Holtermann übernehme weiterhin die Aufgaben des COO. Die Gelder aus der Transaktion flössen zu 36 Millionen Euro direkt an die Gründer, der Rest folge bis Ende 2022. Die neuen Eigentümer erwarteten für dieses Jahr eine Umsatzsteigerung von 45 auf 66 Millionen Euro, der Gewinn solle von 3,5 auf 6,7 Millionen Euro zulegen. Die bislang positive Entwicklung in Deutschland beruhe primär auf dem Verkauf von Eigenmarken, dieser solle nun auf andere Länder ausgeweitet werden. Wichtig sei es auch gewesen, dass im Laufe der Zeit der Verkaufsanteil über Amazon und Ebay gesunken und im Gegenzug über die eigenen Webseiten ausgebaut worden sei.

+++Anzeige+++

Mit der GründerInnenstadt-Initiative unterstützen Facebook und Instagram Unternehmerinnen beim Aufbau krisenfester Geschäftskonzepte

Laut Facebooks Wirtschaftsstudie zur Lage von Kleinunternehmen aus dem Jahr 2020 beklagten 53 Prozent der von Frauen geleiteten Unternehmen während der Pandemie Umsatzeinbußen, während es bei von Männern geführten Unternehmen 37 Prozent waren. Grund genug für Facebook, die Mittelstandsinitiative GründerInnenstadt ins Leben zu rufen. Mehr zur GründerInnenstadt-Initiative.

Amazon eröffnet acht Logistikstandorte
Amazon will das eigene Logistiknetzwerk in Deutschland weiter ausbauen. Der Online-Konzern hält sich nicht zurück, denn bis zum ersten Halbjahr 2022 sollen acht neue Standorte entstehen. Die Gebäude in Dummerstorf, Helmstadt und Hof/Gattendorf sollen nach Unternehmensangaben als Logistikzentren aufgebaut sein, die restlichen Anlagen als Verteil- oder Sortierzentren. Im gleichen Atemzug nennt das Unternehmen eine Zahl von 3.000 neuen Arbeitsplätzen, die im nächsten Jahr entstehen sollen. Auch in diesem Jahr sei die Zahl der unbefristeten Stellen um 3.000 gewachsen. Die Zahl der Mitarbeiter werde bis Jahresende bei über 28.000 liegen, verteilt auf rund 60 Standorte. 

Amazon startet Retouren-Dashboard
Am 21. Oktober soll für Amazon-Händler ein neues Dashboard bezüglich der Rücksendung von Waren an den Start gehen. Nach einem Bericht von Onlinehaendlernews, der auf einer Diskussion im Forum von Seller Central beruht, führt dieses Datum aber bereits heute zu Unruhe. Auf der Plattform sollten Daten bezüglich der Warenrücksendung bei einzelnen Händlern erfasst werden. Dazu gehörten Angaben zu den genehmigten und den abgelehnten Retouren sowie die Kontaktrate des Verkäufers zu den Kunden in Fragen der Rücksendungen. Es werde eine neue Rubrik "Rücksendungsanalyse" eingeführt, mit einem Banner würde Händler auf das Erreichen von Schwellenwerten hingewiesen. Laut den Kommentaren im Forum fürchteten Händler aber Sanktionen durch Amazon, auch wenn dies von Amazon verneint werde.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Ebay startet in Großbritannien gegenüber den Händlern neue Bezahlfunktionen
Ebay will in Großbritannien jetzt und in den kommenden Monaten neue Funktionen in puncto Bezahlung einführen und bestehende verbessern, berichtet Tamebay. Die Auszahlung an die Händler solle in der Zukunft innerhalb von 24 Stunden nach der Bezahlung durch den Kunden erfolgen. Für Händler, die den neuen Service nicht nutzen könnten, erfolge die Auszahlung nach den alten Vorgaben. Die Auflistung der Auszahlungen könne nun auch zweiwöchentlich oder monatlich erfolgen. In der Zukunft sollen weitere neue Funktionen folgen, damit die Händler ihre Geschäftsberichte nach ihren Erfordernissen einrichten könnten.  

Der Weg von Europas E-Commerce durch die Pandemie
Der Online-Handel ist bislang europaweit nicht mit einem lachenden und einem weinenden Auge, sondern mit zwei lachenden Augen durch die Pandemie gekommen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der europäischen Unternehmensdatenbank Hit Horizons, die die Umsatzveränderungen der gesamten Branche während der Coronakrise analysiert hat, der Schwerpunkt lag auf Unternehmen mit einem Jahresumsatz mehr als einer Million Euro. Nach den Zahlen von Eurostat lag das Umsatzplus bei 25 Prozent, in den Jahren zuvor bewegte sich das Wachstum zwischen sieben und zehn Prozent. Die Umsatzgrenze von einer Milliarde Euro wurde 2020 nur in fünf Ländern übertroffen, Nummer eins war Deutschland mit sechs Milliarden Euro. Dabei sind aber in Deutschland nur 24.772 Online-Händler aktiv, Platz fünf. Die stärkste Anbieterzahl ist in Großbritannien zu beobachten, hier liegt sie bei 82.993.

Die Schließung von bis zu 8.700 Läden in Großbritannien erwartet
Die Aussichten für den stationären Handel in Großbritannien sind nicht wirklich gut. Nach einer Untersuchung der Local Data Company könnten in den nächsten sechs Monaten bis zu 8.700 Geschäfte für immer die Türen schließen, schreibt Internet Retailing. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres habe der Nettoverlust bei 5.251 Verkaufsgeschäften gelegen, allerdings seien es 2020 noch 750 Geschäfte mehr gewesen. Als Hauptgrund sehen die Autoren der Studie den Wechsel hin zum Online-Shopping und die Entwicklung, dass viele Ketten, die in den Haupteinkaufsstraßen der Innenstädte platziert gewesen waren, von Online-Konzernen aufgekauft und dann in reine Online-Marken umgebaut worden seien.


///// TRENDS & TECH

Saloodo startet neues Closed-Shop-Feature
Saloodo bietet den Kunden ein neues Closed-Shop-Feature, mit dem sie ihre Transportaufträge ab sofort auf Wunsch vorausgewählten Transportdienstleistern anbieten können. Die neue Funktion ist weltweit verfügbar, meldet die Deutsche Post DHL Group. Innerhalb des Closed Shop befinde sich eine geschlossene Benutzergruppe, dabei könne es sich um Speditionen mit speziellen Lkw handeln. Die Nutzer könnten aber auch ausgewählte Transportunternehmen in ihren eigenen Closed Shop aufnehmen, so dass Aufträge dann ausschließlich diesen Dienstleistern angezeigt würden. Unternehmen, die das neue Feature nutzen wollen, müssen sich bei dem Start-up anmelden. Eine Transportanfrage sei dann innerhalb des Closed Shops oder an alle Anbieter möglich.

Webinar zum Lieferkettengesetz
Am 9. September bietet die KPMG in Köln unter der Überschrift "Challenge Accepted – Das Lieferkettengesetz effektiv umsetzen" ein Webinar zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Die Veranstaltung startet um 9 Uhr, angesetzt sind 90 Minuten. Vier Referenten informieren über die Hintergründe des neuen Gesetzes, die praktische Umsetzung der Sorgfaltspflicht und ihre technische Umsetzung. Die Teilnahme an dem Webinar ist kostenfrei.

Produkttexterstellung durch Künstliche Intelligenz
Roqqio ermöglicht im Rahmen der Roqqio Commerce Cloud nun mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz eine schnellere Texterstellung für Produktinformationen. Der Content basiere auf den vorhandenen Daten, sei skalierbar und werde SEO-optimiert erstellt. Der Aufbau der Produktbeschreibungen greife auf Produktmerkmale wie Artikelgruppe, Farbe, Größe, Herkunftsland, Materialzusammensetzung, Modell, Pflege- oder Anwendungshinweise zurück, bei der Texterstellung seien dann auch die passenden Formulierungen und Kundenansprachen um– und einsetzbar.


///// NACHHALTIGKEIT

Refurbed positioniert sich als Marktplatz für Gebrauchtgeräte
In dem immer weiter wachsenden Markt für gebrauchte Elektrogeräte hat sich Refurbed aus Wien für den Aufbau der Plattform als Marktplatz entschieden. Mittlerweile hat das Start-up einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro erwirtschaften können. Gründer Peter Windischhofer hat in einem Interview mit OMR erklärt, dass es nicht nur um die Nachhaltigkeit gehe, sondern Refurbed habe den "Produkten einen Coolheitsfaktor gegeben". Über die Plattform könnten Händler, die sich auf die Wiederherstellung gebrauchter Geräte konzentrierten, diese Geräte dort verkaufen. Der wichtigste Marketingkanal sei trotz der unterschiedlichen technischen Anwendungen aber immer noch die Mund-zu-Mund-Propaganda. Ein wichtiges Utensil sei auch der Einsatz der Influencer-Schiene, die Zusammenarbeit mit Nachhaltigkeits-Influencern werde ausgebaut. Der sofortige Verkauf der Produkte sei nicht maßgeblich, wichtig sei es, Visionen aufzuzeigen.

Reebok und Zalando vermarkten Produkte aus pflanzenbasierten Materialien
Unter der Überschrift "Come grow with us" starten Reebok und Zalando die Vermarktung der Modelle alter Reebok-Schuhe in der Kollektion (Ree)Grow. Die neuen Schuhe sind zu mindestens 50 Prozent aus pflanzenbasierten Materialien hergestellt, heißt es bei Fashion United. Beide Unternehmen erklärten, dass es viel Verbesserungspotenzial gebe und sie nicht zu 100 Prozent nachhaltig seien, aber auf einem guten Weg dorthin. Sie richteten sich an eine Zielgruppe, die nachhaltiger leben wolle. Reebok gebe das Ziel vor, dass bis 2030 volle 100 Prozent der Produkte nachhaltig sein sollten.