Gestern wurde an dieser Stelle berichtet, das Warenhäuser eigentlich nicht mehr zeitgemäß sind. Am gleichen Tag hat die Gläubigerversammlung von Galeria Karstadt Kaufhof dem Insolvenzplan zur Rettung der letzten großen deutschen Warenhauskette zugestimmt. "Auferstehen aus Ruinen" könnte jetzt das neue Motto sein, wenn es nicht vollkommen falsche Assoziationen wecken würde. Die Sanierung ist hart, der Neuanfang wird, wenn er denn gelingen soll, radikal ausfallen, nicht nur, weil 5000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. Für sozialistische Reminiszenzen wird da aller gewerkschaftlicher Fürsprache zum Trotz kein Platz bleiben.

///// HANDEL NATIONAL

Unergründliche Entfernung von Produkten – Steiner Spielwarenfabrik hat Amazon adé gesagt
Der Rückzug erfolgte zwar schon vor Monaten. Doch angesichts der jüngsten Untersuchungen des Bundeskartellamts gibt er den oft sehr allgemein kolportierten Beschwerden einen Namen: Die kleine Steiner Spielwarenfabrik aus dem thüringischen Georgenthal hat sich vom Amazon Marktplatz zurückgezogen.  „Grundlos gesperrte Artikel, unübersichtliche Zahlungsauswertungen, Dumpingangebote von Wettbewerbern – angeblich „Made in Germany“ – und sinkende Verkaufszahlen trotz Umsatzwachstums im eigenen Shop haben uns zu dieser Entscheidung geführt“, erklärt Susanne Bier, Geschäftsführerin des über 120 Jahre alten Unternehmens. Jetzt wird online nur noch über den eigenen Webshop verkauft – und Steiner fährt damit nach eigenen Angaben gut.

Vermieter machen Zugeständnisse: Alle Reserved-Stores und Arbeitsplätze sind gerettet
"Ohne die kreative Neugestaltung unserer Mietverträge wäre eine erfolgreiche Sanierung nicht möglich gewesen”, hat Martin Kanngiesser, Geschäftsführer der LPP Deutschland GmbH, nach den erfolgreichen Verhandlungen laut Fashion United gesagt. So können die 19 deutschen Reserved-Stores sowie die Onlineshops der Marken Reserved, Cropp, House, Mohito und Sinsay weitergeführt werden und die 494 betroffenen Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Penny weist bei ersten Produkten "wahre Verkaufspreise" inklusive der Konsumfolgekosten aus
Was müssten Lebensmittel eigentlich kosten, wenn ihre ökologischen Auswirkungen entlang der Lieferkette mit in den Verkaufspreis einflössen? Antwort auf diese Frage geben Penny und die Universität Augsburg und stellen anhand erster Produkte eine Berechnung "wahrer Verkaufspreise" vor. In diese "wahren Kosten" (True Costs) haben die Wissenschaftler für acht ausgewählte konventionell und ökologisch erzeugte Eigenmarken-Produkte die über die Lieferketten anfallenden Auswirkungen von Stickstoff, Klimagasen, Energie und Landnutzungsänderungen auf den Verkaufspreis mit eingerechnet. Anlass ist die heutige Eröffnung des ersten Nachhaltigkeits-Erlebnismarktes "Penny Grüner Weg" in Berlin Spandau. Eine beispielhafte Aktion! Nach sechs Monaten Corona ist es höchste Zeit, sich den gravierenden Fragen der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes zu widmen.

Dritter CEO seit 2017: Paternó verlässt Lidl nach nur wenigen Monaten
Nach nur wenigen Monaten im Amt verlässt Lidl-Chef Paternó den Discounter. Offiziell auf eigenen Wunsch. Doch der Verschleiß an Lidl- und Kaufland-Chefs bei der Schwarz-Gruppe gibt zu denken, schreibt das Manager Magazin und schließt die Frage an: Hat der Generalbevollmächtigte der Schwarz-Gruppe Klaus Gehrig schon wieder zugeschlagen?


///// HANDEL INTERNATIONAL

Genau das, was Amazon jetzt braucht: ein Laden gänzlich ohne Einkäufer
Was kümmert es einen, wenn in Brooklyn, New York ein neuer Laden öffnet? Wenn er zur Amazon-Tochter Whole Foods gehört, sollte man genauer hinsehen: Der einzige Zweck des Ladens besteht darin, Online-Bestellungen für Lebensmittel zu konfektionieren und sie an Kunden in Brooklyn auszuliefern. So gesehen handelt es sich bei diesem Geschäft also um ein Warenlager, nur eben für frische Produkte. Amazon-Prime-Mitglieder können sich von Whole Foods-Geschäften in mehr als 2.000 Städten und Gemeinden in den USA kostenlos beliefern lassen. Das Timing zum Start ist tadellos, wie Business Insider feststellt: Amazon hatte im Juli erst berichtet, dass sich seine Online-Lebensmittelverkäufe im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht haben.

Ocado beendet Kooperation mit Waitrose und startet Lieferservice für Marks & Spencer
Seit gestern können Briten online Lebensmittel sowie Bekleidung von Marks & Spencer über Ocado.com bestellen. Damit endet Ocados zwei Jahrzehnte währende Kooperation mit der Supermarktkette Waitrose. Die etwa 4.500 Waitrose-Produkte werden durch das gesamte M&S-Lebensmittelsortiment von 6.000 Produkten sowie 800 Alltagsbekleidungsprodukte ersetzt. Die beiden britischen Einzelhandelsgiganten hatten 2019 ein Joint Venture gegründet, als Marks & Spencer für 750 Millionen Pfund einen 50-prozentigen Anteil am Einzelhandelsgeschäft von Ocado erwarb. Der gestrige Start verlief punktuell holprig, weil wegen der großen Nachfrage eine laut Ocado "sehr kleine Anzahl von Bestellungen" nicht ausgeliefert wurde.

///// TRENDS & TECH

PayPal bietet in den USA jetzt auch "Buy now, pay later"-Dienste an
In den USA wächst die Zahl der "Buy now, pay later"-Anbieter mit Marken wie Klarna, QuadPay, Affirm und Sezzle. Gerade hat Klarna von enormen Zuwachsraten berichtet, da meldet die Zahlungsplattform PayPal, dass sie in den USA einen "Buy now, pay later"-Service einführt. Mit der neuen 'Pay in 4'-Funktion erhalten Händler und Partner unmittelbar nach Kaufabschluss ihr Geld, während Kunden ihre Einkäufe zwischen 30 Dollar und 600 Dollar über einen Zeitraum von sechs Wochen in vier zinsfreien Raten bezahlen können. Der Service sei auch in den bestehenden PayPal-Preisen des Händlers enthalten, das heißt dieser müsse keine zusätzlichen Gebühren zahlen. Verbrauchern werde der Service ab Oktober zur Verfügung stehen. 

Ein weiterer Schritt zum Einkaufen ohne Kassen – Giant Eagle führt neue Technik ein
Nachdem Amazon seine Technik des kassenlosen Shoppens bei seiner Lebensmittelkette Whole Foods einführen will (Morning Briefing vom 25. August), strebt jetzt Giant Eagle einen ähnlichen Service an. Hierbei werden Einkäufe von Kunden, die über einen entsprechende App verfügen, von Kameras erfasst. Am Ende scannt der Kunde einen Code in der App, über die auch die Abrechnung erfolgt, und verlässt den Laden. Giant Eagle, zu dem 216 Supermärkte und mehr als 250 Convenience-Stores gehören, will die Technologie des Startups Grabango zunächst in einem Geschäft in Pittsburgh einem Praxistest unterziehen. Davon ist man hierzulande weit entfernt: Hier ist es ja schon fortschrittlich, wenn der Kunde die Waren scannt und nicht die Mitarbeiter*in an der Kasse. 

Für mehr Klimaschutz im Einzelhandelnik: Energiesparnetzwerk des Berliner Handels startet
Der Handelsverband Berlin-Brandenburg e.V. und die Klimaschutzoffensive des Handelsverbands Deutschland e.V. (HDE) haben gemeinsam das Energiesparnetzwerk des Berliner Handels gegründet. Ziel sei laut HDE, kleine und mittlere Handelsunternehmen mit kostenlosen Effizienzchecks, Workshops vor Ort und Informationsmaterialen bei der Umsetzung von Energieeffizienz- und Klimaschutzmaßnahmen zu unterstützen. Das Energiesparnetzwerk des Berliner Handels ist zunächst für einen Zeitraum von zwei Jahren finanziert, es besteht die Option auf ein drittes Projektjahr. Das Projekt wird mit Mitteln des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms (BEK) gefördert.