Wenn Amazon eines kann, dann am bestehende Geschäfte neue anzudocken. Der geplante Transportdienst "Amazon Global Logistics" ist nur das jüngste Beispiel, siehe unten. Auch Amazon Care gehört dazu. Der 2019 in Seattle als Pilot gestartete Telemedizin-Service ist jetzt USA-weit verfügbar, so Amazon. Er soll zudem in 20 Städten bald auch nicht-virtuellen, persönlichen Service bieten. Noch so eine Strategie von Amazon: vom Online- ins physische Geschäft expandieren.

///// HANDEL NATIONAL
E-Commerce der Otto Group wächst, aber langsamer
Kurz vor Ablauf des Geschäftsjahrs 2021/22 Ende Februar hat die Otto Group die erwarteten Wachstumszahlen für den eigenen E-Commerce veröffentlicht: plus zehn Prozent auf elf Mrd. Euro international, plus neun Prozent auf 7,6 Mrd. Euro in Deutschland (ohne About You). "Nach den extrem hohen Zuwächsen im ersten Jahr der Pandemie [haben sich] die Wachstumsraten im Jahr 2021 erwartungsgemäß etwas abgeschwächt", so E-Commerce-Konzernvorstand Sebastian Klauke. Man sei mit den Zahlen aber "wirklich durchaus zufrieden", sagte er im Pressegespräch. Dass inzwischen auch Ältere online einkaufen ("und gerade sie"), die Lieferketten gehalten haben und die Technik der Last standhielt, sind für ihn die drei Faktoren hinterm Wachstum. Für 2022 erwartet er ein einstelliges Plus und eine dreistellige Millionen-Investition in die (digitale) Technik.

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Zertifizierung "Omni-Channel-Manager"
An der Universität St.Gallen (Schweiz) startet am 23. Mai das vierte Omni-Channel-Management-Seminar. Absolventen werden zu zertifizierten (CAS) Omni-Channel-Managern. Zusammen mit Dozierenden (Universität St.Gallen, Universität Groningen, HEC Paris, Henley Business School) und namenhaften Praxisreferenten lernen Omni-Channel-Manager in sechs dreitätigen Modulen verteilt über zwölf Monate für Ihr Unternehmen die neusten Entwicklungen und Trends und profitieren von etablierten Tools zum Omni-Channel-Management in der Praxis. Profitieren Sie von diesem etablierten Praxisseminar und lösen Sie die Omni-Channel-Herausforderungen für Ihr Unternehmen.

Douglas kauft Online-Apotheke Disapo
Online-Kunden von Douglas sollen demnächst auch Medikamente über die Plattform beziehen: Douglas will die niederländische Disapo.de Apotheke kaufen, so die Pressemitteilung. Der Name sagt es schon: Trotz Registrierung im niederländischen Heerlen richtet sich die Apotheke mit Postanschrift in Aachen vor allem an deutsche Kunden (außerdem an chinesische). 2021 zählte sie laut Douglas rund 200 Mitarbeiter und einen Umsatz "im hohen zweistelligen Millionenbereich". Disapo zahlt auf "zwei Säulen [der] Wachstumsstrategie" von Douglas ein, nämlich auf den Ausbau von Online-Geschäft und Gesundheitsprodukten. Und natürlich hofft auch Douglas auf einen Schub durch das kommende E-Rezept.

DM I: Einstieg ins Live-Shopping
Auch Drogeriemarkt-Betreiber DM legt mit Live-Sendungen los, während derer eingekauft werden kann: Der Live-Shopping-Programmübersicht auf der Website zufolge beginnt am heutigen Freitag um 18 Uhr "die allererste" Show des Formats "DM Live". In ihr spricht die Moderatorin und Kosmetik-Produzentin Judith Williams über den Inhaltsstoff Niacinamid, DM lockt mit 30 Prozent Rabatt auf ihre Produkte. Weitere Folgen sollen am 15. Februar (Frisuren), 13. Februar (Kosmetik) und 5. März (Babyausstattung) folgen. Die Sendungen sind ausschließlich in der App "Mein DM" zu sehen.

DM II: Umstieg im Lieferservice
Der Paketservice von DM, also die Lieferung von Online-Bestellungen in Filialen in drei Bundesländern, wurde zum 1. Januar eingestellt, so die Website. Möglicher Grund: Im Laufe des kommenden halben Jahres soll der Click-&-Collect-Service in mehr als 200 deutschen DM-Filialen Abholstationen erhalten. Das berichtet Lebensmittelzeitung.net. Die Stationen in den Eingangsbereichen sollen per App zugänglich sein und die bisherige Abholung an Kassen und Fototheken ersetzen. Dem Blatt zufolge verschickt der DM-Onlineshop rund 20.000 Sendungen pro Tag, etwa 22 Prozent davon gehen per Click & Collect raus.

Start-ups: Bitterliebe nimmt den LEH ins Visier
Mit Onlineshop und Facebook-Ads starteten die Bitterliebe-Gründer Andre Sierek und Jan Stratmann 2018. Heute sind ihre Nahrungsergänzungsmittel mit Bitterstoffen aus Naturkräutern bereits deutschlandweit im Drogeriehandel gelistet. Zum Erfolg trug auch Judith Williams bei, Jurorin bei "Die Höhle der Löwen", die sich als Investorin bei dem Mannheimer Start-up einkaufte. Als nächstes haben die Gründer den LEH im Visier, schreibt Etailment.de.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon will Händlern weltweite Logistik anbieten
Unter dem Namen „Amazon Global Logistics“ baut Amazon einen Frachtdienst auf, wie Handelsblatt.com erfahren hat. Ziel sei, für die Händler des Marktplatzes künftig auch den Versand der Waren zu übernehmen – bisher erledigen sie das überwiegend selbst. "Dazu nutzt Amazon auf fremden Containerschiffen und in Frachtflugzeugen Kapazitäten, die sie Importeuren zur Verfügung stellt", so das Blatt. Durch die schiere Marktmacht könne Amazon den Transport für ein Drittel bis der Hälfte der üblichen Preise anbieten und werde "damit zur ernsthaften Konkurrenz für deutsche Frachtdienste und Speditionen", urteilt T3N.de.

Delivery Hero steigert alles, auch die Verluste
Der Berliner Lieferdienst-Betreiber Delivery Hero meldet für das Jahr 2021 beeindruckende Wachstumszahlen: plus 62 Prozent Bruttowarenwert (GMV; 35,4 Mrd. Euro) und plus 89 Prozent Segmentumsatz (6,6 Mrd. Euro). 2022 sollen positive Ebitda erreicht werden. Doch 2021 wuchs erst einmal das Ebitda-Minus, nämlich um fast ein Drittel auf 781 Mio. Euro, schreibt Channelpartner.de. Die Aktie des DAX-Konzerns verlor daraufhin 29 Prozent, beobachtete Wiwo.de: "Offenbar schreckt Investoren der fehlende Profit in einem umkämpften Business". Im vierten Quartal kamen etwa zwei Drittel der Bestellungen aus Asien.

Hagebau eröffnet Online-Shop in Österreich
Baumarktbetreiber Hagebau betreibt jetzt auch Hagebau.at, nach eigenen Angaben "ein voll funktionsfähiger Omnichannel-Webshop". Geboten werden Click & Collect, Click & Reserve sowie klassische Online-Bestellungen, die aus den 43 österreichischen Märkten heraus auf die Reise gehen. "Damit wird die hagebau nun auch im Digitalgeschäft endlich international", schreibt das Unternehmen mit einer Portion Selbstkritik.

Footballspieler-Rücktritt löst Millionenverkauf auf Ebay aus
Am 1. Februar gab der US-Footballspieler Tom Brady seinen Rücktritt bekannt, schon zuvor war heftig spekuliert worden – und das hat eine Welle auf Ebay ausgelöst: Laut ESPN.com sind die Verkäufe von Tom-Brady-Sammlerstücken in der Zeit 23.–29. Januar um 198 Prozent gestiegen, darunter Rookie-Karten (eine Art Sammelkarten-Erstausgaben, plus 233 Prozent) und Trikots (plus 341 Prozent). Am 1. Februar sei die meistgesuchte Rookie-Karte für 2,3 Mio. Euro über Ebay verkauft worden, das sei der bisher dritthöchste Erlös überhaupt für eine Football-Sammelkarte.

///// TRENDS & TECH

Klassische Marken des Handels im Preis-Leistungs-Vergleich vorn
Die Marktforscher von Yougov befragen rund ums Jahr rund 900.000 Kunden von etwa 1.300 Marken und erstellen daraus den "Yougov Brand Index". Dabei geht es auch ums Preis-Leistungs-Verhältnis: 2021 lag Aldi ganz vorne, es folgten DM, Lidl, Deichmann und die DM-Marke Balea. Interessant wird es ab Platz 6, da kommen nämlich drei Onliner: Ebay-Kleinanzeigen (seit 2019 auf Platz 6), Paypal (neu im Ranking auf Platz 7) sowie Amazon (wie im Vorjahr Platz 9). In einem Satz: Onliner gelten den Deutschen durchaus als günstig, stoßen aber die klassischen Marken des Handels nicht aus den Top 5.

McDonald's will aus dem Metaverse heraus nach Hause liefern
McDonald's hat offenbar vor, im künftigen "begehbaren Internet", dem Metaverse, Restaurants zu eröffnen, in denen echte Bestellungen zur Lieferung nach Hause aufgegeben werden können. Businessinsider.com zufolge hat das Unternehmen dafür zehn Markenanmeldungen beim US-Patentamt eingereicht, unter anderem für die Marken McDonald's und McCafe. Außer um Essen soll es auch um NFT und Konzerte gehen.

Worldline integriert "Alipay+"
Schon 2019 haben die Zahlungsdienstleister Worldline (Frankreich) und Alipay (China) angekündigt, dass die Worldline-Händlersysteme künftig auch Zahlungen über die E-Wallets von Alipay akzeptieren. Ziel: "mehr asiatische Nutzer von E-Wallets nach Europa bringen". Jetzt folgt die Integration: Worldline baut das Zahlungs- und Marketingsystem "Alipay+" in sein globales Produkt ein, wie das Unternehmen schreibt. Man sei damit "der erste Acquirer mit einer umfassenden länderübergreifenden Integration von Alipay+". In einem Satz: Händler, die Worldline nutzen, können künftig einfacher Alipay akzeptieren.