Eine der beherrschenden Nachrichten am gestrigen Mittwoch war: Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht sich für einen bundesweit einheitlichen Lockdown aus. Weitere Überschriften: Berliner Gericht kippt 40-Quadratmeter-Regel in Geschäften, Bayern ändert die Pandemie-Regeln hin zu mehr Terminshopping, das Saarland hält an den geplanten Lockerungen fest. Mit anderen Worten: Es bleibt schwierig, aber der E-Commerce durchgehend geöffnet.

///// HANDEL NATIONAL
Flash-Supermarkt Rohlik will in die Schweiz und als Knuspr nach Deutschland
Die tschechische Rohlik Group, Betreiberin eines Flash-Online-Supermarktes mit Lieferzeiten unter zwei Stunden, hat 190 Millionen Euro an Investorengeldern erhalten und will sie zur europäischen Expansion nutzen. Das berichtet Handelszeitung.ch. Nach dem Markteintritt in Österreich unter Gurkerl.at sollen die Schweiz und Deutschland folgen (hier als Knuspr.de, das Morning Briefing berichtete). Die Entscheidung zur Schweiz werde noch in diesem Jahr fallen, in Deutschland ist man schon weiter: Die Website Knuspr.de leuchtet bereits bunt und wirbt mit dem Spruch "Der frühe Vogel fängt das Hörnchen" um Kunden für den Großraum München. Im Impressum ist eine Großer Kern GmbH mit Geschäftsführer Erich Comor angegeben.

Mädchenflohmarkt soll dieses Jahr um 60 bis 80 Prozent wachsen
Die Second-Hand-Plattform Mädchenflohmarkt ist im Jahr 2020 um 50 Prozent gewachsen und hat "einen zweistelligen Millionenbetrag" erwirtschaftet, sagt Gründerin Maria Spilka auf Businessinsider.com. Für 2021 erwartet sie sogar ein Plus von 60 bis 80 Prozent, unter anderem durch neue Kundenschichten (sie spricht vom "Corona-Segment"). Die Plattform arbeitet unter anderem mit Ebay, About You und Breuninger zusammen. Businessinsider.com verweist auf die wachsende Zahl an Spielern im Second-Hand-Kleidungsmarkt. So habe Zalando über sein Programm "Pre-owned" bereits rund 100.000 Teile angekauft und mehrere Zehntausende auch schon wieder verkauft.

Eismann heuert Sternekoch Johann Lafer an
Tiefkühl-Lebensmittel-Lieferer Eismann hat in Johann Lafer einen "Genusscoach" gefunden. Er ist "an der Entwicklung neuer Produkte, Rezepte und Events beteiligt", kündigt das Unternehmen an, und zwar unter dem sicher sehr sorgfältig ausgedachten Stichwort "aufgeLAFERt". Unter anderem soll der Sternekoch "exklusive Kreationen mit ausgewählten eismann-Produkten entwerfen". Die ersten Ideen werden für den Sommerkatalog avisiert, der am 26. April erscheint.


///// HANDEL INTERNATIONAL


Benci Brothers eröffnet Online-Shop mit nur einem Produkt (Sneakers)
Der Schweizer Luxusschuh-Anbieter Benci Brothers hat einen Online-Shop eröffnet -- für ein einziges Produkt: das handgefertigte Sneaker-Modell "Scrambler", das 2014 auf den Markt gekommen ist und bei 319 Franken (ca. 290 Euro) beginnt. Der Webshop ist denn auch kein schnöder Webshop, sondern "eine Hommage an einen Schuh, der die Benci-Brothers-Geschichte prägt", wie Textilwirtschaft.de das Unternehmen zitiert. Es setzt weniger auf stete Neuerscheinungen, sondern betont, das Angebot bestehe in erster Linie aus Klassikern. Der stationäre Handel bleibe erste Priorität.

Fünf Amazon-Nachrichten in jeweils einem Satz
  • Der US-Pakettracking-Dienstleister Parcel Trackr rechnet damit, dass Amazon im laufenden Jahr 2021 um etwa 30 Prozent wächst und mehr als 500 Mrd. US-Dollar Umsatz einfährt. (Parceltrackr.com)
  • Das Ergebnis der Gewerkschafts-Abstimmung am Amazon-Standort in Bessemer, Alabama, steht immer noch nicht fest -- wird aber als "die bedeutendste gewerkschaftliche Abstimmung des Internet-Zeitalters" gehypt, denn sie könne der Startfunke für Gewerkschaften im US-E-Commerce sein. (Axiom.com)
  • Jeff Bezos hat sich dafür ausgesprochen, zur Finanzierung des US-amerikanischen Infrastruktur-Investitionsprogramms die Unternehmenssteuern anzuheben ("we’re supportive of a rise in the corporate tax rate"). (Wiwo.de, Amazon-Blog)
  • Der US-Verbände-Kooperation Small Business Rising mit insgesamt 60.000 Unternehmen fordert die Zerschlagung von Amazon und anderen marktbeherrschenden Unternehmen. (Zeit.de)
  • Der frühere Bertelsmann-Manager Thomas Middelhoff erzählt, warum in den 90er-Jahren eine bereits vorverhandelte Kooperation mit Amazon scheiterte: weil das Bertelsmann-Management sich nicht vorstellen konnte, auch Unterhaltungselektronik und Rotwein zu verkaufen. (Berliner-Zeitung.de)


///// TRENDS & TECH

Whatsapp vereinfacht die Shopping-Prozesse
Whatsapp hat am gestrigen Mittwoch zwei Updates für die Shopping-Funktionen der Business App freigeschaltet: 1) Unternehmen können ihren Katalog jetzt auch über Whatsapp Web oder die Desktop-App erstellen statt wie bisher nur über das Mobiltelefon. Das hilft denen, die ihr Inventar von einem Computer aus verwalten. 2) Dazu kommt die Möglichkeit, bestimmte Artikel aus dem Katalog auszublenden, damit keine Bestellungen für nicht verfügbare Artikel kommen. Sobald die Produkte erneut verfügbar sind, lassen sie sich einfach wieder im Katalog anzeigen. Dazu passend: Die Software "Remote Selling via Whatsapp" von Mercaux soll dabei helfen, Whatsapp-Anfragen in Umsatz zu verwandeln, so Internetretailing.net.

So treibt der Handel die Automatisierung der Intralogistik voran
Der E-Commerce ist nur ein Baustein von vielen im komplexen Einzelhandelsgeschehen. Omnichannelkonzepte machen Lagerprozesse komplizierter und stellen höhere Anforderungen an Intralogistik und Lagerverwaltungssoftware. Ob Micro-Fulfillment, Dark Stores oder neue Distributionszentren mit höherem Automatisierungsgrad - über den Handelserfolg entscheiden Flexibilität und die Nähe zum Kunden. Jessica Heinz von Dematic gibt in einem Gastbeitrag einen Überblick über aktuelle Strategien des Einzelhandels.

Britischer Wäscherei-Service denkt über Lieferdrohnen nach

Lange nichts über Lieferroboter berichtet, daher ein Blick nach Großbritannien: Die Wäscheservice-Plattform Laundrapp will in absehbarer Zeit Drohnen zur Abholung und Lieferung von Wäsche einsetzen. Noch ist es ein Plan. Wie Tamebay.com schreibt, soll das Programm "Laundry Drone" in Zusammenarbeit mit Drohnenherstellern, Kunden und Behörden herausfinden, wie ein sicherer Betrieb möglich ist, der die Wäsche innerhalb von 24 Stunden gewaschen zurückbringt.

Shopify-Datendieb wird angeklagt
Im US-Bundesstaat Kalifornien wurde ein Mann angeklagt, der mit Hilfe von zwei Unternehmens-Mitarbeitern Kundendaten der E-Commerce-Plattform Shopify gestohlen haben soll. Mehr als 100 Händler, die mit der Plattform arbeiten, seien betroffen, so Techcunch.com. Es sei um Wettbewerbsvorteile und Betrug gegangen. Shopify habe im September 2020 den Datendiebstahl gemeldet. Der Prozess soll im September 2021 beginnen.

Einzelhandel ist die größte Werber-Kategorie auf Facebook
Amazon natürlich, aber auch klassische Supermärkte und SB-Warenhäuser stellen die größte Gruppe unter denen, die auf Facebook werben: Laut Retaildive.com machen Einzelhändler 17 Prozent der Facebook-Werbekunden aus. Im Vorjahr waren es noch 15 Prozent. Die Zahlen stammen von Media Radar.