Keine guten Zahlen für den stationären Einzelhandel in Deutschland hat das statistische Bundesamt vorgelegt: Die Pandemie trifft die Geschäfte, vor allem die Textilbranche hat es im Juni hart erwischt. Ob die Forderung aus Berlin nach regelmäßigen Sonntagsöffnungen da hilft? Der Trend weist national wie international weiter in Richtung wachsender Onlinehandel. In dieser Zeit ist es für Unternehmen umso wichtiger, die Marke zu stärken. Tipps zum Marketing im New Normal gibt es morgen in unserer digitalen Konferenz.

///// HANDEL NATIONAL

Textil kriselt, Online wächst
Der Umsatz im deutschen Einzelhandel hat sich nach Angaben des statistischen Bundesamtes vom vergangenen Freitag im Juni 2020 zwar gegenüber dem Vormonat um 1,6 Prozent verringert, gegenüber dem Juni 2019 ist er real aber um 5,9 Prozent gewachsen. Klingt gar nicht so übel im Angesicht der Krise? Der Blick auf die Details sieht anders aus: Der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren hat gegenüber dem Vorjahresmonat ein Minus von 16 Prozent verzeichnet. "Für den Textil-Einzelhandel ist die Pandemie eine Katastrophe" schreibt dazu die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Während die stationäre Textilbranche also klarer Verlierer ist, geht der Gewinn vor allem auf das Konto des Onlinehandels – er ist gegenüber dem Vorjahresmonat um fast ein Drittel gewachsen. Um einen Gegenakzent zu setzen, fordern Einzelhändler in Berlin jetzt einen "regelmäßigen verkaufsoffenen Sonntag".

Marketing im New Normal
Können Marken gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen? 10 ehrliche Best Cases, unter anderem von der Deutschen Bank, McDonalds, eBay, Best Western Hotels, Werner + Mertz und SunExpress Airlines gibt die digitale Konferenz "Love Your Customer – Build Your Brand!". Schon morgen geht es los, also schnell noch anmelden.

Der Geist von Neckermann
Am 18. Juli 2012 endete mit der Insolvenz von Neckermann eine der großen Erfolgsgeschichten des Versandhandels. Ein wenig knüpft die Zukunft nun an die Geschichte an. Denn die ehemalige Neckermann-Konzernzentrale in Frankfurt am Main soll zu einem modernen Rechenzentrum umgebaut werden. Diese Drehkreuze des Datenverkehrs im Internet sind unverzichtbar für das Geschäftsmodell der heutigen Onlinehändler – quasi Neckermanns Erben.

Vielfältige Lebensmittel
Am vergangenen Freitag (31. Juli) war Tag der Lebensmittelvielfalt. Anlass für den Handelsverband Lebensmittel (BVLH), die Rolle des Lebensmittelhandel (LEH) herauszuheben. Dieser versorgt mit einem Netz von mehr als 37.000 Geschäften in Deutschland 83 Millionen Menschen, wie Franz-Martin Rausch hervorhebt, Hauptgeschäftsführer des BVLH. Die Kunden fänden durchschnittlich zwischen rund 2.000 verschiedene Artikel (Discounter) bis zu 60.000 unterschiedliche Produkte (SB-Warenhaus) als bedarfsorientiertes Sortiment. 

///// HANDEL INTERNATIONAL

Weniger Walmart-Übernachtungen
Die Parkplätze der rund 4.700 us-amerikanischen Walmart-Supermärkte sind traditionell beliebt bei Campern, die hier für eine Nacht ihr Wohnmobil abstellen. Nach einem Bericht von CNN nimmt allerdings die Zahl der Standorte ab, die das erlauben – während gleichzeitig immer mehr Menschen ein Wohnmobil mieten oder kaufen, um in den Zeiten der Corona-Pandemie Urlaub machen zu können. Nach CNN-Angaben ermöglichten noch 2010 rund 78 Prozent der Stores das Campen für eine Nacht, heute seien es nur noch knapp 58 Prozent. Trotz der Bedenken gegen Verschmutzungen oder längere Standzeiten der Wohnmobile sollten die lokalen Walmart-Geschäftsführer ihre Politik vielleicht überdenken. Denn die Camper sind eine nicht zu vernachlässigende Zielgruppe: Insgesamt planen nach Angaben der Reisemobilbranche 46 Millionen US-Bürger in den kommenden zwölf Monaten einen Trip mit dem Reisemobil.

Sprint für Sneaker
Auch der Turnschuhmarkt hat unter der Pandemie gelitten, berichtet Matt Powell von npd: Im März sei der Absatz von Sneakern um 40 Prozent gesunken, im April sogar um 50 Prozent. Dafür gab es im Juni ein Wachstum von 25 Prozent – "einer der besten Monate, die wir je hatten", sagt Powell. Zahlreiche limitierte Modelle hätten zum Plus beigetragen. Die beliebtesten Sneaker-Modelle 2020 bisher stellt Business Insider vor.

Nicht nur die Top-Models von Baum und Acker
Über das britische Start-up Oddbox berichtet das Handelsblatt: Das 2016 gegründete Unternehmen vermarktet Gemüse und Obst, die den ästhetischen Ansprüchen des konventionellen Großhandels nicht entsprechen („odd“). Also wenn beispielsweise die Karotte „ein wenig zu krumm“ ist, oder der Apfel „nicht exakt die gewünschte Farbe hat“. Jährlich würden aus solchen Gründen viele Tonnen qualitativ einwandfreier Lebensmittel vernichtet. Die Produkte werden in Pappboxen an die Kunden geliefert. Oddbox verzeichnete von Frühjahr 2019 bis 2020 ein Umsatzplus von 400 Prozent und hat erst in diesem März in einer Finanzierungsrunde 3,2 Millionen Euro frisches Kapital eingesammelt.

///// TRENDS & TECH

Alles Apple
Der iPhone-Konzern hat eine neue Geschenkkarte lanciert, in der die bisher getrennte iTunes-Card und die Apple Store Card zusammengeführt werden. Zunächst ist die neue Karte nur in den USA erhältlich, unter anderem über Amazon, Best Buy, Target und Walmart. Das nachhaltigste Geschenk im Zusammenhang mit Apple wäre aber vermutlich eine Aktie des Unternehmens. Zum Börsenschluss am Freitagabend hat Apple nach einem deutlichen Anstieg des Marktwertes Saudi Aramco als das wertvollste Unternehmen an der Börse abgelöst.

Favorit der Leser
Niedrige Margen, hohe Kosten: E-Food-Modelle im Vergleich
Kein Lebensmittelhändler kann es sich mehr leisten, nicht online zu verkaufen - und doch sind bisher nur wenige in der Lage dies gewinnbringend zu tun. Etailment-Experte Thomas Täuber beleuchtet verschiedene Geschäftsmodelle weltweit und zeigt, wer schon profitabel arbeitet.