Für die Europäer steht das Bargeld beim Bezahlen immer noch an erster Stelle, doch die Karten und die elektronischen Verfahren holen stetig auf. Nicht zuletzt durch die Pandemie werden die Verfahren für kontaktloses Bezahlen immer beliebter. 2019 erfolgten nach den Zahlen der Europäischen Zentralbank 72 Prozent der Zahlvorgänge am Verkaufsort mit Cash, nun sind es nur noch 59 Prozent. Für 60 Prozent der Europäer sollte eine Barzahlung immer eine Option sein, größere Summen werden bevorzugt per Karte bezahlt. Die EZB sieht sich durch diese Entwicklung in ihrem Aufbau einer digitalen Währung bestätigt. Es müsse immer die Möglichkeit bestehen, mit öffentlichem Geld zu bezahlen.

///// HANDEL NATIONAL
Das Lieferkettengesetz sorgt für mehr Transparenz
Für Unternehmen mit mehr als 3.000 Beschäftigten gilt vom 1. Januar 2023 das neue Lieferkettengesetz. You Gov hat für den E-Learning-Anbieter für rechtlich-regulatorische Themen Lawpilots in 520 Unternehmen eine Umfrage über ihre Vorbereitungen durchgeführt. Danach gehen 55 Prozent, davon aus, dass sie die Sorgfaltspflichten erfüllt hätten, doch nur 21 Prozent erklärten, dass sie die Lieferkette von Anfang bis Ende im Blick hätten. 54 Prozent der Unternehmen hätten bislang keinen Menschenrechtsbeauftragten. Die Unternehmen könnten die Transparenz der Lieferkette aber als Wettbewerbsvorteil nutzen, auch kleinere Betriebe mit mehr als 1.000 Unternehmen, für die das Gesetz ab 2024 gilt. Ein proaktives Vorgehen stelle einen Vorteil dar, lautet die Einschätzung von Lawpilots.

Erzeugerpreise steigen langsamer
Der Anstieg der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte hat im November an Geschwindigkeit verloren. Die Preise bewegten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 28,2 Prozent nach oben, im Oktober hatte der Anstieg nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts bei 34,5 Prozent, im September bei 45,8 Prozent gelegen. Damit habe es im November zum zweiten Mal in Folge einen deutlichen Rückgang im Vergleich zum Vormonat gegeben. Die stärksten Anstiege verzeichnen die Statistiker bei den Energiepreisen, aber auch für Verbrauchsgüter, Vorleistungsgüter, Gebrauchsgüter und Investitionsgüter sei es deutlich nach oben gegangen. Bei den Verbrauchsgütern lägen die Preise um 18,5 Prozent höher als 2021, bei den Gebrauchsgütern um 11,1 Prozent.

Längere Lieferzeiten in der Weihnachtszeit
In den Wochen vor Weihnachten sind die Lieferzeiten der Bestellungen oft länger als angekündigt. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der Unternehmensberatung Accenture, die dafür Testbestellungen bei 55 Online-Händlern und Marken durchführte. Nach einem Bericht des Handelsblatts erreichten die Bestellungen die Kunden im Schnitt einen Tag später als im Vorfeld angegeben, die Lieferzeit lag bei 3,7 Tagen. Bei den Modehändlern sei die Ware aus dem regulären Produktportfolio im Schnitt nach 4,9 Tagen bei den Kunden angekommen, angekündigt seien im Schnitt aber 3,7 Tage gewesen. Bei Amazon hätten die Lieferzeiten bis zu sieben Tage erreicht, bei Zalando bis zu elf Tage. Die Unternehmen erklärten, sie hätten bessere Werte, Amazon habe aber keine konkreten Zahlen genannt. Die Marktforscher gehen davon aus, dass die Unternehmen die Rahmenbedingungen unterschätzt hätten. Insgesamt gäben aber nur noch 20 Prozent der Händler bei den Bestellungen feste Lieferzeiten an.


///// HANDEL INTERNATIONAL

EU-Kommission akzeptiert Verpflichtungsangebote von Amazon
Die EU-Kommission hatte im Juli 2019 ein Verfahren gegen Amazon wegen der Nutzung nichtöffentlicher Daten eingeleitet, im November 2020 folgte ein zweites wegen der Kriterien für die Vergabe der Buy-Box und des Verkaufs in Prime. Amazon hat nun Verplichtungsangebote abgegeben, mit denen die Nutzung der Verkäuferdaten aus dem Marktplatz für Amazon untersagt werden und die einen gleichberechtigten Zugang zur Buy-Box und zu Amazon Prime gewährleisten. Die Kommission hat die Angebote akzeptiert und für rechtlich bindend erklärt. Danach wird Amazon die nichtöffentlichen Daten nicht für das Einzelhandelsgeschäft nutzen. Amazon wird ein zweites, konkurrierendes Angebot in Buy-Box besser präsentieren, dazu kommen zusätzliche Rechte und Datenschutzmöglichkeiten für Logistikunternehmen. Für Beschwerden wird ein zentralisiertes Verfahren eingeführt.

Takko Fashion expandiert online in Europa
Der Modehändler Takko hat weitere Märkte in Europa für den Online-Handel ins Auge gefasst. Für 2023 ist der Start in fünf europäischen Ländern geplant, konkret geht es um Online-Shops in Österreich, Frankreich, den Niederlanden, Tschechien und der Slowakei, schreibt Internet World. Geplant sei ein direkter Lieferdienst an die Kunden, diese könnten die Ware im Rahmen von Click & Collect auch selbst in den stationären Filialen abholen. Die Verwaltung des digitalen Verkaufs erfolge vom Sitz der Einzelhandelskette in Telgte, ein Logistikzentrum sei in Niedersachsen geplant. Erst in der vergangenen Woche hatte Takko den deutschen Online-Shop mit einem veränderten Design neu gestartet.

Walmart baut den Lieferdienst per Drohne aus
Walmart erweitert den Lieferdienst mit den Drohnen auf drei weitere US-Bundestaaten. Verfügbar ist er nun nach einer Meldung von Retail Dive auch in Regionen in Arizona, Florida und Texas, bis Ende des Jahres sollen es insgesamt sechs Staaten sein. Bestellungen seien zwischen acht Uhr morgens und 20 Uhr möglich, der Lieferradius betrage eine Meile ausgehend vom jeweiligen Geschäft. Es gebe keinen Mindestbestellwert, die Liefergebühr betrage 3,99 US-Dollar. Als die drei Staaten, die folgen sollen, werden Arkansas, Utah und Virginia genannt. Dann solle es den Service in 23 Städten mit 34 Ladengeschäften geben.



///// TRENDS & TECH

Online-Händler verlieren Umsätze durch schwierige Bestellprozesse
Der Online-Handel hat mit einem selbstverschuldeten Umsatzverlust in Höhe von 2,5 Milliarden Euro zu kämpfen. Als Grund dafür nennt der CMS-Entwickler Storyblok die komplizierten Kaufprozesse in den Online-Shops. Nach den Ergebnissen einer Umfrage beenden 76 Prozent der Kunden im Schnitt vier Einkäufe pro Jahr vorzeitig, wie die Lebensmittelzeitung schreibt. Der Gesamtwert der Einkäufe betrage rund 67 Euro. Unattraktiv für die Käufer seien die limitierten Zahlungsmöglichkeiten, eine schlechte Navigation und ein unübersichtlicher Online-Shop sowie nicht-wettbewerbsfähige Preise.

Der Fachkräftemangel im Einzelhandel wächst
Im Einzelhandel nimmt das Problem des Mangels an Fachkräften weiter zu. Mit den zwischen Juli 2021 und Juni 2022 durchschnittlich 37.000 fehlenden Fachkräften hat die Branche nach einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung einen Höchststand erreicht. Für knapp ein Drittel der Stellen fehlten die entsprechend qualifizierten Fachkräfte, die größten Defizite wiesen Augenoptik sowie Aufsicht und Führung in Medizintechnik auf. Ein Grund für die negative Entwicklung ist nach Auffassung der Forscher der Mangel an ausgebildetem Nachwuchs. So sei die Zahl der Ausbildungsverträge in den vergangenen zehn Jahren gesunken. 2021 habe die Zahl der offenen Ausbildungsstellen über der Zahl der Bewerber gelegen.

Hautarzt für Zuhause: So kombiniert ein Berliner Start-up Telemedizin und Onlineshop
Das Berliner Start-up Formel Skin hat sich auf die Fernbehandlung von Hautkrankheiten wie Akne, Neurodermitis oder Rosazea spezialisiert. Es kombiniert telemedizinische Dienstleistungen mit dem Verkauf personalisierter Hautpflegeprodukte - und hat damit offenbar eine Marktlücke gefüllt. In nur drei Jahren erarbeiteten sich die Berliner eine solide Kundenbasis und hohe digitale Sichtbarkeit, die das Start-up vor Kurzem sogar an die Spitze der Visibility Charts E-Commerce von Etailment und Warehousing1 brachten. Im Etailment-Interview erklärt Mitgründerin Sarah Bechstein das Konzept von Formel Skin.


///// NACHHALTIGKEIT

Wachsende Nachfrage bei der Verleihplattform We Dress
Die Plattform für den Verleih von Kleidern We Dress vermeldet eine steigende Nachfrage. Als einen Grund für die positive Entwicklung nennt das Unternehmen auch die derzeitige wirtschaftliche Situation, schreibt Fashion United. In diesem Jahr sei die Plattform zweigleisig mit dem Online-Shop und temporären Ladeflächen in Geschäften vorangegangen. Diese Strategie werde fortgesetzt, den Schwerpunkt bilde weiterhin das Online-Geschäft. Dort könnten die Kunden das Kleidungsstück, Leihdauer und das Übergabeverfahren für die Kleidung auswählen. Die Zahlung der Leihgebühr, die von den Verleihern festgelegt werde, erfolge im Voraus. We Dress erhebe eine Provision in Höhe von 20 Prozent des Mietpreises. Für den Verleih werde nur Ware mit einem Mindestkaufpreis von 110 Euro und von hochwertigen Marken akzeptiert.

Brüsli meldet Insolvenz an
Der Müsli-Produzent Brüsli ist insolvent. Das Unternehmen aus Wien, das sich auf die Produktion von Müslis aus altem Brot und ausschließlich natürlichen Zutaten spezialisiert hatte, musste den Schritt zum Insolvenzrichter nach eigenen Angaben wegen der angespannten finanziellen Situation vornehmen. Die Bemühungen in den vergangenen Wochen, die Produktion und den Verkauf fortzusetzen, hätten keinen Erfolg gehabt. Brüsli hatte sich auf die Fahnen geschrieben, den Lebensmittelabfall und dadurch auch den Verbrauch von CO₂ und Wasser zu senken.