Gemessen an den hohen Onlineanteilen bei Elektronik oder Mode, hinkt die Möbelbranche in Sachen E-Commerce noch deutlich hinterher. Ein Unternehmen, das die Digitalisierung der Branche vorantreibt, ist der Kölner Onlinehändler Mokebo. Im Etailment-Interview spricht Mitgründer Philip Kehela über die Zusammenarbeit mit Herstellern und Lieferanten und darüber, welche Möbelkategorien das Start-up ganz besonders im Visier hat. 

Die Möbelbranche digitalisiert sich erst spät. Dennoch ist die Entwicklung nicht aufzuhalten, und jüngere Generationen werden ihre Einrichtungsentscheidungen größtenteils online treffen. Davon sind die Mokebo-Gründer Philip Kehela und Moritz Messinger überzeugt.

Ihr 2018 gegründetes Start-up soll Möbelhersteller und Lieferanten, die noch abhängig vom stationären Handel sind, auf ihrem Weg in den E-Commerce unterstützen. Die gemeinsam entwickelten Produkte werden über den Mokebo-Onlineshop, aber auch über die Marktplätze von Otto und Amazon vertrieben. 2021 konnte Mokebo seinen Umsatz auf rund 6 Millionen Euro bereits verdoppeln. 
Die Mokebo-Gründer Moritz Messinger und Philip Kehela (rechts)
© Mokebo
Die Mokebo-Gründer Moritz Messinger und Philip Kehela (rechts)
Im Etailment-Interview berichtet Philip Kehela, wie man bei Mokebo mit den Nachfragesprüngen in der Corona-Zeit umgegangen ist und welche Möbelsortimente der Onlinehändler gerne noch abdecken würde.

Mal ehrlich und ohne Buzzwords: Wie würden Sie Ihren Eltern das Start-up erklären?
Liebe Mama, lieber Papa, Möbel kann man mittlerweile super online kaufen – und das sogar in einem bequemen und einfachen Prozess. Transparenz in allen Facetten ist uns dabei wichtig: Unsere Kunden sollen wissen, wie die Möbel, die sie kaufen, genau aussehen, wie ihr Preis-Leistungs-Verhältnis ist und unter welchen Bedingungen die Möbelstücke hergestellt wurden. Auf der anderen Seite der Lieferkette erleichtern wir es den Möbelherstellern, mit denen wir zusammenarbeiten, ihre Ware online zu verkaufen. Das machen wir auf unserer eigenen Website mokebo.de und auf den Plattformen von Otto und Amazon. 

Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in einem Tweet (280 Zeichen)?
Mokebo arbeitet mit ausgesuchten, europäischen Möbelherstellern zusammen und vertreibt gemeinsam entwickelte, exklusive Produkte über den eigenen Onlineshop und Onlinemarktplätze. So fördern wir die Digitalisierung der Möbelbranche.

Welche Unternehmen/Kunden konnten Sie bereits überzeugen?
Mit Mokebo bieten wir Menschen die Möglichkeit, erschwingliche Möbel in ansprechenden Designs überall dort zu kaufen, wo sie am liebsten online einkaufen. Seit unserem Start konnten wir bereits über 60.000 Kunden gewinnen. Aktuell arbeiten wir mit acht Möbelherstellern aus Europa zusammen, mit denen bereits langfristige Partnerschaften bestehen. Für 2022 haben wir viele neue Partner und Produktkategorien in der Pipeline und werden unser Sortiment zudem mit unseren bestehenden Herstellern ausbauen. 
Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen?
Neben Aufbewahrungsmöbeln, Sofas, Lampen und Sitzmöbeln möchten wir auch in die weiteren verbleibenden Einrichtungskategorien vordringen. Zur Königsklasse - auch in puncto Komplexität der Abwicklung - gehören Küchen und Betten. Passende Hersteller für eine langfristige E-Commerce-Partnerschaft in diesen Kategorien zu finden ist auf jeden Fall Teil unserer Zielsetzung für die nächsten zwei Jahre. Außerdem halten wir stets Ausschau nach Partnerschaften zu digitalen Dienstleistern in den Bereichen AR und Produktkonfiguratoren für Shopify.

Was war die wichtigste Erkenntnis seit dem Start?
Halte deine Strukturen flexibel, dein Team beweglich und behalte dir ein proaktives Mindset! 2019, knapp ein Jahr nach Launch, ging unser zweiter aufstrebender Sitzsack- und Lampenlieferant insolvent und wir mussten hunderte offene Bestellungen stornieren. Wir mussten schnell und kundennah reagieren und jede Existenzangst erst einmal bei Seite lassen. Im harten Lockdown 2021 hat uns diese Einstellung wieder geholfen: Wir reagierten mit kurzfristigen Erhöhungen der Arbeitsstunden unserer Teilzeitkräfte, stellten eine Menge Prozesse um und hielten tägliche Calls mit Lieferanten und der DHL. Das Ergebnis: eine fast dauerhafte Lieferfähigkeit in Zeiten einer unerwarteten, überproportional steigenden Nachfrage.

Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
Mein Co-Founder Moritz Messinger und ich haben Mokebo komplett ohne Fremdfinanzierung im Bootstrapped-Verfahren aufgebaut und sind seit dem ersten Jahr profitabel. 2020 haben wir einen Umsatz von mehr als 3 Millionen Euro erwirtschaftet. Diesen konnten wir 2021 um 100% steigern - und das mit einem kleinen Team von nur 13 Mitarbeitern.

Welche Schlagzeile würden Sie gerne in fünf Jahren über Ihr Start-up in einer Wirtschaftszeitung lesen?
"Multiplattform-Brand Mokebo knackt 40-Millionen-Umsatzmarke."

Start-ups ohne Buzzwords

Sie sind Gründer eines innovativen und spannenden Unternehmens im Umfeld von Handel und FMCG? Können auch Sie Ihr Start-up ohne Buzzwords erklären? Dann melden Sie sich bei uns jederzeit unter ulrike.sanz@dfv.de.

Alle bisher vorgestellten Start-ups finden Sie unter etailment-Startups.de.

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