Das Start-up Droppery will Dropshipping für die breite Masse der Onlinehändler öffnen - und den Ruf des Streckengeschäfts verbessern. Die Niederländer setzen auf europäische Qualitätsware und versprechen kurze Lieferzeiten. Webshopbetreiber sollen neue Sortimente einfach hinzufügen können und von einer automatisierten Auftragsabwicklung profitieren.

Dropshipping, das vermeintlich risikolose Streckengeschäft, ist in den letzten Jahren in Verruf geraten, sagt Robin van der Heiden. Die Gründe: das Versprechen von schnellem Reichtum, minderwertige Produkte und lange Lieferzeiten.

Van der Heiden, der 2021 gemeinsam mit Marco Mulder in Amsterdam das Start-up Droppery gegründet hat, ist dennoch vom Modell Dropshipping überzeugt: Einzelhändler können damit Waren anbieten, ohne die Artikel selbst einzukaufen, wodurch weder Beschaffungs- noch Lagerkosten anfallen. 
Wollen mit automatisiertem Dropshipping einen Beitrag zur Digitalisierung des Handels leisten: die Droppery- Gründer Marco Mulder, CEO, und Robin van der Heiden, CCO (von links).
© Droppery
Wollen mit automatisiertem Dropshipping einen Beitrag zur Digitalisierung des Handels leisten: die Droppery- Gründer Marco Mulder, CEO, und Robin van der Heiden, CCO (von links).
Hersteller oder Großhändler schicken die Ware nach Übermittlung der Bestellung direkt zum Endkunden, als Absender tritt jedoch der Onlinehändler auf.

Automatisierte Verkaufsprozesse

Mit Droppery wollen die Gründer das Dropshipping-Modell modernisieren, für die breite Masse der Onlinehändler öffnen - und dabei europäische Qualitätsstandards und kurze Lieferzeiten einhalten.

Die Saas-Lösung soll Lieferanten und Marken helfen, Wiederverkäufer zu finden; Onlinehändler werden bei der Suche nach neuen Sortimenten unterstützt, können neue Lieferanten digital in ihren Webshop einpflegen und profitieren von der automatisierten Auftragsabwicklung, indem sie bereits vorhandene logistische Prozesse nutzen. Dies sei bspw. bei sperrigen Artikeln besonders interessant.

Im September 2021 freigeschaltet, umfasst die Droppery-Plattform inzwischen mehr als 80.000 Produkte. Der Schwerpunkt liegt auf Home&Living-Kategorien, Innen- und Außenmöbeln. Noch im ersten Quartal dieses Jahres wird das Start-up ein eigenes Büro in Köln eröffnen.
Etailment hat mit Co-Gründer und CCO Robin van der Heiden über die weiteren Pläne gesprochen.

Mal ehrlich und ohne Buzzwords: Wie würden Sie Ihren Eltern das Start-up erklären?
Wir haben mit Droppery eine Plattform gebaut, die es Herstellern, Lieferanten und Marken ermöglicht, Webshops als Wiederverkäufer anzuschließen. Webshops müssen kein Inventar anlegen und können somit direkt aus dem Vorrat der Marken heraus an ihre Kunden verkaufen.

Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in einem Tweet (280 Zeichen)?
Droppery ermöglicht eine schnellere Expansion im Onlinegeschäft, entweder durch neue Wiederverkäufer oder durch neue, qualitativ hochwertige Produkte. Zudem automatisiert es einen zeitraubenden Prozess.

Welche Unternehmen/Kunden konnten Sie bereits überzeugen?
Wir arbeiten mittlerweile mit über 70 Herstellern, Lieferanten und Marken zusammen. Dabei fokussieren wir uns auf die mittlere bis obere Schicht des Markts. Das bedeutet, dass wir nur mit europäischen Marken arbeiten, womit wir schnelle Lieferzeiten, aber auch die Qualität der Produkte gewährleisten können.
Die Droppery-Lösung verbindet Händler, die Lightspeed, Shopify, Shopware oder Woocommerce nutzen, direkt mit mehr als 70 Lieferanten.
© Droppery
Die Droppery-Lösung verbindet Händler, die Lightspeed, Shopify, Shopware oder Woocommerce nutzen, direkt mit mehr als 70 Lieferanten.
Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen?
Eigentlich mit allen Marken, die ihren Onlineumsatz steigern möchten. Wichtig dazu zu sagen ist, dass wir natürlich auch immer auf der Suche sind nach Webshops, die gerne mehr Produkte, ohne diese einkaufen zu müssen, führen möchten.

Was war die wichtigste Erkenntnis seit dem Start?
Unser Ziel war von Anfang an klar, wir wollen die Go-to-Plattform für Dropshipping in ganz Europa werden. Die Erkenntnis, dass Dropshipping doch einen recht schlechten Ruf genießt, war eine sehr wichtige, und wir wollen diesen mit Droppery wieder herstellen.

Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
Wir sind bereits in mehr als 10 Ländern aktiv, obwohl wir erst im September mit Droppery „live“ gegangen sind. Dass wir in so kurzer Zeit so schnell expandieren, macht mich sehr stolz.

Welche Schlagzeile würden Sie gerne in fünf Jahren über Ihr Start-up in einer Wirtschaftszeitung lesen?
„Droppery-Kunden machten im vergangenen Jahr mehr als 1 Milliarde Euro Umsatz“

Start-ups ohne Buzzwords

Sie sind Gründer eines innovativen und spannenden Unternehmens im Umfeld von Handel und FMCG? Können auch Sie Ihr Start-up ohne Buzzwords erklären? Dann melden Sie sich bei uns jederzeit unter ulrike.sanz@dfv.de.

Alle bisher vorgestellten Start-ups finden Sie unter etailment-Startups.de.

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