Das estnische Start-up Woola will mit Verpackungslösungen aus Wollresten gleich zwei Probleme von Plastikverpackungen lösen: die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die Kurzlebigkeit. Nach Estland, Schweden, Finnland, Dänemark und Frankreich will das junge Unternehmen nun auch in Deutschland Onlinehändler von seinen Produkten überzeugen. Etailment stellt Woola vor.

Mehr als 200.000 Tonnen Schafwolle werden in Europa jedes Jahr ungenutzt entsorgt - und damit wertvolles Potenzial für die Verpackungsbranche verschenkt. Davon ist Anna-Liisa Palatu überzeugt. Zusammen mit Katrin Kabun und Jevgeni Širai hat sie 2020 Woola gegründet. Das Start-up mit Sitz in Tallinn stellt Verpackungslösungen aus Wollresten her und hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: bis 2030 50% des weltweiten Verbrauchs von Luftpolsterfolie aus fossilen Brennstoffen einzusparen.

Für die Herstellung von Versandtaschen, Schutzhüllen und Luftpolsterfolie verwendet Woola Wolle, die als Abfallprodukt der Schafschur übrig bleibt. Diese eignet sich aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht zur Herstellung von Garn für die Textilindustrie. Daher wird sie in den meisten Fällen entsorgt.
Woola-Mitgründerin Anna-Liisa Palatu
© Woola
Woola-Mitgründerin Anna-Liisa Palatu
Dabei besitzt Schafwolle Eigenschaften, durch die sie sich als Verpackungsmaterial für empfindliche und zerbrechliche Waren anbietet: Sie ist widerstandsfähig und wasserabweisend. Die "Wollpolsterfolie" ("Bubble Wool") soll Waren deshalb genauso effektiv vor Bruch und Kratzern schützen wie Luftpolsterfolie.

Nach Estland, Schweden, Finnland, Dänemark und Frankreich bereitet Woola nun den Markteintritt in Deutschland vor. Im Etailment-Kurzinterview stellt Woola-Mitgründerin Anna- Liisa Palatu das Start-up vor.

Mal ehrlich und ohne Buzzwords: Wie würden Sie Ihren Eltern das Start-up erklären?
Waren für den Versand in Luftpolsterfolie zu verpacken, ist alles andere als nachhaltig und gut für unseren Planeten – genau das wollen wir ändern. Viele wissen nicht, dass Schafwolle eine ungenutzte und zu wenig geschätzte Ressource ist. Denn mehr als 200.000 Tonnen Wolle werden in Europa jedes Jahr ungenutzt entsorgt – oft wird diese Wolle verbrannt oder vergraben. Im Team haben wir herausgefunden, dass eben diese Wolle ausreicht, um 120% des weltweiten Bedarfs an Luftpolsterfolie zu decken. Mit unseren Woola-Produkten reduzieren wir die Nachfrage nach Einweg-Plastikverpackungen im E-Commerce, indem wir eine bessere Alternative anbieten, nämlich Schutzverpackungen aus Wollresten.
Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in einem Tweet (280 Zeichen)?
Schützen, auffallen und Plastik reduzieren – mit Woola-Verpackungen aus Wollresten können Einzelhändler umweltfreundlich und sicher empfindliche Waren wie Elektronik, Schmuck oder Kosmetika versenden. Und das Beste: alle Produkte sind wiederverwendbar.

Welche Unternehmen/Kunden konnten Sie bereits überzeugen?
Unser Kreis an Kunden ist recht breit gefächert, dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit: Unsere Kunden versenden Produkte, die geschützt werden müssen. So arbeiten wir mit Modemarken zusammen, die Schmuck verkaufen, mit Haushaltsreinigungsmarken wie Atmo Home oder auch mit Gewürzherstellern. Ein weiteres Beispiel ist Tanel Veenre, ein buntes und experimentelles Schmucklabel, das vor etwa einem Jahr von individuell gestalteten Luftpolstertaschen aus Plastik zu unseren Wollumschlägen wechselte. Wir hoffen, bald noch mehr Gründer wie Tanel von Tanel Veenre davon zu überzeugen, dass Wollverpackungen eine einfache, funktionelle und nachhaltige Möglichkeit bieten, Produkte während des Versands zu schützen. Insgesamt sehen wir in ganz Europa ein großes Interesse aufseiten der E-Commerce-Marken.
Alternative zur Luftpolsterfolie aus Plastik: Die "Wollpolsterfolie" macht sich Elastizität, Wasserabweisung und Beständigkeit gegen extreme Temperaturen von Wolle zunutze und eignet sich für Versandprodukte, die eine zusätzliche Polsterung benötigen.
© Woola
Alternative zur Luftpolsterfolie aus Plastik: Die "Wollpolsterfolie" macht sich Elastizität, Wasserabweisung und Beständigkeit gegen extreme Temperaturen von Wolle zunutze und eignet sich für Versandprodukte, die eine zusätzliche Polsterung benötigen.

Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen?
Unsere Wunschkunden sind Einzelhändler, die zerbrechliche Produkte online verkaufen. Da wir die größtmögliche Wirkung erzielen wollen, ist es unser Ziel, mit den größten Namen im E-Commerce zusammenzuarbeiten: von Amazon und Otto bis hin zu spezifischeren Vertikalen wie Shop Apotheke.

Was war die wichtigste Erkenntnis seit dem Start?
Unser Motto „Manchmal verlieren, immer gewinnen” spiegelt unsere wichtigste Erkenntnis wider: Jeden Erfolg, den wir bisher erzielen konnten, verdanken wir unserer Arbeitsmoral und Hartnäckigkeit. Doch auch wenn wir immer unser Bestes geben, scheitern wir manchmal – das Wichtigste dabei ist, dass wir uns nicht entmutigen lassen, aus den Fehlern lernen und es erneut versuchen.

Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
Wir sind sehr stolz darauf, dass wir seit unserer Gründung im Jahr 2020 bereits 32.374,40 Quadratmeter Luftpolsterfolie aus Kunststoff ersetzen konnten. Zudem setzen wir alles dran, unsere eigene Produktion so nachhaltig wie möglich und völlig abfallfrei zu gestalten. So haben wir bereits alle Kunststofffolien durch wiederverwendbare Palettennetze und Palettengurte ersetzt, um die Kartons während des Transports zu sichern. Zudem recyceln wir alle Kunststofffolien, die uns unsere Lieferanten schicken. Kürzlich haben wir auch unsere Produktionsabfälle (also Wollabfälle) zur Herstellung von Matratzen verwendet, die wir an die Front in der Ukraine geschickt haben.

Für die äußere Schicht der Woola-Versandumschläge wird Recyclingpapier verwendet, das Innenleben besteht aus einem Wollumschlag. Die Lagen aus Wolle und Papier sind nicht miteinander verklebt oder verbunden, damit sie für das Recycling leicht getrennt werden können.
© Woola
Für die äußere Schicht der Woola-Versandumschläge wird Recyclingpapier verwendet, das Innenleben besteht aus einem Wollumschlag. Die Lagen aus Wolle und Papier sind nicht miteinander verklebt oder verbunden, damit sie für das Recycling leicht getrennt werden können.
Welche Schlagzeile würden Sie gerne in fünf Jahren über Ihr Start-up in einer Wirtschaftszeitung lesen?
"Luftpolsterfolie, nein danke: Lösungen wie Woola reduzieren den weltweiten Verbrauch von Luftpolsterfolie um 50%" 

Start-ups ohne Buzzwords

Sie sind Gründer eines innovativen und spannenden Unternehmens im Umfeld von Handel und FMCG? Können auch Sie Ihr Start-up ohne Buzzwords erklären? Dann melden Sie sich bei uns jederzeit unter ulrike.sanz@dfv.de.

Alle bisher vorgestellten Start-ups finden Sie unter etailment-Startups.de.


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