Der Edeka-Lieferdienst Bringmeister bekommt mehr Schub. In München steigt der Regionalfürst Feneberg als Partner ein. Der Webshop Freshfoods von Feneberg und der eigene Logistikdienst werden gleichzeitig eingestellt. Die neue Partnerschaft ist pikant: Denn der süddeutsche Lebensmittelhändler ist auch bei Amazon Prime Now noch mit im Boot.

 Der Einstieg von Feneberg bei Bringmeister ist ein Stück weit eine Kapitulation. Denn der eigene Lebensmittel-Lieferdienst und der eigene Webshop Freshfoods.de werden eingestellt. Grund sind die Kosten und der auf Jahre anhaltende Investitionsbedarf, heißt es sinngemäß auf der Website. Erst im Sommer hatte Feneberg den Webshop freshfoods.de modernisiert und das Konzept optimiert – beispielsweise mit Gratis-Routen ohne Lieferkosten. Die sollen zwar dank besserer Verdichtung die Kosten reduziert haben. Aber das reichte offenbar nicht.

Start von Feneberg bei Bringmeister ist noch in dieser Woche. Freshfoods-Kunden können ihr Kundenkonto zu Bringmeister übertragen.

Das Bündnis liegt nahe. Schließlich kooperiert die traditionsreiche Supermarkkette aus dem Allgäu mit 76 Filialen in Süddeutschland seit langem mit der Bringmeister-Mutter Edeka. Bringmeister, von schwarzen Zahlen weit entfernt, braucht zudem dringend mehr Umsatz und Ware. In Berlin beispielsweise werde Bringmeister von der hohen Nachfrage überrollt, schreibt die LebensmittelZeitung. In München wird Bringmeister das Feneberg-Bio-Sortiment "VonHier" listen.
Feneberg im Web: Der Online-Shop Freshfoods ist am Ende
© Feneberg
Feneberg im Web: Der Online-Shop Freshfoods ist am Ende
Nachdem Bringmeister und das Bio-Unternehmen Alnatura erst im September ihre bestehende Partnerschaft zu einer langfristig angelegten strategischen Kooperation in Berlin erweitert haben, gewinnt der Edeka-Lieferdienst damit nun in München einen neuen starken Partner hinzu. Das Kemptener Lebensmittel-Unternehmen hat drei Filialen im Stadtgebiet München. In einer dieser Filialen wird weiterhin für Amazon Prime Now gepickt. Die weitere Distribution besorgt dann Amazon.
Bei Feneberg, wo man alternativ über Click & Collect-Lösungen nachdenkt, mag man den Abschied vom eigenen Lieferkonzept gegenwärtig vielleicht wie eine Niederlage empfinden. Womöglich darf man sich bald aber schon als Vorreiter sehen. Angesichts der Kosten und der Komplexität des Managements der letzten Meile und unter dem Druck des immensen finanziellen Aufwands bei der Kundengewinnung haben auf mittlere Sicht im Mittelstand wohl nur Kooperationen mit Finanzpolster und entsprechend großen Teams für Planung und Entwicklung Aussicht auf Erfolg.
Ob dazu - nicht nur für Feneberg - auf Dauer die Zusammenarbeit mit Amazon zählen wird? Unklar. Denn etliche Kooperationspartner sind inzwischen enttäuscht ausgeschieden. Zuletzt die Biokette Basic. Feneberg bleibt dem Onlineriesen aber noch treu.
Noch.

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