Gestern schrieben wir hier, dass die Ausnahmesituation normal geworden ist. Heute folgt der nächste Beweis: Die Menschen kaufen nicht mehr so hysterisch Lebensmittel ein wie vor zwei Wochen. Und es gibt neue Trends: Bier statt Klopapier. Wein statt Nudeln. Gut, die Osterfeiertage rücken näher, da will man dann trotz Kontakteinschränkung mal wieder ein bisschen genießen. 

//// Branche & Politik
Rekordquartal für Industrie- und Logistikimmobilien

Der deutsche Markt mit Industrie- und Logistikimmobilien brummt. Nach den ersten drei Monaten des laufenden Jahres notiert der Immobilienberater Colliers International ein Transaktionsvolumen von über 1,9 Milliarden Euro - und das ist fast eine Verdopplung zum Vorjahreszeitraum. Sogar das bislang stärkste Quartal aus dem Jahr 2017 wurde um 3% übertroffen, so dass das diesjährige erste Quartal das bislang stärkste der Vorjahre darstellt und etwa 55% über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegt. Zu einer der bedeutendsten Einzeltransaktionen zählte die Veräußerung des Amazon-Logistikzentrums in Schönefeld bei Berlin. Hier sicherte sich die Quantum AG das Objekt für zwei koreanische Fonds-Vehikel. Verkäufer des über 35.000 Quadratmeter großen Sortierzentrums sind May & Co. und Pflugfelder, die die Immobilie für Amazon vergangenes Jahr entwickelten. 

Das Ende der Hamsterzeit
Immer mehr Studien lassen vermuten, dass die Zeit der "Hamsterkäufe" vorbei ist. So hat jetzt die Einkaufs-App Bring festgestellt, dass es die Deutschen mittlerweile etwas ruhiger angehen lassen. Demnach wurde in in Kalenderwoche 14 schon 39% weniger Nudeln, 41% weniger Reis und gar 77% weniger Konserven gekauft als in der Kalenderwoche 12. Stattdessen wird deutlich, dass das Osterfest näherrückt. Folglich wurden 21% mehr Schokolade und 6% mehr Kekser verkauft. Auch Bier (+8%) landete öfters in den Einkaufswagen, der zuletzt bedeutungslose Wein erlebte mit plus 60% eine Sonderkonjunktur. Generell ist die Lust nach Genussmitteln größer geworden, denn auch Zigaretten wurden mehr gekauft (+47%). Wichtig für alle: Die Hysterie ums Toilettenpapier hat offenbar abgenommen, denn dieser Artikel wurde zu 23% weniger gekauft als in den Vorwochen. Kauf nebenan
Neben der Deutschen Bank und Postbank steigt auch das Kreditkartenunternehmen Visa als Partner der Aktion "Kauf nebenan" ein, die von der Plattform nebenan.de initiert wurde. Jede Privatperson kann über kaufnebenan.de Gutscheine für Geschäfte in der Nachbarschaft kaufen, die jetzt geschlossen haben, und später einlösen. Visa legt für jeden ausgestellten Gutschein (und jede Spende) zusätzlich die gleiche Summe für die Gewerbe obendrauf (bis zu einem Gesamtvolumen von 500.000 Euro). 

Mehr Gründer
Erstmals seit fünf Jahren hat die Gründungstätigkeit in Deutschland wieder zugelegt, analysierte der KfW Gründungsmonitor. 2019 starten 605.000 Personen eine neues Unternehmen, das sind 11% mehr als 2018. Verantwortlich sind vor allem die Nebenerwerbsgründer. Tatsächlich gab es nie so wenige Vollerwerbsgründer (228.000) wie 2018. Die Zeichen für Gründer standen für 2020 günstig, doch mit der Corona-Krise sind jegliche Prognosen Makulatur.

Möbel gehen online
Ein Einkauf bei Ikea ohne Köttbullar? Das geht offenbar. "Aktuell hat sich unser Online-Umsatz mehr als verdreifacht", teilte der Konzern Internetworld auf Anfrage mit. Die Einbußen im stationären Handel würden allerdings nicht kompensiert. "Wir erzielen damit gut 30 Prozent des Umsatzes, den wir unter normalen Umständen für Ikea Deutschland erwarten würden", hieß es. 
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Datenspende fürs RKI
Das Berliner Start-up Thryve hat für das Robert-Koch-Institut (RKI) die "Corona-Datenspende"-App entwickelt, die ab sofort verfügbar ist. Sie soll RKI-Wissenschaftlern anonymisierte Daten aus Fitness-Armbändern oder Smartwatches liefern, um mehr über Infektionsschwerpunkte und Wirksamkeit von Maßnahmen zu erfahren. Die Ergebnisse fließen in eine öffentliche Karte ein, so dass sich jeder über den Grad der Verbreitung in seiner Region informieren kann.

Keine Gnade für Preistreiber
Wenns ums Geld geht, kennt mancher offenbar keine Moral. "Aus gegebenem Anlass" informiert Ebay, dass das Unternehmen seine Null-Toleranz-Politik fortsetzt und Artikel mit unzulässigen Gesundheitsangaben oder überhöhten Preisen konsequent blockiert. Ebay hat bereits den privaten Handel für bestimmte Produkte ausgeschlossen. Nun dürfen medizinische Schutzmasken und Desinfektionsmittel aktuell nur noch von einem kleinen Kreis gesondert zugelassener gewerblicher Verkäufer angeboten werden. Zudem ist das Auktionsformat unzulässig, ebenso der internationale Versand.

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