Geodatenbasierte Software hilft nicht nur, Lieferrouten optimal zu planen, sondern ermöglicht es auch, Lieferprozesse in Echtzeit zu verfolgen. Wie Händler mithilfe von Location-Intelligence-Technologie zu jedem Zeitpunkt den Überblick behalten, erklärt Gastautor Jürgen Schomakers, geschäftsführender Gesellschafter der Esri Deutschland GmbH.

Das Weihnachtsgeschäft boomt. Und allein in Deutschland konnten die Händler zwischen Black Friday und Cyber Monday ein sattes Plus von 189 % im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen.

Weil die Konsumenten wegen der Corona-Pandemie 2020 schon vor dem neuerlichen Lockdown vermehrt online geshoppt haben, ist auch das Versandaufkommen seit Wochen so hoch wie nie zuvor - so hoch, dass sogar erste Logistikunternehmen wie UPS die Reißleine ziehen und einigen ihrer Handelskunden Versandbeschränkungen auferlegen.

Damit trotzdem jedes Päckchen rechtzeitig seinen Weg unter den Weihnachtsbaum findet, müssen Händler jetzt den Überblick behalten - die Location-Intelligence-Technologie kann sie dabei unterstützen.
Geografische Informationssysteme und raumbasierte Analysen sorgen für Transparenz in der Lieferkette.
© Esri
Geografische Informationssysteme und raumbasierte Analysen sorgen für Transparenz in der Lieferkette.

Wo Location Intelligence im Handel schon eingesetzt wird

Schon unter normalen Bedingungen müssen etliche Prozesse perfekt aufeinander abgestimmt sein, damit auf dem Weg nie etwas verloren geht und jeder Kunde auf schnellstem Weg seine Bestellung erhält. Geodaten spielen hierbei eine wichtige Rolle.

Zwar investieren Unternehmen bereits viel, damit alle Transportmittel und Vertriebswege bestmöglich ineinandergreifen, häufig werden dabei aber nicht alle wichtigen Informationen in den richtigen Kontext gesetzt.

Ein Unternehmen, das dieses Problem bereits vor Jahren erkannt hat, ist Migros. Der größte Einzelhändler der Schweiz, der inzwischen auch einen Onlineshop betreibt, hat auf Grundlage der Location Intelligence seinen sogenannten "LTOPEX Tower" entwickelt.

Digitale Kommandozentrale

Dieser funktioniert wie eine Art digitale Kommandozentrale und hilft dabei, Lieferungsprozesse in Echtzeit zu verfolgen und alle damit zusammenhängenden Transportkettendaten, die äußerst komplex sind, auf übersichtliche Weise zu visualisieren.
Dadurch kann Migros alle Bestellungen überwachen, die Lieferrouten verfolgen und die Kunden informieren - und zwar vollautomatisch und in Echtzeit. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten, beispielsweise weil ein LKW auf der Strecke liegen geblieben ist oder ein Frachter noch vom Zoll aufgehalten wird, schlägt das System unverzüglich Alarm.

So kann Migros rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten und dafür sorgen, dass jeder Kunde pünktlich seine Ware erhält oder direkt informiert wird, falls dies aufgrund größerer Komplikationen einmal doch nicht zu schaffen sein sollte.

Die Herausforderungen der letzten Meile meistern

PaketChef ist eine weitere Lösung, die sich das Prinzip der Location Intelligence zunutze macht. Das ehemalige Corporate Start-up der T-Systems hat sich vor allem auf die letzten paar Kilometer bis zur Haustür des Kunden spezialisiert und will die Lieferrouten innerhalb des Stadtgebiets maximal effizient gestalten.
Bei der Migros stellt die Lösung LTOPEX Tower alle relevanten Informationen über die Supply Chain zentral und übersichtlich dar. In Echtzeit lassen sich Lieferungen verfolgen, Lkw-Routen überwachen oder Kunden informieren. Smarte Algorithmen verwandeln die komplexen Daten der Transportketten in konkrete Informationen.
© Migros
Bei der Migros stellt die Lösung LTOPEX Tower alle relevanten Informationen über die Supply Chain zentral und übersichtlich dar. In Echtzeit lassen sich Lieferungen verfolgen, Lkw-Routen überwachen oder Kunden informieren. Smarte Algorithmen verwandeln die komplexen Daten der Transportketten in konkrete Informationen.
Denn im Vergleich zum Autobahn- oder Schienenverkehr treffen die Zusteller hier auf ganz andere Herausforderungen: Vom Berufsverkehr bis hin zu Knotenpunkten, an denen besonders viele Fußgänger oder Fahrradfahrer zu beachten sind, helfen Tools wie PaketChef mit geodatenbasierter Software dabei, Routen optimal zu planen und diese nach jedem Stopp von Neuem zu berechnen, wobei alle Parameter wie Beladekapazitäten oder Zeitfenster in Echtzeit getrackt werden.

Die Lösung bringt auch nachhaltigere Optionen wie E-Vans oder Lastenräder ins Spiel, die sich für bestimmte Routen im Vergleich zu herkömmlichen Lieferfahrzeugen besonders eignen. So kann PaketChef mithilfe der Location-Intelligence-Technologie sowohl den Händlern als auch den Endkunden stets maximale Transparenz bieten.

Risikofaktoren im Blick behalten

Alle Faktoren im Blick zu behalten, die für die rechtzeitige Zustellung eines Päckchens ein Risiko darstellen könnten, ist gerade während des Weihnachtsgeschäfts wichtig. Hier kann schon eine Lieferverzögerung von einem Tag dafür sorgen, dass ein Kind an Heiligabend traurig und ohne Geschenk ins Bett muss - und die Eltern langfristig als Kunden wegfallen.

 "DHL Paketkopter 4.0": 60 km Flugstrecke in durchschnittlich 40 Minuten.
© DHL
Logistik

Verliert die letzte Meile ihren Schrecken?

Damit das unter keinen Umständen geschieht, müssen Händler in diesem Jahr jedoch doppelt achtsam sein. Denn die Konsumenten bestellen nicht nur generell mehr online, um langen Schlangen und dichtem Gedränge in den Geschäften zu entgehen.

Um den Verzicht der letzten Wochen und Monate ein Stück weit zu kompensieren, hat immerhin fast ein Drittel der Deutschen in diesem Jahr das Budget für Weihnachtsgeschenke sogar aufgestockt. Das belegt eine Studie von Rakuten Advertising. Im E-Commerce kann von Krise also keine Rede sein.

Um die große Kauflust der Verbraucher voll auszuschöpfen und die Kunden zufriedenstellen zu können, führt für Händler kein Weg daran vorbei, alle relevanten Geodaten einzubeziehen. Denn nur, wenn sie sich den nötigen Durchblick verschaffen, können sie dafür sorgen, dass trotz geänderter Voraussetzungen alle Geschenke rechtzeitig unter dem Weihnachtsbaum liegen.

MEHR ZUM THEMA:

Für den kleinteiligen Lieferverkehr in der City setzt GLS auch auf Lastenräder.
© GLS
City-Logistik

Letzte Meile - Das rät der Fraunhofer-Wissenschaftler


DHL-Zustellung an der Zugspitze
© DHL
Rückblick

Populär im April: Helden der letzten Meile


Der Logistik-Roboter TORU hilft beim Picking
© Magazino
Start-ups

Diese Start-ups machen die erste Meile flotter