Jeden Ort der Welt durch drei Wörter bestimmen und finden zu können, das ist die Grundidee hinter What3words. Seit dieser Woche nutzt der Berliner Marktplatz für Gebrauchtwaren Green Circle die Lokalisierungstechnologie des britischen Unternehmens. Auch der Onlineshop von Breatheilo sowie die Logistiker DB Schenker und Night Star Express zählen hierzulande zu den Kunden. Wie das Drei-Wort-Adresssystem genau funktioniert und in welchen Fällen es klassischen Postadressen überlegen ist, sagt Luis Galdino-Gläser von What3Words im Etailment-Interview.

Der Berliner Online-Marktplatz für Gebrauchtwaren Green Circle bietet den Kunden seit dieser Woche die Möglichkeit, die Abhol- oder Lieferadresse mit einer Drei-Wort-Adresse zu ergänzen. Die Lokalisierungstechnologie des britischen Unternehmens What3Words soll helfen, Lieferorte präziser anzugeben und so die Zustellgenauigkeit erhöhen.

Im Januar hatte der Onlineshop breatheilo.com eine Kooperation mit What3words bekanntgegeben. Im Vereinigten Königreich arbeiten bereits zahlreiche Onlineshops sowie mehrere große Logistikunternehmen wie Hermes und DPD mit dem Drei-Wort-Adress-System. Doch warum braucht es neben Postadressen und GPS noch alternative Adresssysteme? Etailment hat darüber mit Luis Galdino-Gläser von What3Words gesprochen. 

Ungenaue Adressierung ist einer der Gründe, warum die letzte Meile für Onlinehändler häufig zur Herausforderung wird. Alternative Adresssysteme sollen Abhilfe schaffen.
© What3words
Ungenaue Adressierung ist einer der Gründe, warum die letzte Meile für Onlinehändler häufig zur Herausforderung wird. Alternative Adresssysteme sollen Abhilfe schaffen.
Warum braucht es alternative Adresssysteme?
Rund 41% der Kaufentscheidungen basieren einer Studie des IW Köln zufolge auf Faktoren wie Lieferzeit oder Zustellort. Bei der Zustellung von Waren stehen Unternehmen überall vor demselben Problem: ungenaue Adressierung. Kuriere haben Mühe, die Abgabestellen zu finden – den richtigen Eingang des Wohnblocks oder den Zugang zur Lagerhalle. Rund 55 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Adresse, die nicht direkt zur Haustür ihrer Wohnung oder ihres Geschäftsgebäudes führt. Ist das nicht eher ein Problem für Logistikunternehmen als für Händler?
Händler geben die Verantwortung für den Warenversand oft an Logistikunternehmen ab. Kommt die Ware zu spät, verbindet der Konsument die Negativerfahrung dennoch mit beiden.

Fast jedes Unternehmen verzeichnet fehlgeschlagene Lieferungen. Studien zufolge benötigen 7 % aller Sendungen mehr als einen Zustellversuch. Sind Adressen ungenau oder unvollständig, verspäten sich 41 % der Zustellungen, 39 % schlagen komplett fehl. Das geht ins Geld: Durchschnittlich kostet eine fehlgeschlagene Lieferung 14,69 €. Für Händler haben Logistikprobleme damit nicht nur negativen Einfluss auf die Kundenzufriedenheit, sondern auch auf den Umsatz. 

Liefern nicht bereits GPS-Daten exakte Standortangaben?
Das Global Positioning System berechnet den eigenen Standort mithilfe von Satelliten auf eine Spanne von fünf bis 15 Metern genau. GPS-Koordinaten setzen sich aus aus 14 bis 16 Ziffern und Buchstaben zusammen - eine ganze Menge an Zeichen. Die meisten Menschen tun sich schwer, diese Geoinformationen zu nutzen. Denn im Alltag ist es nicht nur wichtig, einen Standort zu bestimmen, sondern diesen auch leicht kommunizieren zu können.
Alternative Systeme wie beispielweise What3words setzen genau hier an: Die Welt wurde in 3 x 3 Meter große Quadrate eingeteilt. Jedem der daraus entstandenen 57 Billionen Flächen wurde eine eindeutige Adresse aus drei Wörtern zugewiesen. Das System ist in 50 Sprachen verfügbar.

Wie funktioniert das in der Praxis?
Ein Beispiel aus der Logistikbranche: Die Drei-Wort-Adresse ///wanne.begeisterung.halbzeit benennt eine konkrete Laderampe von DB Schenker am Standort Frankfurt/Main. Diese exakte Angabe ist äußerst hilfreich für Fahrer, denn sie spart Zeit in der Navigation.
Adresssysteme, die Flächen genau definieren, ermöglichen eine schnelle Auslieferung von Waren, aber auch deutlich mehr Flexibilität. Im vergangenen Sommer konnten sich Kunden des Unternehmens Isar on the Rocks mit den Drei-Wort-Adressen von What3words ihren Picknickkorb an eine beliebige Stelle des Isar-Ufers liefern lassen. Das übersteigt die Möglichkeiten klassischer Postadressen. Wie sieht die Logistik in 10 Jahren aus?
Die Händler Amazon und Wing, aber auch der Paketzusteller UPS versenden Lieferungen in den USA testweise bereits per Drohne; in China sind es Essenslieferungen. Drohnen nutzen bisher überwiegend GPS-Koordinaten, um Ziele zu markieren. Durch die Komplexität der Koordinaten schleichen sich jedoch oft Fehler ein. Copter Express setzt bei seinen Lieferdrohnen z.B. deshalb auf das Drei-Wort-Adresssystem, um Händlern und Konsumenten eine präzise Art der Adressangabe zu ermöglichen.

2020 wurden weltweit insgesamt rund fünf Millionen Lieferdrohnen ausgeliefert. Für 2030 werden bereits zehn Millionen prognostiziert. Klar ist, die Lieferung von Gütern per Drohne kann Kosten senken und eine schnellere Lieferung ermöglichen. Wann es übergreifend funktionierende Konzepte und Technologien gibt, bleibt abzuwarten. Bei unbemannten Paketzustellern wird exakte Adressierung ein ausschlaggebendes Kriterium sein.

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