Der Boom im Onlinehandel stellt die Kurier-, Express- und Paketdienstleister vor immer neue Herausforderungen. Welche Konzepte haben die führenden KEP-Unternehmen auf der „letzten Meile“? Eine umfangreiche Interviewserie auf etailment.de bringt Aufschluss.

4,3 Milliarden. Das sind 4,3 mal tausend Millionen – eine Zahl mit verdammt vielen Nullen: 4.300.000.000. So viele Sendungen wollen die Kurier-, Express- und Paketdienstleister im Jahr 2022 allein in Deutschland zustellen. Das wären mehr als elf Millionen pro Tag. Samstage, Sonntage und Feiertage mit eingerechnet! Eine gigantische Transportleistung und eine logistische Herausforderung für alle Prozessbeteiligten.

Die Prognose ist keineswegs Utopie, denn sie beruht auf der Fortschreibung der Wachstumszahlen der letzten Jahre, die der Bundesverband Paket- und Express-Logistik (BIEK) in seiner aktuellen „KEP-Studie 2018“ hochgerechnet hat. Schon 2017 beförderte die Branche rund 3,35 Milliarden Pakete und Päckchen (plus 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und für das laufende Jahr erwartet Verbandsvorstand Florian Gerster einen erneuten Anstieg um 5,5 Prozent und damit um weitere 170 Millionen Sendungen. 

Immer mehr B2C-Sendungen

Getrieben wird das Wachstum von der zunehmenden Belieferung der Endverbraucher (B2C-Sendungen), die laut BIEK-Einschätzung, 2018 um 8 bis 9 Prozent zulegen werden, während die Branche im B2B-Geschäft mit einem moderaten Wachstum von 1 bis 2 Prozent kalkuliert.
 
Der steigende Anteil der B2C-Sendungen liegt vor allem am wei­terhin dynamisch wachsenden Onlinehandel. Nach Angaben des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel e.V. (bevh) ver­zeichnete der Onlinehandel im Jahr 2017 einen Umsatzanstieg von 10,9 Prozent beziehungsweise um 5,7 Milliarden Euro auf 58,5 Milliarden Euro für den Handel mit Waren (ohne den Online-Umsatz mit Dienstleistungen). Der Handelsverband Deutschland (HDE) weist eine Umsatzsteigerung in einer ähnlichen Größenordnung von 2016 auf 2017 von 10,5 Prozent aus. 
Paketzustellung nach Hause
© BIEK Kompendium
Paketzustellung nach Hause
 

Prognose: Onlinehandel wächst 2018 zwischen 9 und 10 Prozent

Zwar sind in einigen Warengruppen inzwischen Wachstums­grenzen erreicht. Dennoch erwarten die Handelsexperten für 2018 und darüber hinaus weitere deutliche Zuwächse. Dies gilt insbe­sondere für Güter des täglichen Bedarfs. Hier liegen die Wachs­tumsraten deutlich über dem Gesamtmarkt. Sowohl HDE als auch bevh prognostizieren für 2018 einen Zuwachs im gesamten Onlinehan­del mit Waren zwischen 9 und 10 Prozent.

Der KEP-Markt insgesamt setzt sich aus dem Paketmarkt, Expressmarkt und Kuriermarkt zusammen. Der Paketmarkt macht dabei in Deutschland den größten Anteil aus. Auf ihn entfielen 2017 55 Prozent der Umsätze, was, laut KEP-Studie, 10,7 Milliarden Euro entspricht. Auf Expresssendungen entfallen 23 Prozent der Umsätze (4,5 Milliarden Euro), Kuriersendungen kommen auf 22 Prozent (4,2 Milliarden Euro).

Gnadenloser Konkurrenzkampf drückt auf die Margen

Stetig steigende Umsätze und prächtige Perspektiven – alles also eitel Sonnenschein? Mitnichten! Die Herausforderungen für Marktführer wie  Deutsche Post DHL, Hermes, Amazon Logistik, UPS, DPD, Fedex, Go oder Liefery und auch für die lokalen „Helden der Hinterhöfe“ wachsen schließlich mit: Der Konkurrenzkampf ist gnadenlos und drückt auf die Margen. So sinken die Durchschnittserlöse pro Sendung seit Jahren kontinuierlich, zuletzt von 5,85 auf 5,78 Euro und damit auf den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2000. 
Fahrleistung der KEP-Branche
© BIEK Kompendium
Fahrleistung der KEP-Branche
 Nicht wenige Branchenbeobachter prophezeien den baldigen Kollaps des Liefersystems, weil schlicht Fahrer und Lagerpersonal fehlen; das nächste Weihnachtsgeschäft steht bevor… Zudem benötigt die Branche bei fortschreitender Digitalisierung immer mehr IT-Fachkräfte. Das Retourenmanagement wird zunehmend komplexer. Die Metropolen leiden schon jetzt unter Verkehrsinfarkt und auf dem platten Land laufen die Kosten davon, weil die „letzte Meile“ nun mal etwas länger ausfällt. Dazu kommen unter anderen Umweltauflagen, drohende Fahrverbote in Innenstädten, notwendige Investitionen in Elektromobilität, oder die Umsetzung neuer Lieferkonzepte mit Citydepots, Drohnen und Lieferrobotern. 
 

Digitale Warenwirtschaftssysteme sind gefragt

 
Aber auch die Versender, sprich: die Händler, sind gefordert. Ohne digitale Warenwirtschaftssysteme samt Integration der KEP-Dienstleister läuft heute nichts mehr. Produktion, Lager und Filialen müssen für den schnelleren Güterumschlag gerüstet sein. Zudem gilt es, Anforderungen an IT-Sicherheit und Datenschutz zu erfüllen. Und nicht zuletzt: Die KEP-Branche ist die Visitenkarte des Handels, schließlich hat der Bote den direkten Kundenkontakt – rund sechs millionen Mal am Tag, wie der Branchenverband unterstreicht.
 
Wie also lässt sich das weitere Wachstum des Onlinehandels betriebswirtschaftlich, sozial- und verkehrspolitisch sinnvoll steuern? Wer hat die besten Konzepte für den Verteilerverkehr – und vor allem für die kostenträchtige „letzte Meile“? Und welche Trends setzen sich tatsächlich durch? Fragen über Fragen. 

KEP-Dienstleister stehen Rede und Antwort

Die Antworten liefert Ihnen unsere große Umfrage unter den KEP-Spezialisten, die Sie in den kommenden Wochen als fortlaufende Serie auf www.etailment.de lesen können. Zum Auftakt stehen Marten Bosselmann, Geschäftsführer des BIEK, und anschließend Branchenprimus Deutsche Post DHL Rede und Antwort. Klicken Sie auf jeden Fall rein, denn es geht um die Zukunft der Lieferlogistik und damit auch um Ihre Zukunft als Onlinehändler!

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