Thomas Zeller, District Marketing Director UPS Germany, über die Lieferung mit der Sackkarre, optimierte Tourenplanungen und den Einsatz von Diesel-Hybridtechnik. Die große etailment-Umfrage, Teil 5

Das Wachstum im Online-Handel stellt die KEP-Dienste vor immer neue Herausforderungen: Sehen Sie Ihr Unternehmen mit Blick auf Fahrer, Lagerpersonal und Verfügbarkeit von Fahrzeugen für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft gerüstet und wie bereiten Sie sich darauf vor?
UPS gibt es nun seit mehr als 110 Jahren. Wir kennen den Markt, sammeln stetig Erfahrungen und nutzen diese, um bestehende Prozesse zu optimieren. Die Planung für Zeiten mit erhöhtem Zustellvolumen erfolgt bereits frühzeitig einige Monate im Voraus.

Für das Weihnachtsgeschäft in Deutschland werden folgende Maßnahmen getroffen: In Teilzeit angestellte Mitarbeiter haben im Weihnachtsgeschäft die Möglichkeit, mehr Stunden zu arbeiten, um die Vollzeitmitarbeiter beim Sortieren oder Zustellen der Pakete zu unterstützen.

Grundsätzlich gilt bei UPS: Wenn es eng wird, packen alle mit an. So helfen im Weihnachtsgeschäft auch die Führungsebene und Bürokräfte, wo sie können. Wo erforderlich werden auch Saisonkräfte eingestellt.
Thomas Zeller, UPS.
© UPS
Thomas Zeller, UPS.
Verkehrsinfarkt in den Metropolen, lange Lieferwege auf dem Land und drohende Fahrverbote in Innenstädten. Wie können Sie angesichts der infrastrukturellen Probleme die fristgerechte Zustellsicherheit gewährleisten?
Wir sind uns der Herausforderungen in Innenstädten bewusst und setzen bereits Lösungen um, die den Verkehr entlasten und zu einer besseren Luftqualität beitragen.

Dabei gilt es Erfahrungen zu sammeln, um Prozesse zu optimieren und auch für die Zukunft tragfähige Konzepte zu entwicklen. Drei vielversprechende Punkte können wir hier vorstellen, die bei UPS auch für Deutschland von großer Relevanz sind:
  • City Logistik Lösungen: Über ein sogenanntes Mikrodepot stellen die UPS-Mitarbeiter in Innenstädten Pakete per Sackkarre, zu Fuß und/oder mit konventionellen oder elektrisch unterstützten Lastenfahrrädern zu. Im Rahmen unserer sogenannten City-Logistik-Projekte bringen wir so in vielen deutschen Innenstädten wie Hamburg, München oder Frankfurt Sendungen abgas- und staufrei zum Empfänger.
  • Routenplanung: Darüber hinaus nutzen wir modernste Informationstechnologie, um unsere Tourenplanung zu optimieren und auch bei sich ändernden Bedingungen eine fristgerechte Zustellung sicherzustellen.
  • Alternative Antriebe:In Deutschland setzen wir verstärkt E-Fahrzeuge und neuerdings auch Hybrid-Fahrzeuge ein. In Frankfurt am Main nutzen wir beispielsweise bereits ein Hybrid-Zustellfahrzeug, das zu seinem Zustellbereich mit Dieselantrieb fährt, dort dann aber rein elektrisch unterwegs ist. Diese Kombination kompensiert die noch zu geringe Reichweite von Elektroantrieben und ermöglicht eine elektrische Zustellung dort, wo sie am dringlichsten notwendig ist: im städtischen Bereich.

Drohnen, Zustellroboter, autonome Fahrzeuge. Welche Techniken werden sich durchsetzen und wo sehen Sie die weiteren (digitalen) Trends?
Die Digitaisierung nimmt weiter zu und wird künftig autonomes Fahren oder Platooning ermöglichen. Auch wir von UPS testen gerne neue Technologien, um unsere Produkte und Anwendungen zu verbessern.

Ein Beispiel: Schon heute setzen wir Drohnen ein, um Sendungen an abgelegene Orte zu transportieren. In Ruanda bringt UPS beispielsweise lebenswichtige medizinische Güter, wie etwa Blutkonserven oder Impfstoffe, mit Drohnen an Orte, die mit Bodenfahrzeugen schwer zu erreichen sind.

Außerdem bietet sich in Ländern wie Kanada eine Kombination aus Paketzusteller und Drohne an. Beispielsweise kann eine Drohne über Start- und Landeeinrichtung auf einem Lieferwagen autonom abheben.

Während die Drohne mit bis zu 80 km/h unterwegs ist, wartet der Fahrer des Lieferwagens jedoch nicht auf diese, sondern liefert weiter Pakete aus. Das Konzept lohnt sich in ländlicheren Gegenden, wo Lieferfahrzeuge oft mehrere Kilometer zurücklegen müssen, nur um eine Lieferung durchzuführen.

Zudem arbeiten wir konstant an der Weiterentwicklung von Technologien, die die Routen unserer Zusteller optimieren. Ein Beispiel dafür ist die von UPS entwickelte Software ORION („On Road Integrated Optimization and Navigation“), die auf Datenbasis die effizientesten Zustellungsrouten selbstständig plant und dadurch Zeitersparnis, weniger Kilometer pro Lieferung sowie einen geringeren Kraftstoffverbrauch ermöglicht.

Laut Branchenverband BIEK besteht die deutsche KEP-Fahrzeugflotte lediglich zu 3 Prozent aus Transportern mit einem Elektroantrieb. Welche Entwicklung erwarten Sie generell und in Ihrem Unternehmen?
UPS investiert kontinuierlich in den Ausbau seiner Flotte mit alternativen Antrieben: Zwischen 2008 und 2018 lag das Engagement bei über einer Milliarde US-Dollar. UPS setzt weltweit ungefähr 9.100 schadstoffarme Fahrzeuge ein.

Auch in Deutschland finden sich Fahrzeuge, die mit rein elektrischen, hybrid-elektrischen oder mit komprimiertem Erdgas (CNG) unterwegs sind. Im innerstädtischen Bereich kommen zudem (E-)Lastenfahrräder bei der Zustellung zum Einsatz.

Wird sich die Zustellung mit neuen Fahrzeugkonzepten verändern? Werden Transporteure mit leisen E-Lieferwagen bald zu reinen Nachtarbeitern?
Die Zustellung wird weiterhin am Tag erfolgen entsprechend des Bedarfs unserer Kunden. Der reine Transport und Umschlag finden jedoch heute schon häufig nachts statt.
Erfolgreicher Abschluss: UPS will die Zustellzeit noch optimieren.
© UPS
Erfolgreicher Abschluss: UPS will die Zustellzeit noch optimieren.
Wie können Fahrten ohne Kundenkontakt und damit ohne Zustellerfolg vermieden werden?
UPS verfügt über ein umfangreiches Netzwerk an Paketabholungs- oder Rückgabestellen in ganz Deutschland – das sogenannte Access Point-Netzwerk. Diese Standorte können bei Zeitungshändlern, in Lebensmittelgeschäften und Verbrauchermärkten sein und bieten lange Öffnungszeiten an.

Durch unser Online-Tool „UPS My Choice" können Kunden ihre Sendung verfolgen und diese zu einem Access Point umleiten, wenn sie zum Zeitpunkt der Lieferung nicht zuhause sein werden. Händler selbst können ihren Kunden außerdem auch einen direkten Versand zu sich als Access Point anbieten.

Welche Unterstützung können Sie den Händlern beim Retourenmanagement und der Sendungsverfolgung anbieten?
Mit UPS Returns Manager müssen sich Händler nicht mehr auf ausgedruckte Rückholaufkleber in ausgehenden Paketen verlassen.

Denn Kunden können einen autorisierten Rückholaufkleber erstellen, indem sie entweder auf ups.com nach der entsprechenden Kontrollnummer suchen oder auf einen direkten Link in der zugehörigen Zustellungsmail klicken. Gleichzeitig können Händler über ein Verwaltungsportal auf der UPS-Website Einstellungen für alle Rücksendungen einrichten.

Das Ergebnis: Kunden geben Einkäufe so leicht zurück wie sie eine Paketsendung verfolgen. Gleichzeitig erhalten Händler alle erforderlichen Informationen, um Auswirkungen auf den Lagerbestand vorhersehen und die Rücksendungen entsprechend zur Reparatur, Umverpackung oder Bestandsaufstockung weiterleiten zu können.
Welche Voraussetzungen müssen Händler an der Lagerrampe und in den Filialen erfüllen, um eine reibungslose Zustellung zu unterstützen?
Die Händler sorgen dafür, dass alle Pakete für die Mitnahme fertig sind und wirklich nur noch mitgenommen werden müssen. Das funktioniert in der Regel einwandfrei.

Unsere Kunden selbst stehen jedoch häufig noch vor der Herausforderung, die Ware richtig zu verpacken – sodass wir keine „Luft“ transportieren, aber das Produkt auch gleichzeitig richtig geschützt wird. Bei der Wahl der Verpackung beraten wir unsere Kunden daher gern individuell.

Mikro-Depots, Packstationen, Paketkästen, Belieferung in den Kofferraum. Welche innerstädtischen Lieferkonzepte sehen Sie noch?
Schon jetzt betreibt UPS im Rahmen der City Logistik-Projekte in vielen deutschen Innenstädten Mikrodepots. Die Errichtung weiterer Mikrodepots ist vorgesehen, birgt aber auch Herausforderungen.

Dazu gehört der Platzmangel in Innenstädten, der es erschwert, geeignete Stellplätze zu finden. Wir entwickeln unsere innerstädtischen Lieferkonzepte eng in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Stadt, denn wir stehen für regionale Lösungen.

Ein mögliches Konzept der Zukunft sind selbstfahrende Zustellroboter. Diese muss man sich als kleine Wagen vorstellen (ähnlich einem Bollerwagen) auf denen sich eine Box mit mehreren Paketen befindet.

Der Zustellroboter fährt damit zu den Kunden und diese werden etwa per SMS benachrichtigt, dass der Roboter vor der Tür steht. In der SMS ist ein Code enthalten, mit dem sich die Box öffnen und das Paket herausholen lässt. Denkbar wäre es, etwa den Zusteller die Kunden auf der einen Seite der Fußgängerzone beliefern zu lassen und den Roboter die andere.

Alternativ könnte man ihn auch in Einkaufszentren einsetzen, wo er jeweils in die Geschäfte fährt. Einen entsprechenden Testlauf planen wir im nächsten Jahr.

Um Frachträume und Routen effizient zu nutzen, diskutiert die Branche immer wieder über unternehmensübergreifende Kooperationen. Könnten Sie sich eine solche Zusammenarbeit vorstellen und welche Auswirkungen hätte sie?

Von einer konsolidierten Zustellung erwarten wir keine nennenswerte Einsparung von Verkehr. Denn die Zustellfahrzeuge sind ausgelastet. Eine Konsolidierung würde in erster Linie zusätzlichen Umschlag und höhere Kosten bedeuten. Außerdem könnten durch die höhere Anzahl an Express-Sendungen dann auch wiederrum mehrere Fahrten nötig werden.

Und nicht zuletzt käme der Wettbewerb völlig zum Erliegen. Eine vergleichbare Idee wäre, alle Schuhgeschäfte der Stadt zu einem zu konsolidieren. Das macht niemand. Denkbar ist für uns hingegen die gemeinsame Nutzung von Logistikflächen bei getrennter Operation, sodass der Wettbewerb bestehen bleibt.

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