Die Kundenbindung stärken, neues Umsatzpotenzial erschließen und gleichzeitig etwas fürs Klima tun: Mit dem Aufbau von Ladepunkten für Elektroautos profitieren Einzelhändler von einer ganzen Reihe von Vorteilen. Wie sie sich jetzt Fördergelder des Bundes sichern und welche grundlegenden Dinge bei der Planung und Umsetzung beachtet werden müssen, erläutert Gastautor Daniel Heydenreich, Geschäftsführer von The Mobility House.

Die bis zu 80%, mit denen der Bund über das Programm „Ladeinfrastruktur vor Ort“ den Aufbau von öffentlich zugänglichen Lademöglichkeiten bezuschusst, dürften eine einmalige Gelegenheit darstellen.
 
Nachdem die Fördergelder im Windhundverfahren vergeben werden, lohnt es sich, schnell zu handeln. So besteht für die Unternehmen des Einzelhandels die Möglichkeit, Ladepunkte kostengünstig aufzustellen und gleichzeitig ihre Kundenakzeptanz zu erhöhen, wie eine aktuelle Umfrage verdeutlicht. 
Das Bekenntnis zum Klimaschutz als Imagefaktor ist beim Aufbau einer Ladeinfrastruktur ein wichtiger Aspekt. Einzelhändler können dadurch aber nicht nur neue Kunden gewinnen, sondern auch am Strom selbst verdienen und - durch die längere Verweildauer der Kunden - die Umsätze im Ladengeschäft erhöhen.
© IMAGO / U. J. Alexander
Das Bekenntnis zum Klimaschutz als Imagefaktor ist beim Aufbau einer Ladeinfrastruktur ein wichtiger Aspekt. Einzelhändler können dadurch aber nicht nur neue Kunden gewinnen, sondern auch am Strom selbst verdienen und - durch die längere Verweildauer der Kunden - die Umsätze im Ladengeschäft erhöhen.

Kundenbindung als Hauptmotivation

Die Befragung des Kölner EHI Retail Institutes unter rund 100 Handelsketten, Shopping- und Fachmarktcentern hat ergeben, dass für 80% der Befragten die Kundenbindung die Hauptmotivation für den Aufbau von Ladestationen ist. An zweiter Stelle folgen mit 56% die Klimaziele. 28% sehen im Aufbau von Ladeinfrastruktur und dem Verkauf von Ladestrom ein Geschäftsmodell.

Einzelhändler können hierbei nicht nur am Strom selbst verdienen, sondern auch ihre Umsätze in der Filiale erhöhen: Kunden verweilen erfahrungsgemäß etwas länger vor Ort und kaufen zudem häufiger dort ein, wo sie eine Lademöglichkeit vorfinden. Zusätzliches Erlöspotenzial ergibt sich durch die Öffnung der Ladeinfrastruktur für Nichtkunden.

Ladepunkte gelten außerdem mehr und mehr als sichtbares Bekenntnis zum Klimaschutz im Einzelhandel. Je besser die Planung auf Langfristigkeit ausgelegt ist, umso ökonomischer kann die Ladeinfrastruktur auch in Zukunft betrieben werden.
Über das Programm „Ladeinfrastruktur vor Ort“ konkret gefördert werden:
  • der Aufbau und Kauf von Normalladeinfrastruktur (AC und DC, Ladeleistung 3,7 kW bis 22 kW) mit bis zu 80% der Gesamtkosten, max. 4000 Euro pro Ladepunkt,
  • der Aufbau und Kauf von Schnellladeinfrastruktur (DC, mit 22 kW bis maximal 50 kW Ladeleistung) bis zu 80% der Gesamtkosten, max. 16.000 Euro pro Ladepunkt,
  • der Anschluss an Niederspannung inkl. Installations- und Aufbaukosten in Höhe von 80% der Gesamtkosten, max. 10.000 Euro pro Standort,
  • der Anschluss an Mittelspannung in Höhe von 80% der Gesamtkosten, max. 100.000 Euro pro Standort.

Die ausführlichen Förderbedingungen sind der Bekanntmachung des Bundesverkehrsministeriums sowie dem Merkblatt für die förderfähigen Kosten zu entnehmen.

Offene Standards und Normen

Um die volle Förderung zu erhalten, erwartet der Gesetzgeber beispielsweise, dass die Ladeinfrastruktur zukunftssicher aufgebaut wird. Deshalb muss sie über offene Standards wie etwa OCPP mit IT-Backends kommunizieren können und für die Umsetzung der ISO-Norm 15118 vorbereitet sein, eines internationalen Standards für die bidirektionale Kommunikation zwischen Elektroauto und Ladestation.

Offene Standards und Normen erleichtern spätere Erweiterungen sowohl auf Hard- als auch Softwareseite deutlich. Wird zudem noch die Leistung der Ladepunkte intelligent gesteuert, können der Netzanschluss optimal genutzt und Ausbaukosten vermieden werden.
Um die volle Förderung zu erhalten, müssen Händler sicherstellen, dass die Elektroautos Strom aus erneuerbaren Energien erhalten und dass die Ladepunkte rund um die Uhr öffentlich zugänglich sind.
© IMAGO / Sylvio Dittrich
Um die volle Förderung zu erhalten, müssen Händler sicherstellen, dass die Elektroautos Strom aus erneuerbaren Energien erhalten und dass die Ladepunkte rund um die Uhr öffentlich zugänglich sind.
Eine intelligente und dynamische Steuerung – sinnvoll schon ab drei Ladepunkten – garantiert zudem, dass der Energiebezug von bestehenden Verbrauchern wie Klima- und Kühlgeräten nicht beeinträchtigt wird und etwa Photovoltaikanlagen problemlos gekoppelt werden können.

Bis zu 70% Kostenersparnis

The Mobility House setzt bei mehr als 300 Kunden das herstellerneutrale Lade- und Energiemanagementsystem ChargePilot ein. Dank der intelligenten Steuerung der Ladevorgänge wird die Ladeinfrastruktur harmonisch in die bereits existierende Verbraucherlandschaft eingebettet. Erfahrungsgemäß können dadurch 30 bis 70% der Ausgaben eingespart werden.

Verpflichtend ist, dass die Elektroautos an den Ladepunkten Strom aus erneuerbaren Energien erhalten und dass die Stellplätze öffentlich zugänglich sind – am besten 24/7.

Bei geringerer Verfügbarkeit reduziert sich der maximale Fördersatz auf 40%. Außerdem müssen die bezuschussten Ladepunkte vertragsbasiertes Laden, Roaming sowie Ad-hoc-Laden ermöglichen. Dies hat für den Einzelhandel einige Vorteile: Elektroautofahrer können den Ladepunkt beim vertragsbasierten Laden und beim Roaming über ihre eigene Ladekarte bzw. die gewohnte App freischalten, und es können reduzierte Preise für Kunden oder Mitarbeiter angeboten werden.

Zudem erfolgt z.B. mit ChargePilot die Abrechnung der Ladevorgänge automatisch, wodurch der Aufwand für den Betreiber reduziert und der Erlös aus dem Stromverkauf maximiert wird.

Fazit

Das Zeitalter der Elektromobilität hat gerade erst begonnen. Wer jetzt in Ladeinfrastruktur investiert, kann sich gegenüber seinen Wettbewerbern abheben und Kunden anlocken. Irgendwann wird der Markt an Lademöglichkeiten gesättigt sein und diese Chance ist dahin – ein weiteres Argument dafür, zeitnah zu handeln.

MEHR ZUM THEMA:

Strand-Müll: eine Gefahr für Flora und Fauna
© IMAGO / CHROMORANGE
Nachhaltigkeit

Plattform gegen Plastik


Nur mit umfassendem, kreativem und strategisch fundiertem Nachhaltigkeitsmanagement ist es möglich, auch langfristig aus der Masse der Händler herauszuragen.
© imago images/ agefotostock
Handelstrends 2030

Nachhaltigkeit: Vom Vorsprung zur Norm


Greta Effekt? Nicht erst seit der Fridays-For-Future- Bewegung kümmert sich der Handel um Nachhaltigkeit. Allerdings gewinnt das Thema zunehmend an Fahrt.
© petrmalinak - shutterstock.com
Trends

So wichtig ist dem Handel die Nachhaltigkeit