Der deutsche Ableger des niederländischen Lieferdienstes Picnic weitet sein Angebot auf Mönchengladbach aus. Unternehmenschef Frederic Knaudt erläutert, warum gerade dort, spricht über die Verdopplung seines Meersalz-Sortiments – und aus welchem Grund Picnic erfolgreicher sein wird, als die E-Food-Konkurrenz.



Herr Knaudt, vier Monate nach Ihrem Start in Nordrhein-Westfalen weiten Sie Ihr Angebot jetzt nach Mönchengladbach aus. Warum gerade dort?

Seitdem wir in Deutschland unterwegs sind, haben überall Menschen unsere App heruntergeladen und sich dann registriert. Die meisten logischerweise in Nordrhein-Westfalen, wo wir derzeit aktiv sind. Aber in Mönchengladbach hatten wir überdurchschnittlich großes Interesse, und deswegen expandieren wir jetzt hier. Wir haben hier in einem ehemaligen Kabelwerk einen hervorragenden Umschlagplatz gefunden. Der wird gerade umgebaut – und in ein paar Wochen kann es dann losgehen.

Das ist dann nach Neuss das zweite Hub, wie Sie es nennen?
Richtig.

Wieviele Kunden haben Sie denn bisher in NRW?
Rund 5.000. Mit Mönchengladbach kommen jetzt potenziell 110.000 Haushalte dazu.

Potenziell. Neuss ist nur etwas kleiner als Mönchengladbach, oder?
Ja, hier umfasst das Liefergebiet mit Städten wie Kaarst und Büttgen rund 100.000 Haushalte. Mit Mönchengladbach haben wir jetzt eine Verdopplung der Reichweite.

Was bestellen Ihre Kunden?
Alles. Wir bieten ja auch alles an, von Babynahrung über Kosmetik bis zu Tiernahrung, wie ein großer Supermarkt. Es werden sehr viel frische Produkte bestellt...

...also Fisch und Fleisch?
Ja, auch Obst und Gemüse.

Bei Frische sind die Kunden im Online-Lebensmittelhandel bisher skeptisch. Ihre nicht? 
Zu Beginn gab es Vorbehalte. Aber nach der ersten Bestellung waren alle positiv überrascht von der Qualität der Produkte. Die Tomaten, die der Kunde heute nach Hause geliefert bekommt, sind auch am selben Tag erst bei uns eingetroffen. Frischer geht es nicht. Dazu passt auch, dass regionale Produkte außerordentlich gut nachgefragt werden, also Brot und Backwaren sowie Kartoffeln aus der Region. Das galt auch für die Zeit von Spargel und Erdbeeren – alles wurde in der Region bestellt. 

Elektro-Laster von Picnic: Demnächst in Mönchengladbach unterwegs
© Etailment
Elektro-Laster von Picnic: Demnächst in Mönchengladbach unterwegs
 Die entsprechenden Bauern dürften Sie mit offenen Armen empfangen haben.
Zumindest freuen Sie sich über gute Geschäfte. Denn über uns erreichen sie bis zu dreimal mehr Kunden als über den stationären Handel.

Es gibt bei Ihrer App auch den Button "Was fehlt?". Hier können Kunden Sortimentswünsche äußern. Wird das genutzt?
Allerdings, hier gibt es ein eigenes Category-Management-Team, das sich alle Vorschläge anschaut und entsprechend listet, was zusammenpasst. 

Ihr beliebtes Beispiel war immer das Meersalz, wovon es bei anderen Händlern oder in Supermärkten stets zig Varianten gibt, bei Ihnen aber nur zwei. Ist das immer noch so?
Mittlerweile sind es vier. Vielleicht brauchen wir ein neues Beispiel.

Picnic verspricht eine spezielle Logistik, die nach eigenen Formeln funktioniert. Hat sich das alles im Alltag bewährt, oder mussten Sie nachbessern?
Die Formel, oder besser, der Algorithmus wertet den Ort der Bestellung aus, den Umfang, die Produkte – und danach werden die Zustellungen errechnet. Ähnlich wie bei Picnic in Holland. Es gab bei uns keinerlei Überraschungen, das hatten wir von Anfang an im Griff. Und je mehr Kunden wir beliefern, umso besser wird unser System, weil wir dann in einer Straße drei-, vier-, fünfmal halten.

Was sind denn Ihre Liefer-Zeitfenster?
Der Kunde bestellt bei uns bis 22 Uhr – und bekommt dann für den Folgetag ein Zeitfenster von 20 Minuten mitgeteilt. Zusätzlich kann er über die App verfolgen, wo sich der Fahrer befindet.

Wie ein Taxifahrer, der über die App MyTaxi bestellt wurde.
Genau.

Zwanzig Minuten Puffer ist sportlich.
Wir fahren nach unseren "Milchmann-Routen" aus. Wir bündeln Bestellungen von Kunden aus der selben Straße und in der Nachbarschaft und beliefern sie auf einer Tour. So haben wir auf kurzer Strecke viele Stopps und weniger lange Fahrten mit unplanmäßigen Staus und Verzögerungen und können deshalb exakter planen.

Der deutsche E-Food-Markt tut sich schwer. Amazon fresh ist weniger marktdurchdringend, als gedacht, Rewe hat gerade die Mindestbestellmenge auf 50 Euro erhöht und Bringmeister steht unter Druck, profitabel zu werden. Beobachten Sie genüsslich, wie sich die Konkurrenz abstrampelt?
Der Durchbruch gelingt uns mit der Gratislieferung. Das ist ähnlich wie damals bei Zalando, die haben damit auch den Markt verändert. Für uns ist entscheidend, dass wir die Logistik im Griff haben. Die Kunden nehmen unser Angebot jedenfalls begeistert an, und uns gelingt es, eine Marktdurchdringung in sehr kurzer Zeit zu schaffen. Nach ein paar Wochen in NRW sind wir schon um ein Vielfaches größer als die Wettbewerber hier in der Region. 
 Die Frage ist nur, ob man als Unternehmen mit dem System der Gratislieferung auch Geld verdienen kann.
Stimmt. Aber unsere Supply Chain ist kürzer als bei den Wettbewerbern. Wir sparen in der Lieferkette den ein oder anderen Schritt, und unsere "letzte Meile" ist extrem effizient. 

Wann soll Picnic profitabel sein?

Erstmal sind wir noch im Wachstumsmodus, und dabei ganz am Anfang.

Wie geht es weiter nach Mönchengladbach?
Darauf liegt zunächst unser Fokus, die Stadt ist für uns ein weiterer Meilenstein. Hier müssen wir einen Kunden nach dem anderen von Picnic überzeugen. Wenn wir das erreicht haben, machen wir uns Gedanken, was als nächstes kommt.

Sie toben sich auf jeden Fall erst einmal nur in NRW aus?
So ist es.

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