Die Marktdominanz von Google ist nicht nur in Deutschland groß. Entsprechend wichtig ist die Suchmaschine für Onlinehändler, da oft ein relevanter Anteil des Shopumsatzes über Google-Besucher generiert wird. Doch was passiert, wenn der Platzhirsch aus Kalifornien seinen Such-Algorithmus anpasst und die Besucherzahlen einbrechen – und wie kann man sich als E-Commerce-Unternehmen dagegen schützen?

Am 25. Mai 2022 war es wieder so weit: Im Twitter-Account der Google Search-Teams wurde ein neues Core Update verkündet. Der Aufschrei der SEO-Community ist dann groß, denn Google Core Updates können starke Verschiebungen in den Suchergebnissen bewirken – und zwar in beide Richtungen.

Dabei sind Updates des Such-Algorithmus nichts Ungewöhnliches: Über 600 Anpassungen soll Google im Jahr an der Bewertung der Suchergebnisse vornehmen. Schließlich soll die Suchmaschine auch weiterhin zum beliebtesten Suchwerkzeug im Netz gehören, entsprechend sind solche Verbesserungen von großer Bedeutung für Google und dessen Aktionäre. 
Die Abhängigkeit vom Google-Algorithmus birgt Risiken, denn Updates können kurzfristig zu starken Ranking-Schwankungen führen.
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Die Abhängigkeit vom Google-Algorithmus birgt Risiken, denn Updates können kurzfristig zu starken Ranking-Schwankungen führen.
Der Suchmaschinenriese aus Mountain View führt jedoch zwei bis drei Mal im Jahr die sogenannten Core Updates mit grundlegenden Veränderungen am Algorithmus durch, die starke Schwankungen der Besucherzahlen auslösen können.

Für Shop-Betreiber können solche Updates folgenreiche Ranking-Veränderungen verursachen. Meist wirkt sich ein Core Update nämlich auch auf den Umsatz eines Onlineshops aus. 20% weniger Google-Besucher bedeuten nicht selten auch einen 10 bis 20% geringeren Absatz, je nachdem, welche Rolle der organische Traffic für den Händler spielt.

Douglas, About You und Kaufland verlieren deutlich

Das aktuelle Google Core Update zeigt, welche Folgen es für den E-Commerce haben kann: Unternehmen wie About You, Douglas und Kaufland verlieren laut dem SEO-Tool Sistrix ca. 18%, 17% bzw. 15% an Sichtbarkeit (Stand: 31.05.2022).

Sollte sich der Online-Umsatz dieser Unternehmen nur ansatzweise ähnlich entwickeln, sind die wirtschaftlichen Folgen immens. Da lässt sich nur auf das nächste Google-Update hoffen, das die Entwicklung in seltenen Fällen wieder umkehrt.
Ein Core Update kann aber auch gute Nachrichten bedeuten. Die deutsche Amazon-Seite beispielsweise steigert ihre Google-Sichtbarkeit um 14%. Die logistischen Folgen eines solchen Sprungs nach oben kann ein Amazon vermutlich noch gut abfedern und den Umsatz mehr oder weniger in Echtzeit steigern.

Aber wie geht ein Onlinehändler mit einem Sichtbarkeits- und Umsatzanstieg von über 100% innerhalb weniger Tage um? Oft fehlt es an Ware oder die Logistik-Prozesse sind für solch ein plötzliches Wachstum nicht ausgerichtet. Somit kann eine eigentlich freudige Nachricht für manch E-Commerce-Unternehmen zumindest temporär zu einer richtigen Herausforderung werden.

Wie sieht nachhaltige SEO aus?

Wie sollte mit Algorithmus-Updates von Google also umgegangen werden? Lassen sich durch Suchmaschinenoptimierung beispielsweise zu große Schwankungen der Google-Sichtbarkeit vermeiden?

Grundsätzlich steht man hier Google als Onlinehändler relativ machtlos gegenüber. Natürlich ist es möglich, mit einer SEO-Agentur an einer nachhaltigen SEO-Strategie zu arbeiten, welche die Wahrscheinlichkeit auf starke Ranking-Verluste zumindest ansatzweise reduziert. Doch der Google-Algorithmus ist komplex und die Vergangenheit hat gezeigt, dass auch professionell betreute Unternehmen starke Ranking-Einbrüche erfahren müssen.

Ziel sollte es daher zwar sein, strategische und googlekonforme Suchmaschinenoptimierung zu betreiben. Die einzige wahre Lösung liegt jedoch darin, sich von der Abhängigkeit des Suchmaschinengiganten zu lösen.

Für wiederkehrende Nutzer sorgen

Ein besonders wichtiger Ansatz liegt darin, alles daran zu setzen, die Anzahl der eigenen Stammkunden zu erhöhen. Wer regelmäßig beim selben Händler einkauft, der ist in der Regel nicht auf gute Google-Rankings angewiesen, sondern besucht die Händler-Webseite direkt bzw. geht über die Brand-Search.

Über Bonus-Programme, Newsletter oder Social Media lassen sich Kunden binden und immer wieder ansprechen. Wer hier gute Arbeit leistet, die Anzahl der Wiederkäufe erhöht und für einen hohen Customer Lifetime Value sorgt, der muss sich nicht zu sehr sorgen, wenn Google mal wieder an der Algo-Schraube dreht.

Auf Marktplätze und alternative Kanäle setzen

Andererseits kommt man als Shop-Betreiber nicht daran vorbei, auch neue Kunden zu gewinnen. Schließlich lässt sich eine gewisse Abwanderungsquote nicht verhindern und Wachstum ohne Neukunden ist kaum möglich. Marktplätze wie von Amazon oder Otto können hier eine Alternative sein.

Die Reichweite insbesondere von Amazon ist riesig: Wer das richtige Sortiment zum passenden Preis anbietet, der kann nicht nur Neukunden gewinnen, sondern sie auch langfristig an den eigenen Shop binden, wo die Margen deutlich höher als auf den Marktplätzen sind.

Allerdings wächst die Konkurrenz auf den großen Marktplätzen schnell, die einzigen Gewinner sind dabei häufig die Plattformen selbst. Darüber hinaus besteht die Gefahr, auch hier in ein Abhängigkeitsverhältnis zu geraten.

Online-Marktplätze schaffen ein One-Stop-Shopping-Erlebnis. Händler sollten dabei aber dem eigenen Markenversprechen treu bleiben.
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Plattformen

Marktplätze jenseits von Amazon: Die richtige Strategie finden

Ein guter Online-Marketing-Mix sollte auch aus Kanälen wie Affiliate-Marketing und Google Ads bestehen. Mit einer starken Marke kann Affiliate-Marketing durchaus eine attraktive Alternative zur organischen Suche sein, da es relativ risikolos ist.

Der Vorteil von kostenpflichtigen Anzeigen auf Google liegt in der Flexibilität, was die Budgethöhe angeht. Brechen die organischen Besucher ein, lässt sich innerhalb weniger Stunden gleichwertiger Traffic über Google einkaufen. Der Schmerz liegt hier in den immer weiter steigenden CPCs, die man als Werbetreiber bei Google je Klick zu bezahlen hat.

Google bleibt alternativlos

Am Ende des Tages muss man sich jedoch mit Google als oft wichtigen Traffic-Lieferanten anfreunden. Wer sich heute der beliebtesten deutschen Suchmaschine entzieht, der wird wirtschaftlich in aller Regel keinen erfolgreichen E-Commerce betreiben können.

Man sollte Google als Chance sehen und durch nachhaltige Suchmaschinenoptimierung langfristig regelmäßigen Traffic für den eigenen Onlineshop generieren.

Durch die Steigerung der wiederkehrenden Nutzer und einen Marketing-Mix, der auf mehreren Kanälen basiert, lassen sich Google Core Updates wie das Ende Mai jedoch weitgehend mit einem leichten Zähneknirschen überstehen.

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