Täglich werden Start-ups gegründet, nur selten von Frauen. Warum? etailment hat bei Gründerinnen nachgefragt und stellt unter der Reihe "women@work" in loser Folge erfolgreiche Frauen vor. Heute: Anike von Gagern, Mitgründerin des Start-ups Tausendkind.

Die Kombination Frauen und Karriere ist immer noch selten, schon gar, wenn sie eine Familie haben. Wie es geht, leben die beiden erfolgreichen Gründerinnen Kathrin Weiß und Anike von Gagern vor, sie haben vier beziehungsweise zwei Kinder. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ihnen im eigenen Unternehmen daher ein Herzensanliegen.

Woran liegt es, dass bei Start-ups und Gründungen Frauen weiterhin klar in der Minderheit sind?
Für mich liegt der Hauptgrund darin, dass es noch wenig Vorbilder gibt, denen die jüngeren Frauen nacheifern. Aber es verändert sich, auch getrieben durch die Frauenquote.

Meiner Meinung nach ist der wichtigste Treiber, um langfristig Frauen in Führungspositionen zu bringen, ganz früh bei der frühkindlichen Bildung anzusetzen und sie ein Schul- und Studentenleben lang zu ermutigen, insbesondere in Bezug auf MINT-Fächer.
Auch ein früher Kontakt mit Männern und Frauen aus der Wirtschaft führt zu einem positiv besetzten Berufsbild. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kinderbetreuung – es braucht solidarische Partner, wenn eine Frau gründet und Kinder bekommt, genauso wie frühkindliche Betreuungsangebote.

Auch in Unternehmen bleiben sie in verantwortlichen Positionen in der Unterzahl. Was verschenken Unternehmen mit einem niedrigen Frauenanteil?
Meine Erfahrung ist, dass gemischte Teams deutlich bessere Ergebnisse erzielen, weil nicht alle die gleichen blinden Flecken haben. Das bedeutet für mich nicht nur, geschlechtsgemischte Teams zu haben, sondern auch unterschiedliche Nationalitäten, unterschiedliche Altersgruppen etcetera – Vielfalt ist bereichernd. Und diese Bereicherung nehmen sich Unternehmen, die im Topteam monolithisch aufgestellt sind. 

Diese Sicht setzt sich offenbar erst langsam durch. Geht's nur über eine Frauenquote ?
Ich bin da unentschieden. Auf der einen Seite sehe ich, dass sich erst mit Einführung der Frauenquote in großen, etablierten Unternehmen wirklich etwas bewegt. Auf der anderen Seite erlebe ich selbst als Arbeitgeber, dass der Arbeitsmarkt in einigen Bereichen sehr eng ist. Die Auswahl durch eine Quote dann noch enger zu machen, führte eher zu schlechten Kompromissen.

"Meine Erfahrung ist, dass gemischte Teams deutlich bessere Ergebnisse erzielen, weil nicht alle die gleichen blinden Flecken haben."

Anike von Gagern
Was war für Ihre Karriereschritte ausschlaggebend?
In den sieben Jahren als Unternehmensberaterin bei McKinsey habe ich gelernt, konzeptionell die Dinge zu durchdenken, datengetrieben zu arbeiten und Projekte zu managen. Das sind Fertigkeiten, die während der Unternehmensgründung von großer Wichtigkeit waren und auch heute noch elementar für die Arbeit als Geschäftsführerin sind.
Neben Know-How spielen aber auch "weiche" Faktoren wie Durchhaltevermögen, Ambiguitätstoleranz, Beharrlichkeit und schlussendlich auch eine gehörige Portion Leidenschaft und Überzeugung für die eigene Idee eine bedeutende Rolle, wenn man sich für die Selbstständigkeit entscheidet.
Welche Förderung benötigen Frauen, um eine Unternehmensgründung selbst in die Hand zu nehmen?
Für mich persönlich waren Vorbilder immer wichtig, und zwar männliche wie weibliche – Leute, die an mich geglaubt haben, die mich gecoacht haben, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen. Für Kathrin und mich als Gründerteam war und ist es wichtig, dass die Investoren an die Idee und uns als Team glauben.
Tausenkind-Gründerinnen Kathrin Weiß und Anike von Gagern: "Investoren glauben an unsere Idee und uns als Team."
© Tausendkind
Tausenkind-Gründerinnen Kathrin Weiß und Anike von Gagern: "Investoren glauben an unsere Idee und uns als Team."

Ihr Thema Produkte rund ums Kind ist prädestiniert für Frauen. Wiederspiegelt sich das in Ihrer Teamzusammensetzung?

Der Anteil an weiblichen Mitarbeitern liegt in unserem Unternehmen bei mehr als 70 Prozent, davon haben knapp 30 Prozent Kinder. Aus diesem Grund ist es bei uns selbstverständlich, dass Frauen Verantwortung übernehmen und Führungspositionen besetzen, viele davon Mütter. Die positive Einstellung zum Leben mit Kindern ist in unserer Unternehmens-DNA tief verankert, wir als Gründerinnen haben vier beziehungsweise zwei Kinder und gehen mit gutem Beispiel voran.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist uns daher ein Herzensanliegen. Wir haben für unsere Eltern verschiedene Angebote, von Homeoffice über flexible Arbeitszeiten bis hin zu der Möglichkeit, die Kinder mit zur Arbeit zu bringen, wenn es mal brennt.

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