Das Potenzial von Augmented Reality (AR) ist für Händler und Marken groß. Camillo Stark, Head of Business Development & Augmented Reality Specialist bei der Fullservice-Agentur MSM.digital, aber sieht die Technik auf dem Weg in den Mainstream. Die Gründe nennt er in diesem Gastbeitrag.

Laut Gartner sollen 2020 bis zu 100 Millionen Konsumenten mit Hilfe von AR einkaufen – online oder im Geschäft. Deloitte rechnet damit, dass die Zahl der Nutzer pro Jahr im Schnitt um über 50 % steigt. Die Beratungen begründen ihre Prognosen mit der Überwindung technischer Barrieren, die den Zugriff ermöglichen, sowie die technische Weiterentwicklung von AR-Software, die Lösungen mit echten Mehrwerten nun auch auf Smartphones verfügbar macht. Treiber dieser Entwicklung sind wieder einmal Apple, Google und Facebook. Die Integration von AR Frameworks in die Betriebssysteme macht Anwendungen performanter und erlaubt andererseits die Aktivierung von AR ohne App.


Die Folge: Endverbraucher erleben AR-Visualisierungen heute nicht nur realer als je zuvor, sondern auch einfacher und schneller. Für Händler und Marken ergibt sich dabei die Möglichkeit, AR direkt und über all ihre digitalen Kanäle wie beispielsweise Website und -shop, Mailings, Social Media auszuspielen. Die damit verbundene Reichweitensteigerung und der einfache Zugang der AR-Aktivierung sind wesentliche Bausteine, um nachhaltige, rentable Conversion- und Business-Modelle aufzubauen.

Augmented Reality wird einfacher zugänglich

Erste AR-Angebote von Möbelhäusern und Online-Anbietern zeigen,

Neue Haarfarbe per App
© © Henkel AG & Co. KGaA.
Marketing

Wie DM und Henkel Augmented Reality ans Regal bringen

dass die dreidimensionale Visualisierung Verbrauchern dabei hilft, Technik fürs Wohnzimmer oder auch Einrichtungsgegenstände besser auswählen zu können. Passt die gewünschte Couch ins Wohnzimmer? Wie macht sich der Kaffeeautomat in der Küche? Ist der Fernsehbildschirm groß genug? AR hilft beim Beantworten solcher Fragen. Mit neuerer Technik lassen sich virtuelle 3D-Modelle verschiedenster Produkte auch ohne App via Smartphone in den Raum projizieren. So sehen Kunden Produkte in ihrer Größe und können sie aus allen Winkeln betrachten, und zwar dort, wo diese später auch stehen sollen. Nutzer mögen AR und würden sie laut einer Studie von Splendid Media gerne als Einkaufshilfe in Online-Shops nutzen.

Augmented Reality hilft im Online-Shop und im Laden

Auch im stationären Handel ist AR praktisch. Nicht immer sind alle Produktvarianten vor Ort oder werden erst nach Bestellung ausgeliefert. Mit einem QR-Code an Regalen oder an der Kasse lassen sich die fehlenden Gegenstände dreidimensional im Laden visualisieren. Das unterstützt die Beratung, etwa im Autohaus, Baumarkt, Elektronikfachhandel oder im Möbelmarkt. Einsatzmöglichkeiten sind für alle Handelsformate denkbar, so setzt Microsoft bei der Vermarktung seiner Surface-Reihe jetzt auch auf AR.
Die Lösung AR-Link projiziert 3D-Modelle ohne App via Smartphone in den Raum und macht Produkte für die Kunden bequem überall erlebbar. AR-Link verbindet die Vorteile von Online- und stationärem Handel: Zum einen können digitale Inhalte und Funktionalitäten umfassend integriert werden, auch im Webshop. Zum anderen ist es möglich, Produkte in realer Größe und aus allen Winkeln zu betrachten.
© MSM.digital
Die Lösung AR-Link projiziert 3D-Modelle ohne App via Smartphone in den Raum und macht Produkte für die Kunden bequem überall erlebbar. AR-Link verbindet die Vorteile von Online- und stationärem Handel: Zum einen können digitale Inhalte und Funktionalitäten umfassend integriert werden, auch im Webshop. Zum anderen ist es möglich, Produkte in realer Größe und aus allen Winkeln zu betrachten.

Augmented Reality reichert Social Media an

Seit vergangenem Jahr können Unternehmen sogar bei Facebook und Instagram erste AR-Features aktivieren. Will eine Kundin die Lippenstiftfarbe testen, muss sie sich nicht mehr die Hand beschmieren. Wie die Farbe in ihrem Gesicht wirkt, könnte sie sich jetzt im AR-Selfie anschauen.

Schönheit aus der App (Foto: ModiFace)
Technologie

Beauty-Apps: Schönheit per Augmented Reality in Echtzeit

Dasselbe ist auch beim Optiker mit Brillen oder in der Boutique mit Pullovern oder Schmuck möglich.

Neben solchen direkten virtuellen Probiermöglichkeiten zur Absatzförderung kann AR auch dabei helfen, Markenengagement und Reichweite auf den sozialen Plattformen zu steigern. Spielerische AR-Anwendungen laden die Nutzer ein, sich länger mit einer Seite oder einer Marke und ihren Produkten zu beschäftigen. Solche Inhalte werden auch gerne geteilt und gehen oft viral. Die Öffnung von Facebook und Instagram für AR ermöglicht außerdem neue Kommunikationsstrategien. AR könnte sich damit zum zentralen Tool für Medienstrategien mausern.

Reale und künstliche Welten fusionieren

AR hat 2019 einige technische Barrieren durchbrochen und ist nun auf dem Weg, sein  Potenzial zu entfalten. Als neues Feature neben Produktbildern, Videos und Bewertungen wird auch AR Kaufentscheidungen beeinflussen, vielleicht sogar das Internet innovieren und die Grundlage für ein Outernet bilden. Dabei stehen AR und die Integration virtueller Elemente in den Alltag oder ins reale Leben im Fokus. Das bildet eine weitere Brücke zwischen stationärem und digitalem Handel und wird beide stark verändern. Händler sollten jetzt beginnen, mit AR zu experimentieren und die technischen Neuerungen aufzunehmen. AR wird die Welt verändern.

Soft- und Hardware verbessern sich stetig. Denkbar ist schon heute, dass Nutzer bald ohne Handy in die erweiterte Realität eintauchen können. Für 2022 hat Apple eine neue Datenbrille angekündigt. Auch mit ihr kann eine neue Ära starten. Was der Bildschirm von heute ist, wird bald in die reale Welt hineinprojeziert. So wird die Umwelt digital erweitert – und der Konsum von digitalen Inhalten und Medien grundlegend verändert.