Die Payment-Landschaft verändert sich rasant und umfassend. Im Onlinehandel ist die Zahlungsabwicklung längst zu einem wichtigen Erfolgsfaktor geworden. Auch der stationäre Handel steht im Umbruch: Verbraucher stellen zunehmend hohe Ansprüche an die Vielfalt der angebotenen Bezahllösungen.

"Lost in Transaction" – die Studie von Zahlungsdienstleister Paysafe aus dem Mai 2021 bringt es gleich im Titel auf den Punkt: Die Zahlungslandschaft wird immer bunter und vielfältiger. Die Corona-Pandemie und die Entwicklung des Onlinehandels haben die Dynamik noch einmal verschärft.

Das eben zeigt die Paysafe-Studie, die aktuellen Trends im Online-Zahlungsverhalten in verschiedenen Ländern auf die Spur geht, unter anderem in Deutschland, Großbritannien und den USA.

Insgesamt mehr als acht von zehn Verbrauchern (86 Prozent) geben an, dass sich ihre Zahlungsgewohnheiten seit Beginn der Pandemie geändert haben. 59 Prozent haben in den vorangegangenen 12 Monaten mindestens eine neue Zahlungsmethode online ausprobiert.
Nicht nur im Onlinehandel wird ein breites Angebot an Zahlungsoptionen immer wichtiger.
© IMAGO / Westend61
Nicht nur im Onlinehandel wird ein breites Angebot an Zahlungsoptionen immer wichtiger.

Wallets auf dem Vormarsch

Die Bewegung in der Zahlungslandschaft lässt sich in zahlreichen Erhebungen wiederfinden. In Deutschland zählt nach Daten des EHI Retail Institute zwar der klassische Rechnungskauf auch 2020 noch zu den beliebtesten Zahlungsarten im Onlineshopping.

Gleichzeitig aber erreichte die Wallet Paypal den höchsten Umsatzanteil seit zehn Jahren und macht inzwischen rund ein Viertel des E-Commerce-Marktes aus.

Die Zahl der Onlinekäufe, die per Rechnung gezahlt wurden, ging zum Vorjahr um rund 2,5 Prozentpunkte zurück. Paypal gewann 4,7 Prozentpunkte. Auch die Kreditkartenumsätze sind gestiegen. Im Jahr 2020 lag der Umsatzanteil der Kreditkarten mit 11,8% um 1,3 Prozentpunkte höher als im Vorjahr.
Der Rechnungskauf ist immer noch die beliebteste Zahlungsart bei deutschen Onlinehandelskunden, doch Paypal holt auf.
© EHI
Der Rechnungskauf ist immer noch die beliebteste Zahlungsart bei deutschen Onlinehandelskunden, doch Paypal holt auf.
Vor allem Händler aus den Segmenten Elektronik, Bekleidung und Generalisten haben einen Umsatzanstieg bei den Kreditkarten feststellen können. Außerdem haben auch Neukunden vermehrt mit Kreditkarte gezahlt.

Aktuelle Daten von Visa bestätigen diesen Trend: Nach Angaben des Unternehmens sind E-Commerce-Transaktionen mit Visa in Deutschland innerhalb eines Jahres bis Ende März 2021 um nahezu 30% gestiegen.

Darf's noch etwas mehr sein?

Ein breites Angebot an Zahlungsoptionen wird immer wichtiger. So kann es sich lohnen, eine Bezahlart mehr anzubieten – statt sich am Ende den Unmut der Käufer zuzuziehen, wenn sich die bevorzugte Zahlungsweise beim Checkout nicht findet. Denn erst dann entscheidet sich schließlich, ob der online gefüllte Warenkorb die Kasse klingeln lässt oder die Abbruchquote erhöht.


Der Studie "Lost in Transaction" zufolge ist für 44% der befragten Verbraucher die "Checkout-Erfahrung" jedenfalls die Basis dafür, ob Verbraucher einem Onlinehändler treu bleiben. Und zu dieser Erfahrung zählen eben auch die angebotenen Zahlungsoptionen.

Demnach würden mehr als die Hälfte aller befragten Konsumenten nicht mehr bei einem Onlinehändler bestellen, wenn sie beim Checkout negative Erfahrungen machen. Immerhin 56% stimmen der Aussage zu, dass sie nur in einem Shop einkaufen, der die bevorzugte Zahlmethode anbietet.

Die Grenzen verschwimmen

Zahlungspräferenzen sind auch im stationären Handel stark in Bewegung geraten. Während noch vor nicht allzu langer Zeit im E-Commerce anders bezahlt wurde als im stationären Handel, verschwimmen bei den Payment-Trends zunehmend die Grenzen.

Ein Indiz: die rückläufige Bedeutung von Bargeld, selbst in Deutschland. Im Krisenjahr 2020 zählten Karten im stationären Handel hierzulande jedenfalls eindeutig zu den Gewinnern. Nach Daten des EHI zahlten Kunden 56,3% des stationären Handelsumsatzes per Karte, nach 50,5% im Vorjahr.

Karten sind die Gewinner der Krise

Nur noch 40,9% machte 2020 der Baranteil aus. "Die Krise hat den Rückgang des Barumsatzes im stationären Handel um mindestens drei Jahre beschleunigt. Karten sind - neben dem deutlich gewachsenenen Onlinegeschäft - die eindeutigen Gewinner der Krise", resümiert Studienautor Horst Rüter.

Ob online oder offline: Das Bezahlen wird zunehmend digital, soll schnell gehen und einfach funktionieren. Das belegen auch die Ergebnisse des "Mobile Payment Monitor 2020" von Visa in Zusammenarbeit mit forsa. Die Nutzung des mobilen Bezahlens, etwa mit der Wallet im Smartphone, steigerte sich demzufolge schon bis zum Juni 2020 innerhalb eines Jahres von 6 auf 12%.

Bei der jüngeren Generation (18-35 Jahre) hatte jeder Fünfte bereits mobil bezahlt. "Das digitale Bezahlen boomt - das sehen wir sehr deutlich", sagt Volker Koppe, Head of Digital Central Europe bei Visa. "Sobald sie diese Lösungen ausprobiert haben, merken Verbraucher, wie praktisch sie wirklich sind."

Vor allem bequem

Der Trend hin zum kontaktlosen Bezahlen sticht deutlich ins Auge. Gerade deshalb, weil das Bezahlen mit "aufgelegter" Karte oder per Smartphone hierzulande in der Vergangenheit lange nicht so weit verbreitet war wie bei vielen europäischen Nachbarn.

Spätestens seit 2020 aber ist "kontaktlos" zum "New Normal" an der Ladenkasse geworden. So erfolgen 80% der Zahlungen mit Visa nach Angaben des Unternehmens in Deutschland inzwischen kontaktlos. Eine Auswertung zum Ende des ersten Quartals 2021 zeigt im Zweijahresvergleich eine Erhöhung kontaktloser Zahlungen von 155%.

Laut "Mobile Payment Monitor" sind Hygienebedenken dabei nicht einmal der wichtigste Grund für kontaktloses und mobiles Bezahlen. Komfort und Convenience-Aspekte stehen im Vordergrund. Am wichtigsten ist den Befragten, den Überblick über ihre Ausgaben zu behalten.

Kunden erwarten digitales Zahlen auch bei kleinen Händlern

Das gilt gerade für mobile Zahllösungen: 95% der Mobilzahler geben an, einen besseren Überblick über ihre Finanzen zu haben, seit sie auf Mobile Payment umgestiegen sind. 59% aller in der Studie Befragten legen Wert darauf, vor einem Kauf nicht mehr zum Geldautomaten zu müssen.

Zudem macht die Erhebung deutlich, dass Verbraucher nun flächendeckend digitale Bezahlmöglichkeiten erwarten – auch bei kleinen Händlern. Knapp die Hälfte der Befragten, die kontaktlos zahlen (48%), möchte zum Beispiel gerne auch beim Bäcker nebenan kontaktlos zahlen können.

Immerhin 15% geben an, bestimmte Geschäfte zu meiden, weil sie nur Bargeldzahlungen annehmen. 85% der Mobilzahler würden häufiger mobil bezahlen, wenn es flächendeckend an allen Kassen in Deutschland möglich wäre. Dass die Kunden eine neue Erwartungshaltung an den Handel entwickeln, stellt auch Commerce-Experte Damir Leko vom Zahlungsdienstleister Concardis fest. "Insgesamt verschmelzen die Online- und Offline-Vertriebskanäle ineinander.“ Der Trend gehe dahin, dass virtuelle und einfache Zahlungsmöglichkeiten an Bedeutung gewinnen. 

„Es wird künftig keine klassischen Online-Only- oder PoS-Only-Zahlungsmittel mehr geben.“ Entsprechende Lösungen sind bereits im Markt, von Debitkarten für den E-Commerce bis hin zu neuen digitalen Akzeptanzlösungen, die Händlern im Online- wie im stationären Handel die Arbeit erleichtern.

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