Sobald aber etwas komplexeres wie eine Produktrecherche erledigt werden soll, streikt die Maschine. Sie steht da, blinkt blau, entschuldigt sich vielmals, während der Benutzer es in der Hand wiegt und im Geiste bereits dessen Flugkurve berechnet (vom Autor zu 99 Prozent für Sie getestet). Oder die Box gibt Pikantes zurück, während Kindermund nur eine sehr harmlose Frage gestellt hat. Daher wenig überraschend: Die 100 Millionen allein von Amazon verkauften Echo-Geräten werden zum größten Teil dazu genutzt, das Frühstücksei morgens lang genug kochen zu lassen. Problem Nummer zwei: Hocheffiziente Mikrofone, ausgestattet mit leistungsstarker Sendefunktionalität rufen besonders hierzulande ein besonders unappetitliches Kapitel der jüngeren Geschichte in Erinnerung. Aber heute muss niemand mehr heimlich Türen öffnen, um alles in einer Wohnung Gesprochene aufzunehmen.
Voice-Fans investieren freiwillig in die Verwanzung der eigenen vier Wände und schätzen den Lifestyle-Mehrwert. Das klappt in der Regel sicher, nur gelegentlich werden zufällig Gespräche an Dritte verschickt oder von Dritten erhalten. Kann passieren.
Sprache ist das intuitivste Mensch-Maschine-Interface und viel einfacher einsetzbar als ein anderes Werkzeug. Gespräch vor Faustkeil.
Unternehmen tun also gut daran, sich mit dieser Art der Kommunikation zu beschäftigen, sie als Experimentierfeld zu begreifen und ihren Kunden den entscheidenden Vorteil gegenüber dem Nicht-Voice-Wettbewerb zu bieten.
Und an alle Zweifler: Jean-Luc Picard hat sich ebenfalls seine Umgebung per Stimme erschlossen - der war Shakespeare-Fan und damit sowieso über jeden kulturellen Zweifel erhaben.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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