Das US-Start-up Wish ist nach eigener Aussage bereits das sechstgrößte E-Commerce-Unternehmen weltweit und will es nicht dabei belassen. „Wir wollen die  Nummer 1 werden“, ist auf der Webseite angriffslustig zu lesen. Deutsche Händler sollten sich ob der Konkurrenz der Shopping-App schon heute warm anziehen. Gründe dafür gibt es genug.

 Wir wussten es, Verbraucher suchen nicht nur Infos über ihr Smartphone, nein – sie verlieren zunehmend jegliche Hemmung und kaufen darüber auch ein. Apps erleichtern diesen Drang zum Geldausgeben.

Konsequenz?

Amazon, Ebay und Alibaba kümmern sich sehr erfolgreich um diese komsumfreudigen mobile-affinen Verbraucher  – und Wish.
Amazon und Ebay sind auch im Bereich Mobile Shopping  gesetzte Größen. In dieser Sphäre hat sich Wish bereits eingenistet. Die Gründer haben von Anfang an auf diesen Kanal gesetzt.

Wish wächst und wächst

Geld ist für den Expansionshunger vorhanden. Das amerikanische Start-up wurde von dem ehemaligen Google-Manager Peter Szulczewski und Yahoo-Manager Danny Zhang 2011 gegründet. In nur sieben Jahren sammelten sie 1,25 Milliarden Dollar ein. Weitere 500 Millionen sind im vergangenen Jahr noch mal dazugekommen. Im September 2017 schätzte Forbes den Wert des Unternehmens auf 8,5 Milliarden Dollar. Das ist ungefähr so viel, wie Macy’s, JC Penney und Sears zusammen. In sechs Monaten hat sich die Einschätzung des Marktwertes mehr als verdoppelt, so Forbes.
Das Produkt: Eine App.

Eldorado für Billigprodukte

Die Geschäftsidee: Wish funktioniert als Plattform für Billigprodukte. Die Anbieter stammen in erster Linie aus Asien. Wer über Wish einkaufe, gehöre zur „unsichtbaren Hälfte“ der Bevölkerung. All jene, die sich Amazon nicht leisten könnten, so Szulczewski.
Doch die Attraktivität ist nicht einfach nur der Preis.
Wish – Plattform für Schnäppchenjäger
© Wish
Wish – Plattform für Schnäppchenjäger
Die Produkte werden ähnlich wie bei Instagram als Fotokacheln präsentiert, immer erscheint neben dem Preis auch die drastische Ersparnis. Hier stöbert man mehr, als dass man gezielt einkauft. Dass reichlich Artikel aufpoppen, die zum eigenen Geschmack passen, liegt – ja am Algorithmus.

Wunschliste liefert Vorschläge

Die Gründer setzen von Anfang an auf Mathematik. Sie schwören auf Personalisierung und Algorithmen. Schon bei der Anmeldung sammelt Wish Informationen zu Alter, Geschlecht und Lieblings-Produkten. Bei der Anmeldung via Facebook werden gleich weitere Daten mit abgefischt. Jeder Besucher wird animiert, sich eine Wunschliste seiner Lieblingsprodukte anzulegen, die permanent wächst. Darüber lernt Wish – es leitet die Vorlieben ab, trifft immer genauer den Kundengeschmack und lädt entsprechend Händler ein hier zu verkaufen und zwar billige Produkte aus China.

Die Mehrheit der Händler auf der Plattform kommt aus dem Reich der Mitte. 300.000 Händler sollen es insgesamt derzeit sein.  "Shopping Made Fun" lautet das Motto. Und Spaß haben vor allem jene, die auch Primark toll finden.
Wish ist "Hauptsache billig". Wo das nicht reicht, da gibt es tägliche Deals, limitierte Preisangebote.

Wish App überholt Amazon App

Das funktioniert offenbar hervorragend. 2017 wurde die App in den USA häufiger heruntergeladen als die von Amazon. Ein Staunen bleibt auch deshalb, weil Wish nicht mit Tugenden glänzt wie Same Day Delivery oder westlichen Qualitätsstandards.

Direktlieferung aus dem Reich der Mitte

Für manchen Kunden wird die Bestellung zur Überraschungspackung. Denn geliefert wird direkt aus dem asiatischen Raum – das kann schon mal drei bis vier Wochen dauern, bis ein Paket eintrifft, möglicherweise auch mit beschädigtem Inhalt oder möglicherweise auch in der falschen Farbe. Das müsse man den Händlern noch beibringen, dass ein Kunde blau meint, wenn er beispielsweise einen Pullover in blau bestellt und nicht zufrieden ist, wenn er in rot geliefert würde, so der Gründer.

Skurile Beute

Obwohl diese Versandkultur nichts mit dem westlichen Standard zu tun hat, der in Europa wie in den USA immer weiter nach oben geschraubt wird, wird über Wish quer über den Globus hemmungslos bestellt. Um genau zu sein von rund 300 Millionen Kunden, sagt Wish.
Eine Erklärung: Es ist offenbar ein Vergnügen im digitalen Wühltisch gnadenlos reduzierte Schnäppchen zu stöbern oder Artikel zu ergattern, deren Existenz und Anwendung einem bislang unbekannt waren. Legende sind bereits Produkte wie Menstruationshöschen für Hunde, eine Meerjungfrau als Räuchermännchen, aus deren Brüsten Rauch entweicht, Silikoneinlagen für einen knackigen Männerhintern für 18 statt 86 Dollar, eine Auswahl an Porzellanzähnen oder Crackpfeifen, die als Hochzeitsstrohhalme angeboten werden. Mancher findet dazwischen auch stark reduzierte Markenartikel.

Deutsche Händler verschlafen Apps

Auch in Deutschland werden heute bereits 40 Prozent der E-Commerce Umsätze  über Mobile Devices  erzielt, zu 63 Prozent führt der Weg über Apps. Je nach Entré (Apple) liegt Wish in Deutschland auf den vorderen Plätzen direkt hinter Ebay und Amazon. Unter den Top Ten findet sich mit Zalando ein deutsches Unternehmen. 

Android-Nutzer kaufen in erster Linie über verschiedene Ebay und Amazon-Wege ein. Auf Platz fünf folgt AliExpress direkt vor Wish – unter den Top Ten – kein deutsches Unternehmen.
Wish hat sich fest in der Top Ten der Einkauf-Apps etabliert – in den USA wie in Deutschland.
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Wish hat sich fest in der Top Ten der Einkauf-Apps etabliert – in den USA wie in Deutschland.

Doch die fabulöse Erfolgsgeschichte hat jüngst ein paar Flecken bekommen. Die Advertising Standards Authority (ASA)  hat das Unternehmen wegen mehrerer Anzeigen mit „anstößig und unverantwortliche Bildern“ verwarnt, in denen beispielsweise ein Kinderbild mit einem Produkt zur Penisverlängerung abgebildet waren.
Anstößige Anzeigen waren zwischen November 2017 und Februar 2018 unter anderen bei Facebook erschienen. Das Social Network hat die Anzeigen eliminiert. Contextlogic, das Unternehmen hinter Wish hat auf die Abmahnung hingegen nicht reagiert.
Ändern wird das am weltweiten Erfolg von Wish wohl wenig.

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